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Bundesverband Windenergie : Windräder in SH sollen höher werden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Branche drängt auf effizientere Anlagen im Norden. Minister Robert Habeck bremst jedoch.

In Schleswig-Holstein stehen die bei weitem kleinsten Windräder in ganz Deutschland – doch das soll sich nach dem Willen der Branche ändern. „Es ist wichtig, dass wir auch in Schleswig-Holstein den neuesten Stand der Technik umsetzen können“, forderte am Donnerstag in Berlin Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Große Windkraftanlagen seien nun mal produktiver. Jeder Meter in die Höhe bringt rund ein Prozent mehr Ertrag.

Noch sind die Anlagen im Land 40 Meter niedriger als im Rest der Republik: Während neue Windmühlen dieses Jahr im Bundesschnitt eine Höhe von 183 Metern vom Boden bis zur Rotorspitze hatten, waren es in Schleswig-Holstein nur 143. Das liegt vor allen an Höhenlimits der Kommunen. Die wollen so vermeiden, dass sie Windparks vor der Tür haben, auf denen nachts rote Lichter blinken – was erst bei größeren Anlagen vorgeschrieben ist.

Nun aber drängt die Branche vor allem wegen des steigenden Wettbewerbsdrucks durch Ausschreibungen von Windparks auf ein Umdenken in Schleswig-Holstein. „Wenn sich bei den Höhen nichts ändert, wird dieses Land Schwierigkeiten haben, die neue Technologie aufzubauen, die im Ausschreibungssystem nötig ist“, kritisierte Knud Rehfeldt von der Deutschen Windguard, die den BWE berät.

Bei den Auktionen erhalten diejenigen Betreiber das Recht, Windparks zu bauen, die mit den kleinsten staatlichen Zuschüssen auskommen. Damit auch in windarmen Regionen Anlagen entstehen, gibt es dort einen Bonus und in windreichen einen Malus – was den Druck zu mehr Effizienz im Norden zusätzlich erhöht.

 

Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Habeck hält trotzdem nichts davon, Riesenwindräder aufzustellen. „Wir haben extrem gute Windstandorte in Schleswig-Holstein – wir brauchen nicht die allerhöchsten Anlagen“, sagt er. Zudem bekräftigt er, dass höhere Anlagen künftig in größeren Abständen zu Wohnsiedlungen stehen müssten – denn laut Jamaika-Koalitionsvertrag ist dafür die fünffache Höhe als Mindestdistanz vorgesehen. „Diese Zusage gilt selbstverständlich. Wir werden sie umsetzen“, sagte Habeck.

Wenn künftig also Windräder mit 183 Metern Durchschnittshöhe errichtet würden, müssten sie 915 statt 800 Meter von Siedlungen entfernt stehen. Von den Windkraftkritikern von „Gegenwind SH“ war keine Stellungnahme zu erhalten. Sie hatten aber in der Vergangenheit wiederholt größere Windräder abgelehnt.

Dass der Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr 2017 erlahmt ist, liegt aber nicht an zu kleinen Anlagen. Vielmehr ist laut Rehfeldt vor allem der Planungsstopp des Landes schuld daran, dass nur 218 Megawatt Leistung neu installiert wurden, nachdem es im ersten Halbjahr 2016 noch 322 waren.

Gerechtere Lastenverteilung

Ein Kommentar von Frank Jung

Guckt man aufs große Ganze, dokumentiert die jüngste Momentaufnahme zur Windkraft in Deutschland vor allem eines: den Beginn einer gleichmäßigeren Lastenverteilung. Die Mitte und der Süden ziehen beim Ausbau nach, während Schleswig-Holstein zurückfällt. Mögen Thüringer oder Hessen ruhig ihr Scherflein dazu beitragen, wenn es darum geht, zugunsten der deutschen Energiewende mit den unvermeidlichen Eingriffen ins Landschaftsbild fertig zu werden. Das ist bundespolitisch durchaus gewollt: Aus Rücksicht auf mehr Ausbaukontingente im Süden wurde für Norddeutschland ab März dieses Jahres eine Obergrenze für neue Anlagen eingeführt.   

Inwieweit Windenergie im Süden rein wirtschaftlich betrachtet sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Kostengünstiger lässt sich die Kilowattstunde in Küstennähe erzeugen, wo der Wind am stärksten und verlässlichsten weht. Deshalb ist das Ziel der alten und neuen Landesregierung, Schleswig-Holstein solle dreimal mehr Öko-Strom erzeugen als es selbst verbraucht, zumindest nach erfolgtem Ausbau der Netze  auch keine reine Willkür. Dennoch gilt es,  das Kostenargument mit anderen Belangen auszutarieren. Dazu zählt, dass Anlagen Dimensionen besitzen, die den Rahmen des für Anwohner Erträglichen nicht vollkommen sprengen.

Deshalb muss eine Regelung her, die die in Schleswig-Holstein üblichen 100-Meter-Mühlen bei Ausschreibungen der Bundesnetzagentur nicht von vornherein benachteiligt. Gerade der Preisvorteil der norddeutschen Windgunst rechtfertigt im Interesse aller Bundesbürger eine solche Lösung, die zugleich der Akzeptanz weiterer Windenergie an der Küste helfen würde. Schwer einzusehen, dass ein solcher Nord-Bonus bei den Ausschreibungen nicht möglich sein sollte. Bei der geografischen Verteilung der Ausbaukontingente – siehe oben – hat der Bund verschiedene Teile Deutschlands schließlich auch unterschiedlich behandelt.



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erstellt am 27.Jul.2017 | 19:09 Uhr

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