Gegen Bienensterben und Massentierhaltung : „Wir haben es satt“: 33.000 in Berlin bei Demo für eine Agrarwende

Bauern und Umweltaktivisten demonstrieren unweit des Kanzleramts parallel zur Grünen Woche und am Rande der Agrarministerkonferenz für eine ökologischere Landwirtschaft.

Bauern und Umweltaktivisten demonstrieren unweit des Kanzleramts parallel zur Grünen Woche und am Rande der Agrarministerkonferenz für eine ökologischere Landwirtschaft.

Einige Bauern fahren Tage lang auf ihren Treckern nach Berlin um mit Tausenden für eine Agrarwende zu demonstrieren.

shz.de von
20. Januar 2018, 17:16 Uhr

Berlin | Trommeln auf Kochtöpfen, bunte Kostüme und 160 dekorierte Traktoren: Es hatte schon einen Hauch von Karneval, als sich Tausende Demonstranten am Samstag direkt vor dem Südausgang des Berliner Hauptbahnhofs versammelten. Reisende kamen kaum durch. Allerdings ging es nicht ums Feiern, sondern um ein ernstes Thema. 33.000 Menschen waren nach Veranstalterangaben bei der Demonstration für eine Agrarwende unterwegs.

Unter dem Motto „Wir haben es satt“ waren Bauern aus ganz Deutschland mit ihren Traktoren nach Berlin gefahren. Gemeinsam mit rund 50 Verbänden und Umweltinitiativen protestierten sie für mehr Bauernrechte weltweit und für eine ökologischere Landwirtschaft. „Keine Gentechnik auf unseren Tellern“ oder „Unser täglich Brot geht auch ohne Tod“ waren einige Kommentare auf den Transparenten.

Für den Trecker-Konvoi, der gegen Mittag in Richtung Regierungsviertel los rollte, hatten einige Landwirte tagelange Anreisen auf sich genommen. Ostfriesland und Schleswig-Holstein waren genauso vertreten wie Bayern und Sachsen. Auffällig viele Traktoren hatten Nummernschilder aus dem Wendland (Landkreis Lüchow-Dannenberg), wo Bauern wegen des Atommüll-Lagers Gorleben schon seit Jahrzehnten an Protesten teilnehmen.

„Ich war zwei Tage lang mit Trecker und Anhänger unterwegs und bin dann in den Sturm gekommen“, sagte ein bayerischer Landwirt aus Colmberg. Bei Wittenberg seien ihm im Wald zahlreiche Bäume vor die Zugmaschine gefallen. „Das war schon lebensgefährlich, aber die Demo ist es mir wert“.

Viele brachten ihre Familie mit nach Berlin, manche hatten sich fantasievoll verkleidet – als Heuschrecke auf Stelzen, als Kuh oder als Huhn. Ein Imker aus Berlin mit weißer Arbeitskluft und Netzmaske auf dem Kopf schob einen Sarg vor sich her. „Damit möchte ich auf das Bienensterben durch Glyphosat aufmerksam machen.“ Bei der ebenfalls tagenden Agrarministerkonferenz dürften die Aktionen wohl kaum Wirkung zeigen, glaubt ein Demoteilnehmer aus Berlin. Aber es sei wichtig, hier Flagge für vegane Ernährung zu zeigen.

Applaudierende Passanten und zahlreiche Musiker begleiteten den Demonstrationszug. Bereits vor dem Start hatten Aktivisten mit lautem Kochtopf-Klopfen ein Straßenkonzert improvisiert. „Es ist alles friedlich abgelaufen, sowohl bei dem Kochtopf-Konzert als auch bei dem eigentlichen Demonstrationszug mit Trecker-Konvoi“, resümierte ein Polizeisprecher am Nachmittag. 330 Beamte seien im Einsatz gewesen. Die Zahl der Teilnehmer doppelt sei so hoch gewesen wie bei der gleichartigen Demonstration vor einem Jahr, hieß es bei den Veranstaltern. „Daran sieht man, dass die Themen Landwirtschaft und Ernährung immer wichtiger werden“, sagte Sprecher Christian Rollmann.

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