zur Navigation springen

Ndrangheta in Italien : Zwei Mafia-Prozesse beginnen - Fußball-Weltmeister Vincenzo Iaquinta angeklagt

vom

In Italien beginnen gleich zwei Mafia-Prozesse an einem Tag: In Rom steht der ehemalige Bürgermeister Gianni Alemanno vor Gericht, in Norditalien zählt der Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta zu den Angeklagten.

Reggio Emilia | Der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens hat mit großem öffentlichen Interesse begonnen. Insgesamt 147 Angeklagte, darunter der italienische Fußball-Weltmeister Vincenzo Iaquinta und dessen Vater, müssen sich seit Mittwoch vor einem Gericht in Reggio Emilia verantworten. Das Verfahren in einem eigens neu gebauten Gerichtssaal begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Zunächst ging es hauptsächlich um Verfahrensfragen, wie italienische Medien berichteten.

Im Visier der Justiz steht die kalabrische Mafia 'Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird. Iaquinta, der 2006 in Deutschland Weltmeister wurde, werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vorgeworfen, sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein. Der frühere Nationalspieler weist die Vorwürfe zurück. Mit den beiden prominenten Angeklagten stehen zahlreiche Verdächtige vor Gericht, darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten.

Insgesamt 29 von ihnen waren beim Prozessauftakt in dem neuen Hochsicherheits-Saal anwesend. Einige weitere Angeklagte, die bereits in Haft sitzen, wurden per Video zugeschaltet. Zu den Anklagepunkten zählen vor allem klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf bei Kommunalwahlen.

Ein weiterer Mafia-Prozess läuft in Rom an. Seit Mittwoch steht der frühere Bürgermeister der Stadt, Gianni Alemanno, wegen Korruption und illegaler Finanzierungen vor Gericht. Der Prozess steht in Zusammenhang mit dem Mafia-Skandal um die engen Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisiertem Verbrechen in Italiens Hauptstadt („Mafia Capitale“), der 2014 aufgedeckt worden war. Unter anderem soll der 58-Jährige zwischen 2012 und 2014 etwa 125.000 Euro Bestechungsgeld angenommen haben.

Alemanno bestreitet die Vorwürfe. „Ich werde mich in diesem Verfahren verteidigen, weil ich meine Unschuld beweisen will, auch wenn mich viele schon vorverurteilt haben“, sagte er am Ende der ersten Anhörung, die nur wenige Minuten dauerte. Der Prozess wurde auf Freitag vertagt. Der Karfreitag ist in Italien kein Feiertag.

Der frühere Neofaschist Alemanno war 2008 als Kandidat der Partei PDL von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Bürgermeister gewählt worden und regierte Rom bis 2013. Laut Anklage soll er hohe Schmiergelder von dem Unternehmer Salvatore Buzzi angenommen haben.

Das Verfahren ist nur eins von mehreren in dem Skandal. Seit vergangenem November müssen sich in einem Maxi-Prozess bereits 46 Angeklagte verantworten, darunter auch Buzzi. Die Anklagepunkte lauten unter anderem auf Bildung einer mafiösen Vereinigung, Korruption, Wucher, Manipulation von Ausschreibungen und Erpressung.

Unter den Angeklagten sind Personen aus der Unterwelt, Unternehmer, Beamte und Kommunalpolitiker. Die Verteidiger versuchen nachzuweisen, dass es sich nicht um eine mafiaartige Vereinigung handelte, was für das Strafmaß wesentliche Bedeutung hat.

Zwar werden nun die Schuldigen vermutlich bestraft werden, doch vor Gericht werden nur die Symptome der Krankheit behandelt. „Die Strafverfolger sind sehr mutig. Aber es ändert sich nichts“, sagt Mafia-Experte Federico Varese. „Reformen und Regulierungen sind der einzige Weg, um die Mafia langfristig zu bekämpfen.“

Italien gilt als eines der korruptesten Länder Westeuropas. Im internationalen Vergleich führt die Nichtregierungsorganisation Transparency International das Land auf Platz 61 von 161 auf - zwischen Oman und Lesotho. „Die Korruption ist der Krebs, der Rom zerfrisst“, sagt Mafia-Verfolger Alfonso Sabella.

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Mär.2016 | 14:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen