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Mehr Details im Glaeseker-Prozess : „Wir brauchen Kohle!“

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Wulffs früherer Sprecher Glaeseker war nach Angaben einer Zeugin das beste Pferd im Stall von Partymanager Schmidt, wenn es um das Anwerben von Sponsoren ging.

Hannover | Olaf Glaeseker als vorbildlicher Sponsorenwerber - so hat eine Zeugin den früheren Sprecher von Ex-Bundespräsident Christian Wulff beschrieben. Im Korruptionsprozess gegen Glaeseker und den mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt ging es am Dienstag vor allem um das freundschaftliche Verhältnis der beiden.

Eine Ex-Mitarbeiterin Schmidts sagte im Landgericht Hannover, Glaeseker sei ein Vorbild bei der Sponsorenwerbung für die Promifeten namens Nord-Süd-Dialog gewesen. An den Feiern in Hannover und Stuttgart hat Schmidt nach den Gerichtsakten allein 2008 einen Überschuss von 318 633 Euro erwirtschaftet. Die Gewinnmarge habe bei 44,38 Prozent gelegen, so die Richterin. 2009 lag der Überschuss bei 267 151 Euro. Glaeseker wird vorgeworfen, er habe von Schmidt für das Anwerben von Sponsoren für die Feiern kostenlose Urlaube und Flüge erhalten.

Glaeseker war zu der Zeit Regierungssprecher in Niedersachsen und Vertrauter des damaligen Ministerpräsidenten Wulff. Er muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten, Schmidt wegen Bestechung.

Die Zeugin schilderte, Schmidt habe permanenten Druck bei der Suche nach Geldgebern aufgebaut. 2009 habe er Glaeseker in ihrer Gegenwart angerufen und erklärt: „Wir brauchen Firmen, wir brauchen Kohle!“ Schmidt habe sie auch auf Glaesekers Kollegen in Baden-Württemberg angesetzt. In Stuttgart habe sie beim dortigen Sprecher aber keinen Erfolg gehabt. „Er hat mir gesagt, dass er das nicht machen darf und auch nicht tun wird.“ Sie habe sich gefragt, ob Glaesekers Aktivität legitim und bekannt sei.

Einer früherer Mitarbeiter Schmidts, der ab Oktober 2008 dessen Finanzen ordnen sollte, schilderte eine chaotische Buchführung. Er habe Monate gebraucht, um vorgefundene Stapel mit Quittungen und Belegen zu ordnen. Eine klare Struktur habe es nicht gegeben, Konten hätten im In- und Ausland existiert. „Er selber hatte kaum einen Überblick“, sagte der Zeuge. Das habe auch für den Nord-Süd-Dialog gegolten, bei dem erst 2009 klar geworden sei, ab welchem Betrag diese Veranstaltungen profitabel sein würden. Die Promi-Sause habe mehr als die Hälfte des Umsatzes von Schmidts spanischer Firma ausgemacht.

Ein anderer Mitarbeiter Schmidts schilderte einen Besuch seines Arbeitgebers im Juli 2009 im Haus des Ehepaars Glaeseker. Er hatte Schmidt nach Hannover gefahren. Der habe sich im Hause der Glaesekers offenbar ausgekannt, aber nach einem Restaurantbesuch in einem Hotel übernachtet. Der Zeuge war in Schmidts südfranzösischem Anwesen tätig und beschrieb die zwei Besuche der Glaesekers zu seiner Zeit dort: „Meinem Eindruck nach waren das Freundschaftsbesuche“. Schmidt habe ihm in einer Kneipe erklärt, Glaeseker sei sein bester Freund. „Wenn die Glaesekers da waren, war Herr Schmidt gut drauf“, so der Zeuge.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 18:35 Uhr

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