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Zwangspause für den Skandal-Bischof

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Papst setzt neuen Generalvikar Rösch als Stellvertreter Tebartz-van Elsts ein / Kritiker schließen Rückkehr des Suspendierten ins Bistum aus

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 00:32 Uhr

Der Papst hat entschieden: Der schwer angeschlagene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst muss sich zurückziehen, zunächst vorübergehend. In einer Erklärung des Vatikans hieß es, in der Diözese sei es zu einer Situation gekommen, in der der Bischof seinen Dienst „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann“. In Absprache mit Papst Franziskus werde sich Tebartz-van Elst daher zunächst von den Amtsgeschäften zurückziehen. Derzeit untersucht eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission die Kosten der Limburger Residenz. Bis Ergebnisse vorlägen, werde Tebartz-van Elst „eine Zeit außerhalb der Diözese“ verbringen, so die Entscheidung aus Rom. Wohin es nun für ihn geht, blieb gestern unbeantwortet. Unklar ist auch, wann die Prüfkommission ihren Bericht vorlegen wird.

Der Bischof steht vor allem wegen seiner arroganten Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Residenz auf dem Limburger Domberg in der Kritik. Außerdem droht dem 53-Jährigen neben einem Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien weiterer Ärger mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft derzeit, ob sie nach Untreue-Anzeigen gegen den Oberhirten ein Ermittlungsverfahren einleiten wird.

Kritiker zeigten gestern zwar Verständnis für die Entscheidung, äußerten sich zum Teil aber auch enttäuscht. „Ich habe das mit einem eher weinenden als mit einem lachenden Auge mitbekommen“, sagte die Präsidentin der Diözesanversammlung Limburg, Ingeborg Schillai. Grundsätzlich sei sie zufrieden, aber als sie hörte, „was entschieden wurde, habe ich allerdings auch kurz den Kopf geschüttelt“. Sie könne sich nicht vorstellen, dass Tebartz-van Elst sein Amt in Limburg noch ausüben könne. „Das Vertrauen ist und es bleibt zerstört.“ Schillais Versammlung vertritt die 650 000 Katholiken im Bistum.

Der vorübergehende Stellvertreter des Bischofs in Limburg, Wolfgang Rösch, war bereits zuvor zum 1. Januar 2014 zum neuen Generalvikar ernannt worden. Er vertritt in dieser Rolle den Diözesanbischof im Bereich der allgemeinen Verwaltung. „Hätte er (der Papst) den Bischof direkt zum Amtsverzicht gezwungen oder des Amtes enthoben, wäre das einer Vorverurteilung gleichgekommen“, sagte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Papst habe die Zügel in die Hand genommen. „De facto ist er jetzt Bischof von Limburg“, sagte Schüller. Auch er hält eine Rückkehr von Tebartz-van Elst ins Bistum für ausgeschlossen.

Ebenfalls nicht an eine Rückkehr glaubt das Limburger Domkapitel. Die führenden Geistlichen des Bistums sicherten zugleich dem neuen Generalvikar ihre Unterstützung zu. „Einen Neuanfang können wir uns nur mit einem neuen Bischof vorstellen“, sagte der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Die tiefe Vertrauenskrise sei schwer zu beheben und lasse sich nicht allein durch eine vorübergehende Auszeit des Bischofs lösen, sagte Domdekan Günther Geis: „Neues Vertrauen muss wachsen. Wie das wachsen soll mit dem Bischof, das weiß ich nicht.“ Dies sei aber nicht neu, das „haben wir dem Bischof auch persönlich schon gesagt“.


Die Vatikan-Entscheidung im Echo von Twitter


Für mögliche Beschäftigungsmaßnahmen während der Auszeit des Bischofs gab es gestern erste Vorschläge auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Tebartz-van Elst solle während seiner Suspendierung den Vatikan renovieren, hieß es. Entsprechende Baupläne seien abgesegnet worden, die Badewannen bereits bestellt – eine Anspielung darauf, dass der Bischof für seine Residenz eine Badewanne für 15 000 Euro geordert haben soll. Ein anderer Tweet legt dem Bischof eine Karriere im künftigen Kabinett der Bundesregierung nahe. „Quasi als Nachwuchshoffnung im Finanzministerium zur Konjunkturbelebung.“ Und die Twitternutzerin „@caroscheibe“ schrieb in Anspielung auf die gestrige Aufsichtsratssitzung der Berliner Flughafengesellschaft: „Großes Kino! +++ EIL +++ Tebartz wird Aufsichtsratschef beim BER“.

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