Nitratbericht 2016 : Zu viel Nitrat im Grundwasser - Barbara Hendricks fordert strengeres Düngerecht

An 28 Prozent der Messstellen wurde der Grenzwert zwischen 2012 und 2014 überschritten. Die Belastung habe sich nur geringfügig verbessert.

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03. Januar 2017, 16:07 Uhr

Berlin | Wegen anhaltend hoher Nitratwerte im Grundwasser pocht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf ein strengeres Düngerecht. „Wir müssen wirklich noch ernsthaft gegensteuern“, sagte sie am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Nitratberichts. Danach wurde der zulässige Grenzwert zwischen 2012 und 2014 an 28 Prozent der Messstellen überschritten. In den vergangenen Jahren habe sich die Nitratbelastung „nur geringfügig verbessert“, heißt es in dem Papier, über das zuerst der WDR und die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet hatten.

Nitrat ist eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff, die durch Düngung auch ins Grundwasser kommt. Nitrat selbst ist für den Menschen relativ unbedenklich. Allerdings können Bakterien den Stoff in Nitrit umwandeln. Nitrite können den Sauerstofftransport im Blut blockieren, was vor allem für Säuglinge gefährlich sein kann. Außerdem steht Nitrit im Verdacht, krebserregend zu sein. Beim Trinkwasser werden diese Stoffe deshalb herausgefiltert, was teuer ist und den Wasserpreis nach oben treibt.

Die EU-Kommission hatte Deutschland schon im November wegen zu hoher Nitratwerte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt. Als Hauptursache gilt ein übermäßiger Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger auf den Äckern. Wo intensive Landwirtschaft betrieben wird - etwa in bestimmten Regionen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - ist die Nitratbelastung am größten.

Hendricks dringt deshalb darauf, dass die vom Kabinett beschlossene Verschärfung der Düngeverordnung möglichst schnell in Kraft tritt. Grundlage dafür wäre eine Änderung des Düngegesetzes. Die Abstimmung über diese Novelle steht derzeit für den 19. Januar auf der Tagesordnung des Bundestags.

Kritik an der Bundesregierung kommt von Umweltschützern, Interessenverbänden und den Grünen. Bärbel Höhn, Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, twitterte, das Problem sei seit Jahren bekannt, und die Regierung müsse „endlich handeln“.

 

Martin Weyand vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beklagte: „Seit fast zwei Jahren wird die Umsetzung eines wirksamen Düngerechts in Deutschland verschleppt.“ Martin Hofstetter von Greenpeace warf Agrarminister Christian Schmidt (CSU) vor, er mache sich zum „Büttel der Massentierhalter“.

Tatsächlich wird der Agrarlobby immer wieder vorgeworfen, strengere Regelungen beim Düngen zu verhindern. Hendricks sagte dazu lediglich: „Dass die Interessen unterschiedlich sind, ist keine Frage.“ Allerdings müsse sich Deutschland klar werden, „wie wir in Zukunft die Landwirtschaft betreiben wollen“. Die Ministerin ließ auch durchblicken, dass sie sich durchaus noch strengere Düngeregeln wünschen würde: Hendricks hält es nach eigenen Worten für möglich, dass die EU weitere Nachbesserungen fordert. „Da hätte ich dann nichts dagegen.“

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