Bäderregelung : PRO: Kirche soll sich raushalten

Kirchenvertreter sollten bei der Bäderregelung eine biblische Gelassenheit zeigen. Predigen sie überzeugend, dann wird ein Sonntagseinkauf niemanden vom Gottesdienst abhalten.

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31. Januar 2013, 08:40 Uhr

Kiel | Beim Streit um den Sonntagseinkauf ist es hilfreich, sich erneut ins Gedächtnis zu rufen, dass ganz grundsätzlich die Trennung von Kirche und Staat eines der höchsten Güter der westlichen Zivilisation ist. Schon deswegen haben die Kirchen, welcher Provenienz auch immer, sich nicht in die private Gestaltung des Sonntags einzumischen. Der Status quo der Bäderregelung bedeutete ja bereits eine Einschränkung dieser Ansage. Umso absurder, dass die kirchliche Seite im Zuge einer "Kompromissformel" jetzt sogar bestimmte Produkte erlauben oder vom Einkauf verbannen möchte: Auto besichtigen nein, Tomaten kaufen ja.
Ist die Kirche stark, tut sie das Richtige, predigen ihre Hirten wirklich überzeugend, dann wird ein Sonntagseinkauf niemanden davon abhalten, davor oder danach ihr Gottesdienst-Angebot wahrzunehmen. Es gibt gute Beispiele dafür, dass ein charismatischer Mensch auf der Kanzel jedwede Konkurrenz aus dem Felde schlagen kann. Die Drohkulisse, die die Kirche mit dem Normenkontrollverfahren aufgebaut hat, ist also wieder einmal die falsche Front, an der sich die ehrenwerte Institution abarbeitet.
Der wahre Stresstest für die Kirche, den sie - Gott hilf! - bestehen möge, wäre doch dies: Die Bäderregelung ist keine mehr, sondern gilt auch für andere Tourismus-Standorte, also nicht nur überwiegend für die an der Küste, also zum Beispiel auch für eine Mittelstadt wie Schleswig. Wenn die Kirche wirklich menschenfreundlich sein will, dann ließe sie das geschehen. Mit einer großen, geradezu biblischen Gelassenheit. Wer dann die Glocken hört, wird wissen, wo er hinzugehen hat. Vielleicht sogar (wieder) in die Kirche.

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