Schyrokyne bei Mariupol : Wladimir Putin fordert Rückzug ukrainischer Soldaten

Die Aufständigen hätten sich bereits aus Schyrokyne bei Mariupol zurückgezogen, sagt Russlands Präsident. Putin fordert die ukrainische Truppen auf, es den Separatisten gleich zu tun.

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24. Juli 2015, 13:54 Uhr

Moskau/Kiew | Für eine Stabilisierung der Lage im Kriegsgebiet Donbass hat Kremlchef Wladimir Putin den Abzug ukrainischer Soldaten aus dem Ort Schyrokyne bei der Hafenstadt Mariupol gefordert. „Dies haben auch die Aufständischen als Geste des guten Willens getan“, meinte Putin einer Mitteilung des Kremls in der Nacht zum Freitag zufolge. Bei der Ortschaft nehmen sich Regierungstruppen und prorussische Separatisten seit Monaten gegenseitig unter Beschuss.

Trotz einer vereinbarten Waffenruhe wird in der Ostukraine bislang weiter gekämpft. Nach ukrainischen Umfragen sind knapp 30 Prozent der Bürger für einen Krieg zur „Befreiung der abtrünnigen Gebiete“. Vor allem der ultranationalistische Rechte Sektor setzt sich für eine gewaltsame Lösung des Konflikts ein. Dmitri Jarosch, der „Führer der nationalen Befreiungsbewegung“, wie sich der Rechte Sektor auch nennt, will verhindern, dass Präsident Poroschenko die Gebiete kampflos aufgibt.

In einem Telefonat mit Putin, Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande berichtete der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko nach Angaben aus Kiew von einer Verschlechterung der Lage im Donbass. Er verlangte die Freilassung aller in dem Konflikt gefangenen Soldaten.

Der zuvor vereinbarte Rückzug schwerer Kriegstechnik aus dem Frontgebiet müsse von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) überwacht werden, bekräftigte Poroschenko. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte sich dem Auswärtigen Amt in Berlin zufolge für eine schnelle Umsetzung des Waffenabzugs ausgesprochen. Die ukrainische Regierung und die Separatisten hatten sich am Dienstag geeinigt, eine 30 Kilometer breite entmilitarisierte Zone in der Kriegsregion zu schaffen.

Putin rief die prowestliche Führung in Kiew erneut zu einem direkten Dialog mit den prorussischen Separatisten auf. Zudem forderte er, einen Sonderstatus für die von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Donezk und Luhansk gesetzlich zu fixieren sowie den Ablauf für im Herbst geplante Regionalwahlen abzustimmen.

Für den geplanten Abzug schwerer Waffen in der Ostukraine soll in den kommenden Tagen zusätzlich ein Abkommen unterzeichnen. Dazu könne die Ukraine-Kontaktgruppe noch vor ihrem für den 3. August geplanten nächsten Treffen zusammenkommen, meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf einen Vertreter des Gremiums.

In der Kontaktgruppe beraten Vertreter der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über Friedensschritte für den Donbass. Die Separatisten hatten nach eigenen Angaben bereits einseitig mit dem Waffenabzug begonnen.

Trotz der diplomatischen Bemühungen fallen in der Ostukraine fast täglich Schüsse. Die Militärführung in Kiew warf den Aufständischen mehr als 70 Angriffe innerhalb von 24 Stunden vor. Ein Soldat sei getötet worden, sagte Präsidialamtssprecher Andrej Lyssenko. Auch die Separatisten berichteten von Beschuss durch Regierungstruppen.

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