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Nach Attacke auf Dani Alves : Rassismus ist Banane: #weareallmonkeys inszeniert?

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Wirbel um Bananen-Attacke auf Barça-Profi Dani Alves: Im Netz gibt es einen Twitter-Trend und die Frage: War die Aktion inszeniert? Dem werfenden Villareal-Fan droht unterdessen eine lange Haftstrafe.

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erstellt am 30.Apr.2014 | 17:02 Uhr

Madrid | Die rassistische Bananen-Attacke auf Barcelonas Fußball-Profi Dani Alves hat erste Konsequenzen nach sich gezogen, aber auch Zweifel an der Spontaneität der Aktion geweckt. Der Mann, der den Brasilianer beim Liga-Spiel Villarreal gegen Barcelona (2:3) mit der Frucht beworfen haben soll, wurde festgenommen. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Dem 26-Jährigen werde „Verletzung der Grundrechte und der öffentlichen Freiheiten“ vorgeworfen, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei.In Spanien befürchten nun viele, dass bei der WM in Brasilien die heimischen Fans ihre Wut an der Mannschaft des Welt- und Europameisters auslassen könnten. Gleichzeitig gibt es Gerüchte über eine vermeintliche Inszenierung des Vorfalls.

Alves hatte am Sonntag vor einem Eckball die aufs Feld geworfene Banane aufgehoben, geschält und dann gegessen, bevor er mit vollem Mund den Ball in den Strafraum schlug. Sein Landsmann und Clubkollege Neymar veröffentlichte später ein Bild von sich und seinem Sohn mit Bananen und startete mit einem Video die Aktion „Wir sind alle Affen, wir sind alle gleich. Nein zu Rassismus!“

 

Die sozialen Netzwerke wurden prompt von solidarischen Bananenbildern überflutet. Unter anderen machten auch die Fußballstars Mario Balotelli, Sergio Aguero, Eric Abidal, Samuel Eto'o, Luis Suárez und Touré Yaya sowie die Dortmunder Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang mit. Sogar Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff twitterte, allerdings ohne Banane: „Brasilien tritt bei der WM für die Bekämpfung der Rassendiskriminierung ein.“

Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang mit der Banane gegen Rassismus.

Das ZDF nahm ebenfalls an der Kampagne teil. Unter dem Hashtag #weareallmonkeys (Wir sind alle Affen) posteten viele weitere Stars Bilder von sich mit einer Banane.

Auch einige Spieler des Drittligisten Hansa Rostock, der wegen einiger unverbesserlicher „Fans“ immer wieder in den Schlagzeilen steht, möchte mit der Aktion ein Zeichen setzen.

Und auch der FC Augsburg macht mit.

Aktuell keimt jedoch erste Skepsis an der Spontaneität der Aktion auf. Als die brasilianische Werbeagentur Loducca einräumte, die Antirassismus-Kampagne „Wir sind alle Affen“ sei nach früheren Bananenwürfen mit Neymar und Alves abgesprochen worden, wurde Kritik laut. Auch aus Brasilien werden Zweifel an der Echtheit der Aktion geäußert. Als der dort berühmte TV-Moderator Luciano Huck für umgerechnet 22 Euro T-Shirts mit dem aufgedruckten Slogan der Aktion zu verkaufen begann, hieß es, der Kampf gegen Rassismus werde kommerziell ausgebeutet. Alves wies die Vorwürfe zurück. Zumindest seine Aktion, so der 30 Jahre alte Nationalspieler, sei „superspontan“ gewesen. Die spanische Sportzeitung „Mundo Deportivo“ zitierte am Mittwoch einen Sprecher des Spielers mit den Worten, es sei „absurd“, zu denken, die ganze Aktion sei im Voraus abgesprochen worden. Rassismus sei in Spanien ein großes Problem, versichert Alves. „Spanien verkauft sich als Land der ersten Welt, aber in vielen Bereichen sind die sehr unterentwickelt“, kritisierte er im Interview des TV-Senders Globo.

Erst in den vergangenen Wochen waren in der spanischen Liga Spieler wie Paulao (Betis) oder Nyom (Granada) während Auswärtsbegegnungen ihrer Teams von gegnerischen Fans mit rassistischen Gesängen beleidigt worden. Der FC Villarreal hatte dem Fan bereits den Mitgliedsausweis entzogen und auch mit einem lebenslangen Stadionverbot bestraft. Ungeachtet der Maßnahmen wächst die Sorge, dass der Vorfall Spanien bei der WM in Brasilien Ärger bringen und das Unternehmen Titelverteidigung erschweren könnte. Nationaltrainer Vicente del Bosque winkt jedoch gelassen ab. „Es gibt Leute, die den Fußball in einer ernsten Sache für Propaganda missbrauchen. Ich glaube, dass Rassismus in Spanien kein großes Problem ist. Das sind alles Einzelfälle“, versicherte er.

Auch Nicht-Fußballer machen bei der Aktion gegen Rassismus auf Twitter mit. N-Joy-Moderator Christian Fremy trägt jetzt Banane.

Rassismus im Fußball aber ist ein Problem – egal ob inszenierte Werbeaktion oder nicht. Eine Banane wird zum Symbolbild für Rassismus gegenüber anderen. Am Ende aber bleibt die Frage: Wieviel Rassismus steckt in so einer Banane? Denkt man an Oliver Kahn, kommen viele Erinnerungen an Torräume voller gelber Früchte wieder hoch. Damals wurde der „Titan“ regelmäßig aufgrund seines Verhaltens auf dem Platz diskriminiert.

 

Auch Oliver Kahn musste während seiner Karriere immer wieder unter Bananen-Attacken leiden.
Auch Oliver Kahn musste während seiner Karriere immer wieder unter Bananen-Attacken leiden. Foto: Imago

Auch Manuel Neuer hat einen schweren Stand. Er tritt das Erbe des Oliver Kahn an – und muss leiden.

Manuel Neuer muss sich auch immer wieder Bananen-Würfe gefallen lassen.
Manuel Neuer muss sich auch immer wieder Bananen-Würfe gefallen lassen. Foto: Imago

Ist es am Ende nur Fan-Rivalität? In jedem Stadion fliegen halbvolle Bierbecher oder Feuerzeuge auf den Platz, die eines zum Ziel haben: Wut und Ablehnung äußern, treffen, verletzen – und diskriminieren. Die Banane hat unterdessen eine tiefere Bedeutung bekommen: Die Abwertung eines Menschen. Die Ablehnung, die Dani Alvez und viele andere Spieler mit dunklerem Teint erleben müssen, hat den Symbolgehalt der Banane kurioserweise binnen kurzer Zeit transformiert. Sie galt in Bezug auf Fußball lange als fruchtgewordenes Symbol für Rassismus und Intoleranz. Durch die Aktion von Dani Alvez wird die Banane nun weltweit zum Zeichen gegen Diskriminierung und Hass eingesetzt. Wir sind alle Affen. Fazit: Rassismus ist Banane.

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