Russland-Ukraine-Konflikt : Putins Aufmarsch: Der Westen muss Kurs halten

Author: Alexei Druzhinin
ARCHIV - 06.05.2021, Russland, Sotschi: Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt in seiner Residenz Botscharow Rutschej per Videokonferenz an einem Treffen mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Golikowa teil. (zu dpa "30 Jahre ohne Sowjetunion · Putin kämpft um Russlands Großmachtstatus") Foto: Alexei Druzhinin/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Welch ein Rückschlag: Der Chef der deutschen Marine kommt vom Kurs ab - und das ausgerechnet im brisanten Russland-Ukraine-Konflikt. Ein Kommentar.

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23. Januar 2022, 16:03 Uhr

Wer stoppt den säbelrasselnden Wladimir Putin? Und was sind die richtigen Mittel? Die Nato und die EU sowie deren Mitgliedstaaten setzen zu Recht auf Druck und Dialog. Und dann das: Der deutsche Marine-Chef Kay-Achim Schönbach schwächt die westliche Verhandlungsposition, indem er die völkerrechtswidrig annektierte Krim mal eben „verloren“ gibt.

Schönbach ist damit dem eigenen Bündnis in den Rücken gefallen, statt für die Unverrückbarkeit von Grenzen einzutreten und jedem künftigen Aggressor unmissverständlich rote Linien aufzuzeigen. Der Rücktritt des Marine-Inspekteurs war unvermeidlich.

Alle Optionen auf dem Tisch

Seine leichtfertigen Äußerungen sind umso bedenklicher, als Deutschland im Russland-Ukraine-Konflikt ohnehin schon kritisch beäugt wird. Erst nach langem Zögern haben sich Kanzler Olaf Scholz und die SPD-Spitze dazu durchgerungen, dass im Fall eines russischen Einmarsches in die Ukraine „alle Optionen“ auf dem Tisch liegen müssen. Soll heißen: Bei Sanktionen würde auch über die Zukunft der Erdgaspipeline Nord Stream 2 gesprochen. Wie könnte es auch anders sein? Auf diese Sanktionsmöglichkeit zu verzichten, wäre ein Zeichen der Schwäche gewesen – sehr zur Freude von Putin.

Es bleibt das Dilemma, dass Deutschland und die Europäer stark von russischen Erdgas abhängig sind. Sie haben sich damit erpressbar gemacht. Nun müssen sie zeigen, dass sie trotz der Abhängigkeit bereit sind, für ihre Werte einzutreten. Zugleich sollte die Krise Anlass sein, den Ausbau erneuerbarer Energien mit aller Kraft voranzutreiben – das Klimas wegen und um weniger angreifbar zu sein. 

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