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Anbindung des Belttunnels Autobahnbau auf Fehmarn rückt näher

Von Henning Baethge | 05.06.2021, 03:00 Uhr

Der Naturschutzbund Nabu zieht seine Klage gegen den Ausbau der B207 zurück und einigt sich mit dem Land – dennoch wird ab Montag vor dem Oberverwaltungsgericht in Schleswig verhandelt.

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Nachdem das Bundesverwaltungsgericht vor gut einem halben Jahr grünes Licht für den deutsch-dänischen Fehmarnbelt-Tunnel gegeben hat, rückt nun auch der Bau der Autobahn-Anbindung auf deutscher Seite näher: Im Rechtsstreit um den Ausbau der zweispurigen Bundesstraße 207 zwischen Heiligenhafen und Puttgarden zur vierspurigen Autobahn 1 haben sich die Genehmigungsbehörde des Landes Schleswig-Holstein und der Naturschutzbund Nabu in dieser Woche außergerichtlich geeinigt. Dennoch wird das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig ab Montag ein oder zwei Tage lang über die Baugenehmigung verhandeln – denn das ebenfalls prozessierende Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung hält seine Klage gegen den Autobahnbau aufrecht.

„Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Hinterland-Anbindung des Belttunnels.“
Bernd Buchholz, Verkehrsminister in Schleswig-Holstein

Die Gerichtsverfahren um das 16 Kilometer lange und rund 110 Millionen Euro teure Autobahnprojekt dauern schon über sechs Jahre. Zuletzt hatte das OVG im Februar 2020 Klagen der Stadt Fehmarn und der Gemeinde Großenbrode abgewiesen. Der mit dem Nabu geschlossene Kompromiss räumt jetzt die nächste Klage aus dem Weg. „Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Hinterland-Anbindung des Belttunnels“, freut sich FDP-Mann Buchholz. „Der Vergleich mit dem Nabu bringt uns dem Baurecht auf der Insel näher.“

Schutzmaßnahmen für den „Kriechenden Scheiberich“

Für den Kompromiss hat das Land den Naturschützern eine Reihe von Zusagen gemacht. Unter anderem hat es sich freiwillig zu Schutzmaßnahmen für mehrere Arten von Reptilien, Amphibien und Watvögeln verpflichtet, aber auch für den „kriechenden Scheiberich“, eine vom Aussterben bedrohte Pflanze. Für diese Maßnahmen kauft das Land eine gut vier Hektar große Fläche bei Großenbrode und wertet weitere 16 Hektar bereits bestehender Ausgleichsflächen für den Naturschutz auf.

„Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“
Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein

Zudem will Buchholz auf einem 2,5 Kilometer langen Autobahnstück in der Nähe dieser Flächen für fünf Jahre ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern verhängen, um Lärm und Stickstoffeinträge zu begrenzen und so die Naturschutzmaßnahmen rasch wirken zu lassen. Nabu-Landeschef Ingo Ludwichowski freut sich über die Zusagen: „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Auch Buchholz lobt die Naturschützer: „Die Zusammenarbeit mit dem Nabu war sehr konstruktiv.“

Das Aktionsbündnis befürchtet Verkehrsprobleme in der Bauphase

Dass das Aktionsbündnis hingegen trotz der Zusagen des Landes weiter an seiner Klage festhält, liegt an anderen Kritikpunkten. Vor allem befürchtet das Bündnis große Verkehrsprobleme auf der Insel, wenn im Zuge des Autobahnbaus eine Brücke abgerissen wird, die bisher den Verkehr der Landesstraße 209 über die B 207 führt. In der Bauphase und bis die neue Brücke an gleicher Stelle neu errichtet ist, muss der Verkehr der L 209 daher höhengleich die B 207 kreuzen. „Das Konzept wird vor allem im Sommer zu unzumutbaren Belastungen führen“, warnt das Aktionsbündnis. Das OVG hatte diese Pläne allerdings schon bei der Abweisung der Klage der Stadt Fehmarn akzeptiert.

Noch offen bleiben wird auch nach der nächsten Woche eine Klage der Fährlinie Scandlines, über die das OVG erst später verhandeln will. Die Reederei betreibt die Fähren zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødby und will daran auch nach Eröffnung des Belttunnels in acht Jahren festhalten. Sie bemängelt, dass der Fährhafen in Puttgarden nach dem Ausbau der B 207 zur Autobahn nur noch umständlich zu erreichen sein werde. Allerdings hat bereits das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil zum Belttunnel diese Planung des Landes abgesegnet.

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