Rede vor dem Kongress : „Zeit der banalen Kämpfe ist vorüber“: Donald Trump schlägt versöhnlichen Ton an

Donald Trump zeigte sich versöhnlich - doch seine Botschaft blieb die gleiche.
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Trump zeigte sich versöhnlich - doch seine Botschaft blieb die gleiche.

Der US-Präsident spart diesmal mit der Kritik an den Medien. Doch seine Botschaft ist unverändert.

shz.de von
01. März 2017, 07:40 Uhr

Washington | In deutlich versöhnlicherem Ton hat US-Präsident Donald Trump die Ecksteine seiner Politik untermauert. Trump rief Republikaner und Demokraten in seiner Rede vor dem Kongress in der Nacht zum Mittwoch dazu auf, zusammenzuarbeiten. Er wiederholte seine Wahlversprechen, Arbeitsplätze zu schaffen und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Der Präsident unterstrich seine Verbundenheit zur Nato und machte sich dafür stark, im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit arabischen Partnern zusammenzuarbeiten.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits im Wahlkampf mit umstrittenen Plänen wie dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko von sich reden gemacht. Auch in seiner letzten Rede wird deutlich, dass für ihn nach wie vor gilt: Amerika zuerst.

In der einstündigen Ansprache rückte Trump nicht von seinen scharfen und zum Teil umstrittenen politischen Forderungen ab, setzte dabei jedoch auf eine mildere Rhetorik. Der Republikaner prangerte zu Beginn die jüngsten Hassverbrechen in den USA an. Die Drohungen gegen jüdische Gemeinden und die tödlichen Schüsse in Kansas seien eine Erinnerung daran, dass die USA zusammenstehen und Hass in all seiner Form verurteilen müssten. In den vergangenen Tagen hatte es eine Welle von Drohungen gegen jüdische Einrichtungen gegeben. Unbekannte schändeten einen jüdischen Friedhof in Philadelphia. In Kansas erschoss ein pensionierter Soldat in einer Bar einen Inder.

Hintergrund: Wichtige Zitate Trumps

Über einstige Feinde und Freunde: „Wir wollen Frieden, wo immer Frieden möglich ist. Amerika ist heute mit einstigen Feinden befreundet. Einige unserer engsten Verbündeten haben in den Weltkriegen vor Jahrzehnten auf der anderen Seite gekämpft.“ „Amerika ist bereit, neue Freunde zu finden und neue Partnerschaften zu schmieden, wenn es im Einklang mit gemeinsamen Interessen liegt. Wir wollen Harmonie und Stabilität, nicht Krieg und Konflikte.“

Zum Kampf gegen den Islamischen Staat: „Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unseren Freunden und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen.“

Zu Obamacare: „Ich rufe alle Demokraten und Republikaner im Kongress auf, die Amerikaner vor dem implodierenden Desaster von Obamacare zu beschützen.“

Zu jüngsten Hassverbrechen: „Die jüngsten Drohungen gegen jüdische Einrichtungen und der Vandalismus auf jüdischen Friedhöfen erinnern uns ebenso wie die tödlichen Schüsse in Kansas City daran, dass wir ein Land sein mögen, das in seinen Politikansätzen geteilt ist - das aber zusammensteht, wenn es den Hass und das Böse in seiner ganzen Hässlichkeit verdammt.“

Über innere Sicherheit: „Es ist nicht mitfühlend, sondern rücksichtslos, unkontrollierten Zugang (in das Land) von Orten zu ermöglichen, wo es keine angemessene Überprüfung geben kann.“ „Wir dürfen keinen Brückenkopf des Terrorismus in unserem Land zulassen.“

Über eine Einwanderungsreform: „Eine wirkliche und positive Einwanderungsreform ist möglich.“

Zu einer Steuerreform: „Um unsere Ziele im Land und im Ausland zu erreichen, müssen wir den Motor der amerikanischen Wirtschaft wieder anwerfen.“

