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Drohender Bürgerkrieg : Zwei europäische Journalisten in Burundi festgenommen

vom

Die Regierung in Burundi schüchtert schon lange örtliche Journalisten ein. Nun haben Sicherheitskräfte zwei renommierte ausländische Reporter der Zeitung „Le Monde“ festgenommen.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 16:01 Uhr

Bujumbura | Die Polizei in Burundi hat einen in Berlin lebenden britischen Fotojournalisten und den Afrika-Bürochef der französischen Zeitung „Le Monde“ festgenommen. Phil Moore und Jean Philippe Rémy wurden am Freitag verhört, sagte der stellvertretende Polizeisprecher Moise Nkurunziza. „Le Monde“-Direktor Jérôme Fenoglio forderte die sofortige Freilassung der beiden Journalisten. Beide Mitarbeiter seien mit einem Journalistenvisum im Land gewesen und gingen nur ihrem Beruf nach, sich mit Vertretern aller Konfliktparteien zu treffen.

In dem armen Land mit rund elf Millionen Einwohnern ging erst vor einem Jahrzehnt ein Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit 300.000 Toten zu Ende. Seit April ist die Lage im Land erneut instabil.

Der französische Außenminister Laurent Fabius zeigte sich besorgt und forderte ebenfalls die sofortige Freilassung der Reporter. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU-Delegation stehe bereits in Gesprächen mit dem Außenministerium in Burundi.

Polizeisprecher Nkurunziza sagte, Moore sei am Donnerstagnachmittag in Bujumbura festgenommen worden, als er inmitten einer Gruppe „Krimineller“ gewesen sei. Rémy sei festgenommen worden, als er nach Moore am Ort des Geschehens eingetroffen sei. Es war nicht sofort klar, was beiden Männern vorgeworfen wurde. Auch friedliche Unterstützer der Opposition werden in dem ostafrikanischen Land von Sicherheitskräften bisweilen als „Kriminelle“ bezeichnet. Die Einschüchterung örtlicher Journalisten ist nicht unüblich. Die Polizei nahm 17 Menschen aus der Gruppe fest. Dabei seien unter anderem ein Mörser, ein Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow und zwei Pistolen beschlagnahmt worden, erklärte die Polizei.

Burundi steckt seit April 2015 in einer tiefen Krise. Fast eine Viertelmillion Menschen sind seither aus Angst vor einer weiteren Eskalation in Nachbarländer geflohen. Auslöser war das Bestreben von Präsident Pierre Nkurunziza, sich trotz einer gesetzlichen Begrenzung auf zwei Amtszeiten ein weiteres Mandat zu sichern. Seither kommt es immer wieder zu Gewalttaten. Den Vereinten Nationen zufolge wurden mindestens 400 Menschen getötet.

Amnesty International erklärte unterdessen, dass Zeugenaussagen und die Auswertung von Satellitenbildern darauf schließen lassen, dass Dutzende Menschen im Raum Bujumbura in Massengräbern verscharrt wurden. „Diese Bilder legen ein vorsätzliches Bemühen der Behörden nahe, das Ausmaß der Tötungen durch die Sicherheitskräfte zu verschleiern“, sagte der Ostafrika-Direktor der Menschenrechtsorganisation, Muthoni Wanyeki. Es gebe Hinweise auf mindestens fünf vor kurzem angelegte Massengräber.

Hintergrund: Burundi und der Bürgerkrieg

In dem kleinen Staat Burundi tobte jahrzehntelang (von 1993 bis 2005) ein brutaler Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit getobt, bei dem Schätzungen zufolge 300.000 Menschen getötet wurden. Erst vor zwölf Jahren war in dem Land Frieden eingekehrt. Es zählt einem UN-Entwicklungsindex zufolge bis heute zu den zehn ärmsten Länder der Welt.

Die Hutu sind eine Bevölkerungsgruppe und stellen in Burundi und Ruanda etwa 85 Prozent der Bevölkerung. Tutsi und Twa sind zwei weitere Volksgruppen. In vorkolonialer Zeit waren die Tutsi überwigend Viehzüchter, während die Hutu vornehmlich Landwirtschaft betrieben. Sozialer Aufstieg war durch den Erwerb von Vieh möglich. Es gab ein Nebeneinander der drei sozialen Gruppen.

Durch die Kolonialisierung wurden Tutsi und Hutu als Volksgruppe in Ethnien teils willkürlich, teils nach Besitz von Vieh eingeteilt. So konnten die Kolonialmächte eine herrschende Volksgruppe als Oberschicht etablieren. Dies diente der Organisation der Kolonialverwaltung.

Durch das rassistische Denkmodell galten die Hutu als „unterwürfige“ Rasse, die Tutsi als „überlegene“ Rasse und wurden entsprechend gefördert und in wichtigen Schlüsselpositionen eingesetzt. Nach dem Ende der Kolonialherrschaft wurden die Hutu, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, zur herrschenden Gruppe. Diese Entwicklung ist ursächlich mitverantwortlich für die Konflikte in Burundi, Ruanda und dem Kongo.

 

 

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