Wohin treibt Frankreich nach dem Terror?

Tausende Menschen trauerten in Paris – und reckten dabei das Handwerkszeug der Zeichner – den Stift – in die Luft.
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Tausende Menschen trauerten in Paris – und reckten dabei das Handwerkszeug der Zeichner – den Stift – in die Luft.

Beobachter befürchten Verschärfung der bestehenden Spannungen / Le Pen will zurück zur Todesstrafe

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08. Januar 2015, 15:46 Uhr

Die aktuelle Ausgabe des französischen Satireblatts „Charlie Hebdo“ ist vergriffen. Doch die Pariser Kult-Zeitschrift wird auch nach der blutigen Katastrophe in den Räumen der Redaktion wieder erscheinen, sogar in einer Auflage von einer Million Exemplaren – ein Lebenszeichen nach dem Terrorakt. Die nächste Ausgabe ist bereits in Planung.

Allein acht Journalisten des Magazins starben im Kugelhagel von kaltblütigen Terroristen – unter den Opfern auch Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier (47) alias Charb. „Ich habe alle meine Freunde verloren“, sagt Philippe Val, der frühere Direktor von „Charlie Hebdo“. Er ringt im Fernsehen um Fassung. Die Attentäter hätten Journalisten zum Schweigen gebracht, die ernste Themen mit bissigem Humor angegangen seien: „Es darf nicht sein, dass die Stille siegt.“

Es sieht danach aus, als ob junge Islamisten Frankreich den schwersten Schlag seit mehreren Jahrzehnten versetzt hätten. Sie sollen unweit der Redaktion von „Charlie Hebdo“ gewohnt haben. Ihre Namen: Said (34) und Chérif Kouachi (32). Sie sollen schwarz vermummt die Redaktion gestürmt und um sich geschossen haben. Zwölf Menschen starben. Die Horrortat stürzt das ohnehin angeschlagene Land in eine tiefe Krise. Viele Franzosen schauen sowieso alles andere als freudig ins neue Jahr. Die Wirtschaft steckt fest, Reformen sind umstritten, und der sozialistische Präsident François Hollande ist so unpopulär wie kein Staatschef vor ihm. Hinzu kommt: Die Integration von Ausländern ist ein heißes Eisen. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen ist so angespannt wie lange nicht. In Frankreich leben fünf Millionen Muslime, viele von ihnen in den vernachlässigten Vorstädten. Dort sind fast die Hälfte der Menschen arbeitslos. Der Frust lässt junge Muslime nach Alternativen suchen. Angeblich haben sich etwa 1000 junge Franzosen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Politische Beobachter befürchten nun, dass das Attentat die Spaltung im Land vertieft. Der in Deutschland und Frankreich bekannte Grüne Daniel Cohn-Bendit erklärt bereits: „Das hat mit dem Islam nichts zu tun.“ Er wertet es positiv, dass sich auch muslimische Verbände in Frankreich von der Tat distanziert hätten. Trotz allem könnte die Tat dem rechtsextremen Front National von Marine Le Pen weiter Auftrieb geben. Die Politikerin erklärt bereits am frühen Abend: Es sei klar, dass islamische Fundamentalisten den Anschlag verübt hätten und forderte eine Volksabstimmung zur Wiedereinführung der Todesstrafe.

Hollande will gegensteuern. Er fordert die Franzosen auf, angesichts des Terrors zusammenzustehen. Auf der Place de la République mitten in Paris, unweit des Tatorts, kamen am späten Mittwochabend spontan Tausende Menschen zusammen. Es waren viele Spruchbänder und Plakate mit der Aufschrift „Nous sommes Charlie“ (Wir sind Charlie) zu sehen. Redaktionsleiter Charb hatte einmal in einem Interview gesagt: „Ich ziehe es vor, mit erhobenem Haupt zu sterben, als auf den Knien zu leben.“

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