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Nach Messer-Attacke in Marseille : Zwei Frauen getötet: Angreifer war kurz vor der Tat in Gewahrsam

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Zwei Tage bevor er zwei Frauen tötete wurde der Messerangreifer wegen Diebstahls in Gewahrsam genommen.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 10:32 Uhr

Marseille | Der Messerangreifer von Marseille ist zwei Tage vor der Attacke von der Polizei festgenommen worden und hat sich dabei als Tunesier ausgewiesen. Allerdings wurden Ermittlungen gegen ihn wegen Ladendiebstahls in Lyon schnell wieder eingestellt. Am Samstag wurde er auf freien Fuß gesetzt, obwohl er nach französischen Medienberichten keine Aufenthaltsberechtigung hatte. Der mutmaßliche Islamist hatte am Sonntag am Bahnhof Saint-Charles zwei Frauen mit einem Messer umgebracht.

Die örtliche Präfektur sei „nicht in der Lage gewesen“, die Ausweisung des Mannes aus Frankreich anzuordnen, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Montag, ohne explizit auf den Aufenthaltsstatus des Mannes einzugehen.

Der prominente konservative Abgeordnete Eric Ciotti forderte eine Erklärung, warum der Mann nicht festgehalten und abgeschoben wurde. Innenminister Gérard Collomb ordnete eine Untersuchung an, deren Ergebnisse innerhalb einer Woche vorliegen sollen. Nach Angaben Molins war der Mann am Freitag wegen Ladendiebstahls in Lyon in Gewahrsam genommen worden. Dabei habe der Mann einen tunesischen Pass vorgelegt, wonach er 29 Jahre alt wäre. Es werde nun überprüft, ob dieser Pass echt war - in Marseille hatte er ihn nicht bei sich.

Die beiden Opfer waren Cousinen, wie der Staatsanwalt bestätigte. Laut Medienberichten sollen sie Anfang 20 gewesen sein. Der Angreifer wurde von Soldaten erschossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich. Ob es tatsächlich ein Terroranschlag war, blieb aber zunächst unklar.

Molins begründete die Entscheidung, wegen Terrorverdachts zu ermitteln, mit dem Vorgehen des Mannes, der laut Zeugenaussagen auf Arabisch „Gott ist groß“ gerufen hatte.

Der Mann war dem Staatsanwalt zufolge in der Vergangenheit unter sieben Identitäten aufgefallen. Den für Terrorismus zuständigen Behörden war er jedoch unbekannt, er habe auch keine Vorstrafe gehabt. Nach der Festnahme am Freitag hatte der Mann angegeben, obdachlos in Lyon zu leben und Drogen zu konsumieren.

Frankreich ist seit gut zweieinhalb Jahren immer wieder Ziel von Terroranschlägen. 239 Menschen wurden seit Anfang 2015 ermordet, dabei ist die Attacke vom Sonntag nicht mitgerechnet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Kondolenztelegramm an Präsident Emmanuel Macron „große Betroffenheit“. „Erneut wurden unschuldige Menschen zum Opfer einer barbarischen Attacke eines Einzelnen“, schrieb Merkel. Sie bleibe fest davon überzeugt, „dass unsere Freiheit und unsere Art des friedlichen und respektvollen Zusammenlebens stärker sind als jeder Hass.“ Die Bürgermeisterin von Paris kündigte an, in der Nacht zum Dienstag aus Solidarität mit den Opfern der Attacken von Marseille und Las Vegas die Beleuchtung des Eiffelturms abzuschalten.

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