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Untersuchung im Fall Litwinenko : Wladimir Putin billigte wahrscheinlich Ermordung

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein britischer Richter hält die Beteiligung des russischen Geheimdienstes an dem Mord in London für wahrscheinlich. In Russland stößt der Bericht auf Kritik.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2016 | 12:27 Uhr

London | Der Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wurde einem Untersuchungsbericht zufolge wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ermordet. Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem am Donnerstag veröffentlichen Abschlussbericht. Russland weist den Bericht als „absurd“ zurück.

Der Tod des Ex-Agenten und Regierungskritiker Litwinenko hatte 2006 weltweit für Aufsehen gesorgt. Aufgrund der Umstände fiel der Verdacht schnell auf den russischen Auslandsgeheimdienst: Litwinenko wurde mit radioaktivem Polonium vergiftet.

Die Tat sei „wahrscheinlich gutgeheißen worden“ vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew „und auch von Präsident Putin“, schrieb Owen. Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen. 

Der russische Abgeordnete Andrej Lugowoi hat die Anschuldigungen aus Großbritannien als „absurd“ zurückgewiesen.„Erwartungsgemäß gab es keine Sensation. Die Ergebnisse bestätigen die antirussische Position Londons sowie die Engstirnigkeit und Unlust der Engländer, den wahren Grund für den Tod von Litwinenko festzustellen“, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Ein russischer Justizsprecher nannte die am Donnerstag in London veröffentlichten Untersuchungsergebnisse „politisch motiviert“.

Moskau werde auf einer solchen Grundlage kein Verfahren gegen Lugowoi und den ebenfalls beschuldigten Dmitri Kowtun eröffnen, sagte der namentlich nicht genannte Mitarbeiter. Zudem untersage es die russische Verfassung, russische Staatsbürger für einen möglichen Prozess im Ausland auszuliefern, bekräftigte er. Lugowoi genießt überdies als Abgeordneter der Staatsduma Immunität. Ein ranghoher Diplomat in Moskau sagte, Russland werde einen offiziellen Kommentar nach Prüfung des Untersuchungsberichts abgeben. Schon jetzt sei aber klar, dass die Ergebnisse „nicht ohne Auswirkungen“ auf das bilaterale Verhältnis bleiben würden. Die Beziehungen zwischen London und Moskau gelten als angespannt.

Litwinenko, ein früherer russischer Agent, war im November 2006 mit 43 Jahren in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 gestorben. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern der russischen Regierung. Owens Bericht ist diplomatisch heikel. Die britische Regierung wollte verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich vor Gericht durch.

Litwinenko war bereits im post-sowjetischen Russland der 1990er Jahre ein schillernde Figur. Er soll an Kriegsverbrechen in Tschetschenien beteiligt gewesen und mit der Ermordung des inzwischen ebenfalls in London mysteriös ums Leben gekommenen Kreml-Kritikers Boris Beresowski beauftragt worden sein. Beresowski und Litwinenko unterhielten später ein freundschaftliches Verhältnis.

Von London aus soll Litwinenko die spanische Regierung im Kampf gegen die Russen-Mafia beraten und im Auftrag westlicher Firmen Sicherheitsprofile über russische Unternehmen und Personen erstellt haben. Litwinenko hatte noch auf dem Sterbebett in einer polizeilichen Vernehmung direkt den russischen Präsident Wladimir Putin für seinen bevorstehenden Tod verantwortlich gemacht.

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