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Schließung der Balkanroute : Zwei Drittel weniger Flüchtlinge kommen nach Deutschland

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Zwar sind die Flüchtlingszahlen rückläufig, doch in Libyen staut sich neuer Andrang.

Berlin | Nach der Schließung der sogenannten Balkanroute sind im März sehr viel weniger Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Zahl der im Erstregistrierungssystem Easy erfassten Asylsuchenden sank gegenüber Februar um zwei Drittel: von 61.428 auf 20.608, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Berlin mitteilte. Das Easy-System ist eine IT-Anwendung zur Erstverteilung der Asylbegehrenden auf die Bundesländer; Fehl- und Doppelerfassungen etwa wegen der fehlenden Erfassung persönlicher Daten sind nicht ausgeschlossen.

Seit es für Flüchtlinge in Europa durch Grenzschließungen kein Durchkommen mehr gibt, hat der Andrang stark nachgelassen. Zugleich hat die Umsetzung des Flüchtlingspakts von EU und Türkei begonnen.

Auch in Schleswig-Holstein kamen deutlichen weniger Flüchtlinge an. Viele Landesunterkünfte sind deshalb unterbelegt.

Flüchtlingsandrang aus Afrika

Doch die zurückgehenden Flüchtlingszahlen könnten nur eine Momentaufnahme sein: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rechnet mit einer baldigen Zunahme des Flüchtlingsandrangs aus Afrika nach Europa. „Nach unseren Informationen warten allein in Libyen 100.000 bis 200.000 Afrikaner, die aus Staaten südlich der Sahara kommen, auf ihre Überfahrt nach Europa“, sagte der Minister der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Freitag). Die Schlepperbanden seien schon „voll in Aktion“.

Müller warb mit Blick auf die wartenden afrikanischen Flüchtlinge um Unterstützung für die neue libysche Regierung: „Die libysche Regierung braucht Autorität, Institutionen, Ausbildung von Polizei und den Ausbau der Küstenwache.“ Müller sprach sich auch für „einen gesamteuropäischen Marshall-Plan“ für die Bewältigung der Flüchtlingskrise mit einem eigenständigen EU-Flüchtlingskommissar aus. Es sei eine Schande, dass „Europa bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht besser zusammenarbeitet“.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 09:41 Uhr

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