Aufruf zu Optimismus und Mut: „Die Zeit für Denken in kleinen Dimensionen ist vorbei.“ „Die Zeit für banale Kämpfe ist vorüber.“ „Wir brauchen nur den Mut, die Träume zu teilen, die unsere Herzen füllen.“ „Von nun an wird Amerika von unserem Streben befähigt - nicht von unserer Furcht belastet.“ „Nun beginnt ein neues Kapitel amerikanischer Größe.“

 

Der Präsident sprach sich erneut für eine strikte Einwanderungspolitik aus. Er werde die nationale Sicherheit wiederherstellen. Das umstrittene Einreiseverbot für Staatsbürger aus sieben mehrheitlich islamisch geprägten Ländern verteidigte er. Es sei gefährlich, Menschen unkontrolliert ins Land zu lassen. Das Einreisedekret liegt derzeit auf Eis. Trump kündigte aber erneut an, bald eine neue Maßnahme zu erlassen.

Trump machte sich zugleich für eine Reform des Einwanderungssystems stark. Die USA bräuchten ein System, das sich an Leistungen orientiere, so wie es etwa in Kanada der Fall sei, sagte der 70-Jährige. „Es ist ein Grundprinzip, dass diejenigen, die ein Land betreten wollen, sich finanziell versorgen können“, fügte der Präsident hinzu. „Aber in Amerika setzen wir diese Regel nicht um, und belasten unsere öffentlichen Ressourcen, auf die unsere ärmsten Bürger angewiesen sind.“

Anders als zuvor verlautet, ging Trump in der Rede nicht auf nähere Details zu seinen Haushaltsplänen ein. Er sagte lediglich, dass er den Kongress um die größte Steigerung der Verteidigungsausgaben in der amerikanischen Geschichte bitten werde. Am Montag war bekannt geworden, dass der Präsident den Verteidigungshaushalt um 54 Milliarden Dollar erhöhen und das Geld in anderen Fachetats einsparen will, unter anderem im Umweltschutz- und im Außenministerium. Das stieß auf Kritik - auch unter Republikanern.

Seinem Land versprach Trump eine historische Steuerreform. Sein Wirtschaftsteam arbeite daran. Unternehmen sollten weniger Steuern bezahlen, um überall wettbewerbsfähig zu sein und florieren zu können. Ins Detail ging Trump auch hier nicht.

Im Kampf gegen die Terrormiliz IS will Trump auf die Zusammenarbeit mit arabischen Verbündeten setzen. „Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unseren Freunden und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen“, sagte er. Seine Worte entsprechen der Linie, die Verteidigungsminister James Mattis in den vergangenen Wochen vorgegeben hatte.

Trump bekannte sich in der Rede in deutlicher Form zur Nato. Die US-Regierung unterstütze das Bündnis entschieden, sagte er. Er wiederholte zugleich seine Forderung, dass alle Mitglieder der Nato ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen müssten. Die Nato hat als offizielles Ziel ausgegeben, spätestens bis 2024 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der jeweiligen Mitglieder für Verteidigungsausgaben zu verwenden. Doch die meisten Europäer liegen darunter, so auch Deutschland. Trump hatte die Nato in der Vergangenheit wiederholt als obsolet bezeichnet.

Der Präsident zeigte sich auch für neue Bündnisse offen. „Amerika ist bereit, neue Freunde zu finden und neue Partnerschaften zu schmieden, wenn es im Einklang mit gemeinsamen Interessen liegt“, sagte Trump. Es liegt nahe, dass er damit auf die Beziehung zu Russland anspielte. In der Vergangenheit hatte der Republikaner sich wiederholt dafür ausgesprochen, das Verhältnis zu Moskau zu verbessern.

In seiner Rede zur Amtseinführung hatte Trump ein deutlich düstereres Bild der Lage in den USA gezeichnet. Seine Ansprache vor dem Kongress schloss er mit einem optimistischen Appell: „Die Zeit für Denken in kleinen Dimensionen ist vorbei.“ Die Zeit für banale Kämpfe sei vorüber. „Wir brauchen nur den Mut, die Träume zu teilen, die unsere Herzen füllen“, sagte Trump. „Von nun an wird Amerika von unserem Streben befähigt - nicht von unserer Furcht belastet.“

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