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Nach Flugzeugabsturz in Ägypten : Russischer Airbus wurde möglicherweise abgeschossen

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Die Fluggesellschaft spricht von einer „mechanischen Einwirkung“. Die ersten 144 Opfer wurden nach Russland gebracht.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 15:43 Uhr

Moskau | Nach dem Absturz einer Passagiermaschine in Ägypten hat die russische Fluggesellschaft eine technische Störung und einen Pilotenfehler „völlig ausgeschlossen“. Die Katastrophe mit 224 Toten sei durch „mechanische Einwirkung“ erfolgt, sagte Kolavia-Vizechef Alexander Smirnow am Montag in Moskau. Smirnow ließ offen, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. „Es kann alles gewesen sein“, meinte er.

Auf einem streng abgeschirmten Areal der Gerichtsmedizin in St. Petersburg begann unterdessen die Identifizierung der Opfer. Ein erstes Flugzeug des russischen Katastrophenschutzes brachte die sterblichen Überreste von etwa 140 Passagieren aus Kairo in die nordrussische Stadt. Mit Spezialtransportern wurden die Leichen zur Forensik gefahren. Die Überreste werden mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben. „Psychiater werden anwesend sein“, sagte Vizegouverneur Igor Albin. Ein zweites Flugzeug vom Typ Iljuschin Il-76 sollte am Abend in Kairo losfliegen.

Ermittler aus Ägypten und Russland suchen weiter nach der Ursache der Katastrophe. Einer Moskauer Untersuchungskommission zufolge soll die Maschine noch in der Luft zerbrochen sein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, er schließe keine Version aus - „vom Terrorakt bis zum Unfall“. Der Chef des russischen Luftfahrtamtes Alexander Neradko sagte, der Flugschreiber und der Stimmenrekorder (die „black boxes“) der Unglücksmaschine würden in Kairo ausgewertet.

Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte in einem nicht verifizierbaren Bekennerschreiben behauptet, die Maschine am Samstag über der Sinai-Halbinsel zum Absturz gebracht zu haben. Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten dies aber als unwahrscheinlich oder schlossen einen Anschlag aus. Experten halten es jedoch für möglich, dass Russland durch seine Luftangriffe in Syrien stärker ins Visier des IS geraten sein könnte.

Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung sagte, die Gesellschaft schließe einen Fehler der Crew und eine technische Störung aus. Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück auslösen können. Nach Beginn der Katastrophe konnte die Maschine nicht mehr gesteuert werden. „Sie flog nicht, sie fiel“, sagte Jung in Moskau.

Die Crew habe keinen Notruf abgesetzt, sagte Smirnow. „Offenbar war die Mannschaft zum Zeitpunkt der Katastrophe bereits vollständig arbeitsunfähig“, meinte er. Der Airbus A-321 habe innerhalb von weniger als einer Minute massiv an Geschwindigkeit verloren und sei stark abgesackt. „Sie flog nur noch etwa 300 Stundenkilometer schnell und fiel um rund 1500 Meter ab“, sagte der Kolavia-Vizechef. Smirnow bestätigte, dass die kleine Gesellschaft mit Sitz in Sibirien mit Lohnzahlungen im Rückstand sei. Dies beeinträchtige die Geschäfte der Firma aber nicht, betonte er.

Medien in Moskau spekulierten am Montag, ob ein früherer Unfall der Unglücksmaschine fatale Spätfolgen gehabt haben könnte. Das Heck des Flugzeugs sei bei einer Landung in Kairo 2001 beschädigt und danach repariert worden. Kolavia hatte dies als Grund ausgeschlossen.

Ägyptische Rettungskräfte setzten an der Absturzstelle die Suche nach sterblichen Überresten fort. 41 Opfer seien bislang nicht geborgen worden, hieß es. Russische Experten waren an der Suche beteiligt.

Flugzeugunglücke mit den meisten Todesopfern von 1974 bis März 2015:

Jahr des Absturzes Absturzregion Airline Anzahl der Todesopfer
1977 Spanien Pan Am/KLM 583
1985 Japan Japan Airlines (JAL) 520
1996 Indien Kazakhstan Airlines/Saudi Arabian 349
1974 Frankreich Turkish Airlines (THY) 346
1985 Atlantik Air India 329
1980 Saudi Arabien Saudi Arabian (heute Saudia) 301
2014 Ukraine Malaysia Airlines 298
1988 Indischer Ozean Iran Air 290
2003 Iran Iranian Revolutionary Guard 275
1979 USA American Airlines 271
1983 Pazifik Korean Air (KAL) 269
1994 Japan China Airlines 264
2001 USA American Airlines 260
1988 Großbritannien Pan Am 259
1979 Antarktis Air New Zealand 257
1985 Kanada Arrow Air 256
2014 Indischer Ozean Malaysia Airlines 239
1997 Indonesien Garuda Indonesia 234
1996 USA Trans World Airlines (TWA) 230
... ... ... ...
2015 Frankreich Germanwings 150
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