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Weißes Haus : Rexit – Trumps Außenminister vor dem Aus

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Nachdem er Präsident Donald Trump beleidigt hat, sehen Insider die Tage von Außenminister Rex Tillerson gezählt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 18:48 Uhr

Washington | Die Mitternachts-Komödianten im Fernsehen überschlugen sich mit Lachnummern über den seltenen Auftritt des amerikanischen Außenministers. "Warte Rex," stellte sich Stephen Colbert schützend vor Tillerson, der bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz seine Loyalität zu Donald Trump beschwor. „Niemand nennt unseren Präsidenten einen Volltrottel - außer ich.“ Über das Gelächter des Publikums legte Colbert nach. „Und andere Weltführer. Und, ultimativ, die Geschichte.“.

Trump und Tillerson waren schon vorher das Lachen vergangen. Dem Präsidenten, als er von der exklusiven NBC-Geschichte erfuhr, die unter Berufung auf mehrere Quellen in der Regierung berichtete, Tillerson habe ihn einen „moron“ genannt. Trump verstand die Schärfe der Demütigung instinktiv, da er sie selber schon mehr als 50 Mal auf Twitter für Gegner gebraucht hatte.

Der Außenminister fand es seinerseits gar nicht lustig, dass gleich mehrere Personen die Medien über eine kontroverse Sitzung am 20. Juli im Pentagon über die künftige Afghanistan-Politik informierten nach der das Wort „Volltrottel“ gefallen sein soll. 

Dem Vernehmen nach hatte Trump über die Expertise der Fachleute die Nase gerümpft, die zu einer Aufstockung der Truppen am Hindukusch rieten. Demnach verglich er diese mit den hoch bezahlten Berater bei der Umgestaltung seines „Clubs 21“ in Manhattan. „Ich hätte damals besser auf die Bedienung gehört.“

Als Tillerson kurzfristig das diplomatische Pressecorps im Foggy Bottom zusammentrommelte, spekulierten die ersten bereits über eine Rücktrittserklärung des Ministers. Zumal dieser Reporter sonst meidet, wie der Teufel das Weihwasser. Der ehemalige Exxon-Mobile-Chef beantwortet in der Regel keine Fragen der Medien, nimmt so gut wie keine Korrespondenten mit auf Reisen und hat sich im Ministerium selbst in einem abgeschlossenen Korridor mit ein paar Getreuen verbunkert. Seine wie abgelesen vorgetragenen Versicherungen, niemals über Rücktritt nachgedacht zu haben, die Lobpreisungen für den Präsidenten und dessen „Amerika-Über-Alles“-Politik und die Betonung, Trump sei „klug“, werteten die US-Kommentatoren als indirektes Eingeständnis des Exklusiv-Berichts.

 

Tillerson überließ es seiner Sprecherin Heather Nauert später noch einmal ausdrücklich zu sagen, der Minister habe ein solches Wort niemals in den Mund genommen. „Das waren Fake News“ twittert Trump am Donnerstag, der in seinen frühmorgendlichen Einlassungen dem Geheimdienstausschuss des Senats vorschlug, statt der russischen Einflussnahme, die Recherche-Methoden der US-Medien unter die Lupe zu nehmen. „Niemand hat mich gefragt, ob das richtig ist.“

Die „Washington Post“ bestätigte in einem Nachklap bei insgesamt 19 Insider-Quellen, dass der Bruch zwischen dem Präsidenten und seinem Außenminister keine „Fake News“ sind, sondern höchst real ist. „Er befindet sich in einer Art Todesspirale“, zitiert das Blatt einen hohen Mitarbeiter der Regierung. Mit einem „Rexit“ werde nun spätestens bis Anfang 2018 gerechnet. 

Die Spannungen bestehen nicht erst seit Trump seinen vergangene Woche in Peking weilenden Minister brüskierte, als er via Twitter dessen Überlegungen zu Direktgesprächen mit Nordkorea als „Zeitverschwendung“ abtat. Konträre Ansichten traten auch zum Pariser Klimaabkommen, der Blockade Katars, dem Atomvertrag mit Iran und dem Umgang mit den Ausschreitungen rechtsextremer Gewalttäter in Charlottesville offen zu Tage.  

Bleibt die Frage, warum der in der Regierung und im eigenen Ministerium weitgehend isolierte Tillerson im Amt bleibt. Eine Antwort darauf gab indirekt einer der wenigen Verbündeten des Texaners, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, Bob Corker.  „Ich denke Außenminister Tillerson, Verteidigungsminister Mattes und der Stabschef im Weißen Haus Kelly sind die Leute, die unser Land vom Chaos bewahren“, sagte Corker auf dem Capitol Hill nach Tillersons Pressekonferenz.

In Washington kursieren darüberhinaus Spekulationen über einen Pakt zwischen Tillerson, Mattis und Finanzminister Mnuchin, nachdem alle drei Minister gleichzeitig ihre Demission erklären, falls Trump einen feuerte.  

Die NBC-Reporterin, die den Scoop gelandet hatte, blieb bei ihrer Version. Ihre Quelle habe den Präsidenten nicht nur einen „Volltrottel“ genannt, hob sie hervor, sondern einen „ ...cking moron“.  

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