„Heute Nacht war erst der Anfang“ : Wird Stacey Abrams erste schwarze Gouverneurin in den USA?

epa05440888 Stacey Abrams, House Minority Leader of the Georgia House of Representatives speaks on the first day of the Democratic National Convention at the Wells Fargo Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA, 25 July 2016. The four-day convention is expected to end with Hillary Clinton formally accepting the nomination of the Democratic Party as their presidential candidate in the 2016 election. EPA/TANNEN MAURY +++(c) dpa - Bildfunk+++

Stacey Abrams bei der Democratic National Convention im Juli 2016.

Die Demokratin hat die Vorwahlen ihrer Partei zu den Gouverneurswahlen gewonnen – und schon jetzt Geschichte geschrieben.

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23. Mai 2018, 14:21 Uhr

Atlanta | Sie hat schon jetzt Geschichte geschrieben. Stacey Abrams hat am Dienstag die Vorwahlen der Demokratischen Partei zu den diesjährigen Gouverneurswahlen im Bundesstaat Georgia gewonnen. Die 44-Jährige ist somit die erste Afroamerikanerin, die für eine der beiden großen Parteien in das Rennen um einen Gouverneursposten in irgendeinem US-Bundesstaat geht. "Heute Nacht war erst der Anfang", schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite, wo sie vor allem denen dankte, die für sie gestimmt hatten. Gewinnt sie auch die Wahl am 6. November gegen ihren republikanischen Kontrahenten, ist sie die erste gewählte afroamerikanische Gouverneurin in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

In Georgia könnte sie im November für ein weiteres Novum sorgen und zudem die erste weibliche Gouverneurin werden. Noch nie sind so viele Frauen in den USA für ein Gouverneursamt ins Rennen gegangen, berichtet das Rutgers University’s Center for American Women and Politics. 47 Frauen haben ihre Bewerbung demnach bislang eingereicht, 27 weitere mögliche Kandidatinnen könnten noch folgen.

Die Vorwahl der Demokraten gewann Abrams mit mehr als drei Viertel der Stimmen gegen Stacey Evans, die in ihrer Kampagne vor allem auf moderate und unabhängige Wähler gesetzt hatte. Abrams dagegen sprach in ihrem Wahlkampf verstärkt Themen wie Kinder und soziale Gerechtigkeit an. Die Republikaner entscheiden im Juli über einen Gegenkandidaten. Zur Wahl stehen dann Casey Cagle, aktueller Vizegouverneur von Georgia, sowie Brian Kemp, derzeitiger Secretary of State im Bundesstaat. In den vergangenen 15 Jahren haben republikanischen Gouverneure durchgehend in Georgia regiert.

Stacey Abrams ist in Gulfport, im Bundesstaat Mississippi als eines von sechs Kindern aufgewachsen. Nach dem Umzug der Familie nach Atlanta besuchte sie die Avondale High School im benachbarten DeKalb County, deren erste afroamerikanische Abschlussrednerin sie war. Ihren Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Soziologie machte sie 1995 am Spelman College in Atlanta, später absolvierte sie zudem die renommierte Yale-Law-School. Neben ihrer politischen Karriere schreibt sie außerdem Romane.

Bundesweite Aufmerksamkeit

Wie die "New York Times" schreibt, werde Abrams im November auf eine hohe Wahlbeteiligung der schwarzen Bevölkerung angewiesen sein - und deswegen voraussichtlich weniger in der weißen Landbevölkerung für sich werben. Im Bundesstaat Georgia machen die nicht-lateinamerikanischen weißen Wähler 52 Prozent der Bevölkerung aus. Traditionell gehen diese sehr zuverlässig an die Wahlurnen.

Schon jetzt allerdings hat die 44-Jährige bundesweit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im amerikanischen Süden hat es seit der sogenannten Reconstruction keinen afroamerikanischen Gouverneur mehr gegeben - also seitdem die Südstaaten Mitte des 19. Jahrhunderts wieder in die Union eingegliedert wurden. Der Republikaner Pinckney Benton Stewart Pinchback wurde im Jahr 1872 in Louisiana der erste afroamerikanische Politiker überhaupt, der Gouverneur eines US-Bundesstaates wurde. Erst 1989 gelang es mit dem Demokraten Lawrence Douglas Wilder im Ostküsten-Staat Virginia dem zweiten Afroamerikaner, eine Gouverneurswahl für sich zu entscheiden. Eine schwarze Gouverneurin hat es in den USA bislang noch nicht gegeben.

Die US-Gouverneurswahlen am 6. November 2018 sind Teil der allgemeinen Zwischenwahlen und werden in 36 Staaten abgehalten. Außerdem werden die Gouverneure für drei US-Außengebiete gewählt, das Repräsentantenhaus, ein Drittel der Senatoren, weitere Amtsträger der Staaten und viele Staatsparlamente.

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