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„Wir machen unser eigenes Mittelmeer zum Friedhof“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Nach den jüngsten Flüchtlingsdramen vor Lampedusa mit mehr als 400 Toten will Italien die Überwachung im Mittelmeer von heute an verstärken. Die Einsatzkräfte von Marine und Luftwaffe in der Straße von Sizilien würden verdreifacht, kündigte Ministerpräsident Enrico Letta an. „Italien startet am Montag einen humanitären Militäreinsatz mit Schiffen und Flugzeugen, um den Teil des Mittelmeeres, der in den letzten Tagen (für viele Flüchtlinge) zum Grab geworden ist, so weit wie möglich zu sichern“, sagte Letta am Wochenende. Dies sei eine Überbrückungsmaßnahme vor einem erhofften größeren Engagement der Europäischen Union. Auch Malta, das mit Italien am stärksten von der Flüchtlingskrise betroffen ist, rief die EU zum Handeln auf. „Bisher hören wir von der EU nur leere Worte“, sagte Ministerpräsident Joseph Muscat. „Ich weiß nicht, wie viele Menschen noch sterben müssen, bevor etwas geschieht. Wie die Dinge im Moment stehen, machen wir unser eigenes Mittelmeer zum Friedhof.“

Die EU-Innenminister hatten bei ihrem jüngsten Treffen zugesagt, Italien mit europäischen Grenzschützern (Frontex) zur Rettung von Flüchtlingen aus Seenot zu unterstützen. Die bestehenden Regeln zur Aufnahme von Flüchtlingen ließen sie unangetastet. Demnach bleibt das Land, in dem ein Flüchtling die Europäische Union erreicht, für das Asylverfahren und die Unterbringung verantwortlich. Italien will deshalb das Flüchtlingsproblem erneut beim EU-Gipfel am 24. und 25. Oktober zur Sprache bringen.

Die Zahl der Toten der Schiffstragödie, die sich Donnerstag vor einer Woche vor Lampedusa ereignet hatte, stieg unterdessen auf 362. Am Sonnabend wurden knapp 20, gestern noch einmal vier Leichen aus dem Meer geborgen. 155 Flüchtlinge hatten den Schiffbruch überlebt.

Beim jüngsten Schiffsunglück zwischen Malta und Lampedusa waren am Freitag mindestens 35 Bootsflüchtlinge ums Leben gekommen, mehr als 200 konnten gerettet werden. Am Freitag war zudem ein Flüchtlingsboot vor der Küste Ägyptens gesunken – zwölf der rund 150 Menschen an Bord starben. Trotz der jüngsten Tragödien machen sich immer mehr Bootsflüchtlinge von Nordafrika aus auf den Weg nach Europa. In der Nacht zu gestern brachte die italienische Küstenwache ein Schlauchboot mit 14 Menschen auf, eine im neunten Monat schwangere Frau wurde mit einem Hubschrauber nach Lampedusa gebracht.

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