Retten erneuerbare Energien das Weltklima?

Professor Dr. Mojib Latif (r.) und Dr. Christian von Boetticher bei der Eröffnung der 'New Energy'. Foto: Volkert Bandixen
Professor Dr. Mojib Latif (r.) und Dr. Christian von Boetticher bei der Eröffnung der "New Energy". Foto: Volkert Bandixen

Mit Hilfe der erneuerbaren Energien ist der Klima-Wandel zu bremsen. Schon heute könnten Wind, Sonne und Co. den weltweiten Energie-Hunger stillen - theoretisch. Das wurde bei der Eröffnung der "New Energy Husum" deutlich.

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14. März 2008, 12:10 Uhr

Bis 2050 müssen 50 Prozent des Welt-Energie-Bedarfs durch Wind, Sonne, Wasser und andere erneuerbare Energie-Träger gedeckt werden. Bis 2080 muss eine 100-prozentige Abdeckung erreicht sein. Nur dann - davon ist Prof. Dr. Mojib Latif überzeugt - lässt sich der Klima-Wandel abbremsen. Der renommierte Meteorologe vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Kieler Universität lotete bei der Eröffnungsveranstaltung der "New Energy" am Donnerstag in Husum aus, welche Möglichkeiten es dafür gibt.
Für Kai Lippert ist die Frage einfach zu beantworten. Der Regionalsprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft meint, dass schon heute ein Verbund aus Wind- und Solar-Technik in der Lage ist, 98 Prozent der Energie-Nachfrage zu bedienen. Der Solar-Unternehmer aus Handewitt verspricht dazu für 2020 Strom aus Sonnen-Kollektoren zu Preisen, wie sie heute ab Steckdose bezahlt werden. Und drei Jahrzehnte später könne die Foto-Voltaik 50 Prozent der Welt-Strom-Versorgung übernehmen.

Politiker sehen das noch als theoretischen Ansatz. "Irgendwann werden wir auf der Welt von erneuerbaren Energien leben können", glaubt zwar auch Karin Wiedemann. Die Staatssekretärin aus dem Kieler Wirtschaftsministerium befürchtet, dass auf Sicht die Grundlast-Versorgung nicht gesichert ist. Wenn die Atom-Meiler vereinbarungsgemäß abgeschaltet würden und alte Kohle-Kraftwerke ihre Dienste getan hätten, fehlten über 60000 MW Strom-Leistung. Diese Lücke müssten neue Steinkohle-Kraftwerke füllen - aus Sicht der Staatssekretärin nicht gerade ein Beitrag zur Kohlendioxid-Reduktion. Deshalb setze das Wirtschafts-Ministerium auch auf die CO2-Speicher-Technik.
Dieser und anderen Techniken zur Entschärfung der Abgase von Kohlekraftwerken kann auch Dr. Christian von Boetticher etwas abgewinnen. Schleswig-Holsteins Landwirtschafts- und Umweltminister wies darauf hin, das nördlichste Bundesland könne bis 2020 rein rechnerisch alle seine Energie aus Wind gewinnen. Und wenn man die Region zwischen dänischer Grenze und Elbe mit Wind-Spargeln dicht pflastere, reiche das aus, um ganz Deutschland zu versorgen. "Das löst aber kein Klima-Problem", so der Umwelt-Minister aus Kiel. Die Bundesrepublik verursacht laut Prof. Dr. Mojib Latif nämlich nur vier Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses.

Dänemark hat sich das Ziel gesetzt, 30 Prozent seiner Energie bis 2025 aus den "Erneuerbaren" zu gewinnen (zurzeit 14 Prozent), berichtete Jens Andresen. Der Vorsitzende des Regionsrats Sønderjylland-Schleswig ist zusammen mit Christian von Boetticher Schirmherr der "New Energy". Das Nachbarland setzt weniger auf den Ausbau der Wind-Energie sondern mehr auf intelligente Nutzung, fortschrittliche Technnik und Einsparungen. So sollen jährliche Steigerungsraten von 1,5 Prozent erreicht werden.
Die hiesige Landwirtschaft kann auch ohne den Gegensatz "Tank oder Teller" zur alternativen Energie-Erzeugung beitragen, bekundete Werner Schwarz. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein wies darauf hin, dass "bei uns" ausreichend Überschuss-Fläche vorhanden sei, um Biomasse zu produzieren: "Global sieht das anders aus."

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