TV-Duelle : Redeschlachten vor der Kamera: Teil des US-Wahlkampfs

In den USA sind die Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten ein unverzichtbarer Bestandteil des Wahlkampfs. Mehrfach konnten sich die Amtsbewerber vor den Kameras ins rechte Licht setzen und so entscheidende Punkte sammeln.

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15. Oktober 2008, 08:11 Uhr

Vor allem bei den unentschlossenen Wählern - in den USA oft mehr als ein Drittel aller Stimmberechtigten - gilt es, kurz vor den Wahlen noch Stimmen zu holen. Humor und Ausstrahlung waren dabei meist wichtiger als die inhaltliche Auseinandersetzung. Bis zu 100 Millionen Amerikaner sitzen vor den Bildschirmen, um sich alle vier Jahre die zwei bis vier Debatten anzusehen. Seit 1987 kümmert sich eine eigene überparteiliche Kommission um die Ausrichtung der Redeschlachten.

Die Debatte zwischen dem damaligen Vize-Präsidenten Richard Nixon und seinem demokratischen Herausforderer John F. Kennedy am 26. September 1960 gilt als Geburtsstunde des Fernsehens als wahlentscheidendes Medium und brachte den Durchbruch für Kennedy. Der sportliche Senator aus Massachusetts wandte sich mit jungenhaftem Charme direkt an die Zuschauer. Der schlecht rasierte und nach einer Erkrankung sichtlich abgemagerte Nixon verlor dagegen entscheidende Prozentpunkte, wie Umfragen später belegten. Nach den schlechten Erfahrungen Nixons gab es eine 16-jährige Pause. Nixon gewann 1968 und 1972 die Wahlen und ging weiteren Debatten aus dem Weg.

Seit 1976 sind die Auftritte wieder ein fester Programmpunkt im Kampf ums Weiße Haus. Damals setzte sich mit dem republikanischen Amtsinhaber Gerald Ford erstmals ein amtierender US-Präsident vor laufenden Kameras mit seinem Herausforderer auseinander. In der zweiten, live aus San Francisco in Millionen Wohnzimmer übertragenen Debatte mit Jimmy Carter beging Ford aber einen verhängnisvollen Fehler: Er behauptete, es gäbe keine sowjetische Herrschaft in Osteuropa. In den Wochen danach scheiterten mehrere Versuche Fords, seine Äußerungen nachträglich zu relativieren.

Der "große Kommunikator" Ronald Reagan hatte 1984 die Lacher auf seiner Seite, als der damals bereits 73-Jährige zur Altersfrage bemerkte, er wolle dem 17 Jahre jüngeren Demokraten Walter Mondale seine "Jugend und Unerfahrenheit" nicht vorwerfen. 1980 hatte Reagan mit der Frage an die Wähler "Seid ihr heute besser dran als vor vier Jahren?" gegen Amtsinhaber Carter punkten können.

Auch George W. Bush machte während einer Fernsehdebatte einen Riesenschritt ins Weiße Haus. Mit einer geschickten Gesprächstaktik gewann der damalige republikanische Präsidentschaftsbewerber im Jahr 2000 die Oberhand über seinen demokratischen Gegner Al Gore, der in Schnellumfragen nach dem zweiten TV-Duell der beiden Kontrahenten dramatisch schlechte Werte erhielt. Vier Jahre später sahen Experten und befragte Zuschauer dann Bushs Herausforderer John Kerry bei den Debatten vorn - doch die Wähler entschieden anders.

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