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Windräder können Flugzeuge vom Kurs abbringen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Windkraftanlagen kontra Flugsicherheit – das sei ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinne, erklärte der Chef des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung, Nikolaus Herrmann, gestern in der Niederlassung der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Bremen. Ein akutes Risiko bestehe nicht, „aber unser sehr hohes Sicherheitsniveau wird beeinträchtigt“.

Worum es bei der Gefährdung des Luftverkehrs geht, erläuterte Axel Raab, Leiter der Presseabteilung der DFS. Die An- und Abflugrouten von Flugzeugen werden über Funksignale definiert, die die Flieger direkt von sogenannten Drehfunkfeuern bekommen. Ein gutes Dutzend dieser Funkfeuer gibt es in Norddeutschland. Hohe Gebäude und Fernsehtürme oder eben auch Windenergieanlagen könnten diese Signale stören, indem ihre metallischen Bauteile die elektromagnetischen Wellen reflektieren. Das Flugzeug bekäme das Signal dann nicht nur direkt vom Funkfeuer, sondern zusätzlich auch als Störsignal. „Die beiden überlappen sich und addieren sich zu einem falschen Signal, das das Flugzeug von seinem Kurs abbringen kann.“ Die falschen Signale von Hochhäusern und Fernsehtürmen seien dabei zu korrigieren, erklärte Raab. Bei Windkraftanlagen mit ihren drehenden Flügeln und Rotorköpfen sei diese Korrektur nicht möglich.

Windkraftanlagen stellten nicht per se eine Gefahr für den Luftverkehr dar, dies hänge stets von Standort, Höhe und Anzahl der Rotoren ab, betonte Herrmann. Aber in einem Radius von 15 Kilometern um jede Drehpunktfeueranlagen müsste jede neue geplante Anlage geprüft werden. Und dabei kommt es zunehmend zu Ablehnungen durch die Flugsicherungsbehörden. 2012 seien von rund 1200 Anträgen zehn Prozent abgelehnt worden. Inzwischen dürfe die Quote bei über 20 Prozent liegen, so Herrmann.

Die „undifferenzierte Ablehnung“ von Windkraftanlagen sei ohne anlagespezifische Begründungen nicht akzeptabel, wetterte in dieser Woche Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne). Hintergrund: Im Kreis Ostholstein waren in den vergangenen Monaten 68 Anlagen abgelehnt worden – und lediglich 16 genehmigt. Habeck spricht von einem „bundesweiten Ärgernis“. Dies wiederum weist Herrmann zurück: „Wir sind keine Verhinderer der Energiewende, wir sind für die Sicherheit im Luftverkehr verantwortlich und müssen mitunter unangenehme Entscheidungen treffen.“

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erstellt am 13.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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