zur Navigation springen

Attacke auf Weihnachtsmarkt in Berlin : Wo Lkw und Autos noch als Waffe genutzt wurden

vom

In Nizza und Berlin rasten Lkw in Menschenmengen. shz.de zeigt, wo die Anschlagsmethode noch verwendet wurde.

von
erstellt am 20.Dez.2016 | 15:15 Uhr

Berlin ist wie Nizza. Auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz nahe der Gedächtniskirche raste am Montag ein Lkw: Zwölf Menschen wurden getötet, dutzende weitere verletzt, viele von ihnen schwer. Die Bundesregierung sprach von einem terroristischen Anschlag. Auch in Nizza raste ein Mann im Juli mit einem Lkw in eine Menschenmenge, 86 Menschen starben. Laster sind zu einer gefährlichen Waffe von Attentätern geworden. Und das nicht erst seit Nizza und Berlin. shz.de zeigt, wo Lkw bereits für derartige Anschläge benutzt wurden.

2014

In der französischen Stadt Nantes gibt es 2014 ein Lkw-Anschlag auf einen Weihnachtsmark. Ein Mensch kommt ums Leben, neun wurden verletzt. Im gleichen Jahr rast in Dijon ein Attentäter in eine Gruppe von Fußgängern und verletzt elf Menschen.

2014 

In Jerusalem überfährt ein Palästinenser einen jungen Mann mit einem Bagger und verletzt fünf Menschen. Ein weiterer Palästinenser rast in dem Jahr mit seinem Auto in eine Menschenmenge. Er tötet ein Baby und eine junge Frau und verletzt sieben weitere Personen. In allen Fällen wurden die Attentäter erschossen.

2016

Im Juli tötete ein Attentäter in Nizza mit einem Lkw 86 Menschen. Der Mann war mit dem Laster in eine Menschenmenge an der Strandpromenade gefahren, wo gerade Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag liefen.

 

Auch Anschläge mit anderen Fahrzeugen hat es schon gegeben.

1989

Am 6. Juli 1989 greift ein Palästinenser einem Busfahrer auf der Strecke von Tel Aviv nach Jerusalem ins Lenkrad. Der Bus stürzt in eine Schlucht, 16 Menschen sterben.

2009

Während des niederländischen Königinnentages am 30. April 2009 fährt ein 38-Jähriger in Apeldoorn auf den offenen Bus der Königsfamilie zu. Mit seinem Kleinwagen tötet er sieben Menschen und verletzt zehn; die Königsfamilie trifft er nicht. Der Attentäter sagt einem Polizisten, er habe einen Anschlag verüben wollen. Der Mann erliegt später seinen Verletzungen.

Seit September 2015

Palästinensische Angreifer verüben in Israel und dem Westjordanland mehrere Dutzend Angriffe mit Fahrzeugen.

November 2016

Am 28. November 2016 rast ein Student der Ohio State University in eine Gruppe Fußgänger. Danach steigt er aus dem Wagen und greift Umstehende mit einem Schlachtermesser an. Elf Menschen werden verletzt. Der IS reklamiert die Attacke später für sich.

Juli 2016

In einem Regionalzug in Würzburg geht ein minderjähriger Attentäter mit einer Axt und einem Messer auf andere Fahrgäste los, fünf Menschen werden verletzt. Später kommt heraus: Auch in diesem Fall hätte ein Auto zur Tatwaffe werden können. Das hatte zumindest der IS-Instrukteur des Jugendlichen in einem Chat gefordert. Der Jugendliche hatte erwidert, dass er nicht Auto fahren könne und das Erlernen zu viel Zeit kosten würde.

 

Die Mittel im Kampf gegen solche Attacken sind begrenzt. Die deutsche Polizei nutzt unter anderem Nagelsperren, um Autos zum Stehen zu bringen. Ingenieure arbeiten an Systemen, die mit elektromagnetischen Impulsen Autos lahmlegen.

 

Während es schwierig ist, Anschläge mit Fahrzeugen zu verhindern, sind die Taten vergleichsweise einfach durchzuführen. Einen Pkw oder Lkw besorgen kann jeder. Ein Fahrzeug ist unauffällig, es erregt im Straßenverkehr keinen Verdacht. Die Täter brauchen auch keine weiteren Kenntnisse, sie können mit minimalem Training oder wenig Erfahrung solche Anschläge verüben. Auf die Anschlagsgefahr durch Fahrzeuge wiesen die US-Bundespolizei FBI und das US-Heimatschutzministerium bereits 2010 hin. Bekannt ist auch, dass terroristische Organisationen ihre Anhänger gezielt dazu aufrufen, Anschläge mit Fahrzeugen zu verüben. Der Islamische Staat gibt ihnen dazu konkrete Anleitungen, etwa welche Fahrezuge oder Ziele besonders gut geeignet seien.

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen