Abschied im Kieler Landtag : Wolfgang Kubicki versagt bei letzter Rede die Stimme

Oppositionsführer Ralf Stegner (SPD, l) reicht in Kiel dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki zum Abschied die Hand. Ein Vierteljahrhundert war Kubicki Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtags und seit 1996 durchgängig FDP-Fraktionschef. Jetzt wechselt er in den Bundestag.
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Oppositionsführer Ralf Stegner (SPD, l.) reicht in Kiel dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki zum Abschied die Hand. Ein Vierteljahrhundert war Kubicki Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtags und seit 1996 durchgängig FDP-Fraktionschef. Jetzt wechselt er in den Bundestag.

FDP-Fraktionschef verlässt nach einer emotionalen Abschiedsrede den Landtag

Kay Müller von
15. Dezember 2017, 07:37 Uhr

Kiel | Es ist 16.05 Uhr, als gestern etwas Besonderes im Landtag passiert. Wolfgang Kubicki kann nicht mehr weitersprechen. „Ja, selbst mir passiert so etwas“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende sichtlich ergriffen. Zum letzten Mal steht er als Landtagsabgeordneter am Rednerpult – und muss gleich wieder stocken, als er sich bei seinem „Lieblingscounterpart Ralf Stegner“ für viele scharfe Debatten entschuldigt, aber auch bedankt. „Das Parlament wäre ohne Sie ärmer gewesen.“

Kubicki ermahnt Stegner, eine Art Wächter der Demokratie zu bleiben. „Sie haben mit Ihrer Fähigkeit eine große Verantwortung“, sagt der Liberale mit Blick nach rechts. Denn ausgerechnet zu einem Antrag der AfD, mit dem die Partei das Innenministerium auffordern will, Flüchtlinge besser auf die Rückkehr in ihre Heimat vorzubereiten, muss Kubicki seine letzte Rede halten. Für die AfD hat er nur ein paar Sätze übrig. „Der Antrag zeigt, wie rassistisch Sie sind“, sagt Kubicki und stimmt am Ende mit allen anderen Fraktionen dagegen.

 

Dafür findet er mehr Worte der Dankbarkeit für seine Kollegen im Parlament, das er nach 25 und einem halben Jahr verlässt, um nun vorerst als Bundestags-Vizepräsident in Berlin zu amtieren. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wird bedacht, genauso wie die meisten Fraktionen und sein „Freund“ Hans-Jörn Arp von der CDU. Eine besondere Ehrung bekommt Lars Harms vom SSW, mit dem Kubicki auch gern „natural“ zusammengearbeitet hat, will heißen: „Ich habe alle meine alkoholischen Wettschulden vollständig bezahlt.“

Den Abgeordneten wünscht Kubicki mehr Selbstbewusstsein: „Macht Euch nicht so klein“, ruft er in den Saal – und bezieht das auch auf die Bezahlung. Die Diäten der Abgeordneten seien gerechtfertigt. Er könne das sagen, da er als gut verdienender Anwalt nie auf diese angewiesen war. „Am teuersten ist die Nicht-Demokratie, denn die kann das Leben kosten.“ Deswegen sagt Kubicki in die Runde: „Ihr macht einen richtigen Job. Schleswig-Holstein hat dieses Parlament verdient.“

 

Auf Wiedersehen will das FDP-Urgestein dann nicht sagen, stattdessen: „Tschüss und viel Erfolg weiterhin“. Alle Abgeordneten stehen auf, spenden Kubicki stehend Beifall. Der setzt sich schnell, will den Applaus mit beschwichtigenden Handbewegungen abmildern – ohne Erfolg.  Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) lobt Kubickis „liberalen Freiheitsgeist. Du hast die Arbeit des Parlaments wesentlich mitgeprägt.“ Kubicki verneigt sich zweimal dezent.

Und Ralf Stegner? Der applaudiert ebenfalls stehend. „Wolfgang Kubicki ist einer aus der Spitzenklasse, so etwas gibt es nicht häufig“, sagt er hinterher. Ob er erstaunt ist, dass einem Politprofi wie Kubicki bei einer Dankesrede an ihn die Stimme stockt? Stegner lächelt und sagt: „Nein, weil mir das ja gelegentlich auch passiert.“

Das sind die Themen im Landtag am Freitag.

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