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Schwere Vorwürfe der Helfer : Polizei in Berlin: „Wir haben keinen toten Flüchtling“

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Asylsuchender sei in Berlin gestorben, behaupten Helfer bei Facebook. Tagelang soll er trotz Fiebers vor dem Berliner Lageso gewartet haben. Die Polizei dementiert das.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 16:48 Uhr

Berlin | Ein Flüchtlingshelfer hat den Fall eines toten Asylbewerbers in Berlin nach bisherigen Polizei-Erkenntnissen offenbar erfunden. „Wir haben keinen toten Flüchtling“, sagte eine Sprecherin der Polizei am Mittwochabend nach einer Befragung des Mannes, der den angeblichen Todesfall im Internet publik gemacht hatte. „Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt, den er veröffentlicht hat, etwas dran ist.“

Der Mann hatte zuvor bei Facebook mitgeteilt, dass ein 24 Jahre alter Flüchtling in der Nacht gestorben war. Zuvor habe der Asylbewerber tagelang vor dem Landesamt Lageso angestanden. Der Helfer habe den stark fiebernden Mann zu sich geholt. Wegen seines schlechten Zustandes sei er von einem Krankenwagen abgeholt worden - und auf dem Weg in eine Klinik gestorben. Später löschte der Helfer den Facebook-Eintrag wieder.

Das Bündnis „Moabit hilft“ verbreitete die Falschmeldung – offenbar in dem Glauben, dass der Helfer die Wahrheit sagte. Der angebliche Tote soll vor dem Lageso trotz Krankheit tagelang angestanden haben, heißt es bei Facebook. Ein Helfer habe den stark fiebernden Syrer am Dienstagabend zu sich nach Hause genommen, sagte eine Sprecherin des Bündnisses. Wegen seines schlechten Zustandes sei er von einem Krankenwagen abgeholt worden. Auf dem Weg habe er einen Herzstillstand erlitten - im Krankenhaus habe nur noch der Tod festgestellt werden können.

„Er war vom Warten in der Kälte ausgelaugt, hatte erst eine Erkältung, die dann zu einem grippalen Infekt wurde, der nicht behandelt wurde. Am Ende hat er sich auch mit Fieber am Lageso anstellen müssen“, sagte Diana Henniges von der Initiative „Moabit hilft“ dem Portal „SpiegelOnline“.

Die Verwirrung begann am Mittag. Wie der „Tagesspiegel“ aus Senatskreisen zitiert, soll es keinen syrischen Flüchtling geben, der in der Nacht in einem Rettungswagen oder in einem Krankenhaus gestorben sei. Die Berliner Feuerwehr widersprach den Angaben des Posters ebenso: Einen Notarzteinsatz wegen eines Syrers habe es in der bestätigten Zeit nicht gegeben. Alle 39 Krankenhäuser seien abtelefoniert worden, von einem toten Syrer keine Spur, berichtet der „Tagsspiegel“. Möglicherweise habe sich die Hilforganisation bei der Nationalität gerrirt. Oder aber: Es war alles nur erfunden.

In einer Mitteilung im sozialen Netzwerk Facebook hieß am Mittwochmorgen wörtlich von „Moabit hilft“: „Du hast so viel überlebt. Du hast das Lageso nicht überlebt. Du bekamst Fieber, Schüttelfrost, Herzstillstand. Du bist letzte Nacht verstorben. Wir weinen.“ „Warum, frag ich mich, muss er sterben?“, schrieb der Helfer, der den 24-Jährigen zu sich geholt hatte, bei Facebook. „Vielleicht, weil wir seit Wochen keinen Termin bekommen haben? Weder am Lageso noch bei einem Arzt, der ihn behandeln würde, hat man ihn angenommen.“ Bei Facebook hat eine Bekannte des Helfers das Protokoll eines Chat-Protolls mit ihm veröffentlicht, in dem der angebliche Ablauf festgehalten wurde. Der Helfer hatte die betreffenden Posts auf seinem eigenen Profil gelöscht.

Foto: Screenshot Facebook

Die Sprecherin der Hilfsorganisation, Diana Henniges, hatte den Helfer zunächst als sehr glaubwürdig bezeichnet und bestätigte seinen Bericht. Am Nachmittag sagte sie, der Protestler habe sich in seiner Wohnung verbarrikadiert und sei nicht zu erreichen.

Die Senatsverwaltung hatte erst am Vortag mitgeteilt, dass die Situation am Lageso wegen eines hohen Krankenstandes der Mitarbeiter „besonders angespannt“ sei. Zuletzt gab es erhebliche Engpässe bei der Auszahlung von Leistungen an Asylbewerber. Erst am Dienstag hatten mehrere Medien darüber berichtet, dass Flüchtlinge hungern müssen, weil ihnen vom Lageso kein Geld für die Selbstversorgung ausgezahlt worden sei. Eine Hotline soll künftig unter anderem dafür sorgen, dass Flüchtlinge das ihnen zustehende Geld rechtzeitig bekommen. Sie soll Betroffenen Extratermine zur Auszahlung beim Lageso vermitteln.

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