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Darmstadt : Prozess im Fall Tuğçe Albayrak startet - Angeklagter räumt Angriff ein

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Das Schicksal der Studentin Tuğçe hat viele Menschen stark berührt, nun wird der Fall vor Gericht verhandelt. Der Angeklagte räumt zu Beginn die Attacke ein und sagt, dass es ihm unendlich leid tue.

Darmstadt | Rund fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod der 22 Jahre alten Studentin Tuğçein Offenbach hat der Angeklagte den Angriff eingeräumt. „Ich habe in der Tatnacht der Tuğçe eine Ohrfeige gegeben und sie ist dann umgefallen“, sagte Sanel M. am Freitag zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Darmstadt. Er äußerte auch sein Bedauern: „Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe“, sagte der 18-Jährige mit tränenerstickter Stimme. „Ich habe niemals mit ihrem Tod gerechnet.“

Sanel M. soll die Lehramtsstudentin Mitte November vor einem Schnellrestaurant in Offenbach niedergeschlagen haben. Tuğçe  schlug hart mit dem Kopf auf dem Boden auf und wurde so schwer verletzt, dass sie ins Koma fiel. Knapp zwei Wochen später, an ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet. In einer bewegenden Trauerfeier wurde sie Anfang Dezember in ihrem Heimatort Bad Soden-Salmünster in Hessen beigesetzt.

Sanel M. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Das Gericht entschied nach Beratung, dass die Öffentlichkeit dabei sein kann, wenn einer von Tuğçe Brüdern sich als Zeuge äußert. Der 25-Jährige sagte, der gewaltsame Tod seiner Schwester habe die Familie „total aus der Bahn geworfen“. Die Schockstarre sei inzwischen vorüber. „Wir sind jetzt in der Realisierungsphase. Die ist noch schlimmer.“

Nur von einer mehrspurigen Straße getrennt hatten zu Prozessbeginn rund 50 Freunde von Tuğçe gegenüber dem Landgericht eine Mahnwache begonnen. „Wir wollen auch an Tuğçes Zivilcourage erinnern“, sagte der Organisator Murat Capri. Die Studentin soll vor ihrem Tod noch zwei jungen Mädchen geholfen haben, die von dem Angeklagten und seinen Begleitern belästigt worden sein sollen.

Die Familie der getöteten Lehramtsstudentin aus Gelnhausen ist als Nebenkläger in dem Verfahren vertreten und kam auch zum Prozessauftakt. Es gab besondere Sicherheitsvorkehrungen und Einlasskontrollen.

Der Angeklagte sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Sanel M. war laut Staatsanwaltschaft bereits viermal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, darunter einmal wegen gefährlicher Körperverletzung. Er saß 2013 bereits in Jugendarrest.

Für den Prozess hat die Jugendkammer des Landgerichts zehn Verhandlungstage geplant. Etwa 60 Zeugen und zwei Sachverständige sollen gehört werden.

Das Interesse an dem Verfahren ist größer als die Zahl der Zuschauerplätze. Von den 52 Plätzen sind 25 für Medienvertreter reserviert. Da sich mindestens 46 Journalisten akkreditiert hatten, wurden einige Plätze verlost. Journalisten dürfen im Gerichtssaal weder Handy noch Laptops benutzen und können nur in den Sitzungspausen berichten, da sonst ihr Platz verfällt.

Tuğçe ist nicht die Einzige, für die ihre Zivilcourage tödlich endete.  shz.de mit einer Chronologie.

Oktober 2012 Am Berliner Alexanderplatz wird der 20 Jahre alte Jonny K. von mehreren Männern so zusammengeschlagen, dass er kurz darauf an Gehirnblutung stirbt. Der gebürtige Thailänder hatte bei einem Streit einem Freund helfen wollen.
Oktober 2011 In Bocholt (Nordrhein-Westfalen) wird ein Kneipengast erstochen. Der an einem Streit unbeteiligte 26-Jährige hatte dem Wirt helfen wollen, der von mehreren Männern angegriffen worden war.
Mai 2010 Ein 21-Jähriger wird vor einer Frankfurter Diskothek erstochen. Er wollte zwei Frauen zu Hilfe kommen, die von dem Täter belästigt worden waren.
September 2009 Der Geschäftsmann Dominik Brunner stellt sich schützend vor vier Schüler und wird an einem Münchner S-Bahnhof von Jugendlichen verprügelt. Er stirbt im Krankenhaus - jedoch nicht an seinen Verletzungen, sondern an Herzversagen.
   
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erstellt am 24.Apr.2015 | 10:01 Uhr

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