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Konflikte : Report: Nicht alle Syrer haben Angst vor einem Angriff der USA

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«Bei Gott, ich weiß nicht so recht. Soll ich denn jetzt angreifen oder nicht?», grübelt US-Präsident Barack Obama.

«Wenn Du Angst hast, dann fangen wir eben an», gibt der syrische Machthaber Baschar al-Assad zurück. Nicht alle Syrer können über diesen Witz lachen, den ein syrischer Karikaturist jetzt veröffentlicht hat. Vor allem in Damaskus und in den Dörfern, die direkt neben militärischen Einrichtungen liegen, wächst in diesen Tagen die Angst vor der angekündigten «Strafaktion» der USA.

«Ich habe am Sonntag eine Prüfung, aber ich weiß gar nicht, ob ich wirklich dafür lernen soll, denn vielleicht greifen ja die Amerikaner an», sagt eine 25 Jahre alte Kunststudentin aus Damaskus, die ihren Namen aus Angst vor Repressalien nicht veröffentlicht sehen will. Nervös verfolgt die junge Frau, die in einem der bislang relativ sicheren Innenstadtviertel lebt, die Debatte über das Für und Wider einer Kriegsbeteiligung im britischen Parlament. «Sie spielen mit unseren Nerven, das ist unerträglich», sagt sie.

Hossam (31), der in der ebenfalls von Regierungstruppen kontrollierten Stadt Kamischli an der Grenze zur Türkei lebt, ist dagegen gelassen. «Ich habe überhaupt keine Angst, denn die Angriffe werden sich auf die Stützpunkte des Militärs konzentrieren.» Der Agraringenieur ist überzeugt: «Der US-Militärschlag wird nicht einmal ein Prozent von dem zerstören, was Assad bisher schon zerstört hat.»

Unterdessen werden die Warteschlangen vor den Bäckereien in der Hauptstadt immer länger. Der Kurs des syrischen Pfundes befindet sich schon seit Tagen im freien Fall. Viele Menschen in Damaskus haben in ihren Häusern Lebensmittel eingelagert und Trinkwasservorräte angelegt. «Wann geht es wohl los?» ist eine der am häufigsten diskutierten Fragen, obwohl sich die meisten Menschen auf der Straße nichts anmerken lassen.

Nachdem es erst so ausgesehen hatte, als würde die Attacke schon an diesem Wochenende beginnen, wird unter den Staats- und Regierungschefs, die für eine «Strafaktion» gegen das Assad-Regime sind, jetzt darüber diskutiert, ob man nicht doch besser erst den Bericht der UN-Inspekteure abwarten sollte. Das gibt auch den syrischen Regierungstruppen und ihren Gegnern mehr Zeit, sich auf einen möglichen Angriff vorzubereiten.

Die Armee und der Geheimdienst sollen in den vergangenen Tagen Waffen und Dokumente aus ihren Stützpunkten und Kasernen in Wohnviertel gebracht haben, in denen vorwiegend Assad-Anhänger leben. Sogar einige der Schulen, die während der Sommerferien ungenutzt sind, wurden angeblich zu Depots für die Armee umfunktioniert.

Gegenüber Journalisten geben sich die Anhänger des Regimes betont gleichgültig. «Das Leben geht normal weiter», sagt Abu Sumer Suleiman. Der Beamte im Innenministerium gehört einem der regimetreuen Volkskomitees im Damaszener Stadtteil Al-Messe Scheich Saad an. Suleiman glaubt nach eigener Aussage fest daran, dass sich die syrische Armee verteidigen wird, so wie es Assad angekündigt hat. Er droht: «Syriens Antwort auf den Militärschlag wird so ausfallen, dass sich die USA und andere westliche Staaten hundertmal überlegen sollten, ob sie wirklich angreifen wollen, denn sonst landen sie mit dem Gesicht im Staub.»

Auch einige radikale Islamisten-Brigaden mit ausländischen Kämpfern, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida ideologisch nahestehen, haben aus Angst, die Amerikaner könnten sie gleich in einem Aufwasch mit erledigen wollen, in den vergangenen Tagen ihre Stellungen verlassen. Ein junger Mann aus der von militante Islamisten kontrollierten Stadt Al-Rakka berichtete diese Woche, viele Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien hätten die Stadt verlassen und sich in kleineren Gruppen in nahe gelegene ländliche Gebiete zurückgezogen.

Die Union der Koordinierungskomitees der Syrischen Revolution hat die Drohung mit einem Militärschlag am vergangenen Mittwoch für einen Appell an die Offiziere der Armee genutzt. Darin heißt es, jeder, der noch einen Funken Anstand habe, müsse nach dem Einsatz von Chemiewaffen durch das Regime desertieren. «Wenn Ihr Euch in diesen schicksalhaften Stunden von diesem kriminellen Regime abwendet, dann wird dieses Regime dadurch in seinen Grundfesten erschüttert werden, und vielleicht könnt Ihr dadurch unserer geliebten Heimat weitere Zerstörung ersparen, die sich jetzt schon ankündigt.»

Aufruf der Revolutionäre, Arabisch

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erstellt am 30.Aug.2013 | 12:57 Uhr

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