Furcht vor Russland : Wie Schweden seine Bürger für den Kriegsfall rüstet

<p>Schweden fühlt sich in Sicherheit und Unabhängigkeit bedroht, heißt es von der Zivilschutzbehörde. </p>

Schweden fühlt sich in Sicherheit und Unabhängigkeit bedroht, heißt es von der Zivilschutzbehörde.

Im Auftrag der Regierung erhält jeder Haushalt eine Broschüre, die Informationen für einen möglichen Krieg liefert.

shz.de von
22. Mai 2018, 14:23 Uhr

Stockholm | Zwischen den üblichen Rechnungen und Prospekten werden 4,8 Millionen schwedische Haushalte in der kommenden Woche ein Broschüre im Briefkasten finden, die sie auf den Ernstfall vorbereiten soll. Sie trägt den Namen: „Falls Krisen oder Krieg kommen“. Hier ist sie bereits zu lesen.

Auf 20 Seiten werden die Schweden darüber informiert, wie sie im Kriegsfall zur Verteidigung des Landes beitragen können, Schutzbunker zu finden sind oder, wie man an sauberes Wasser kommen kann. Illustrierte Kampfhubschrauber, Panzer, Kriegsschiffe und flüchtende Familien verdeutlichen die Ernsthaftigkeit dieser Broschüre.

Peripher behandelt die Broschüre auch Fälle von Cyber- und Terrorattacken sowie Tipps zum Erkennen von Fake-News und einen Abschnitt zum Klimawandel.

Schon einmal ließ die schwedische Regierung derartige Broschüren verteilen. Das ist allerdings schon 75 Jahre her und war der Tatsache geschuldet, dass die Welt sich tatsächlich im Krieg befand. Bis 1961 wurden diese Broschüren in stetig aktualisierten Versionen verteilt. Jetzt, mehr als 50 Jahre später, erlebt sie ein Comeback. Aber weshalb jetzt?

Die schwedische Regierung beauftragte die Regierungsbehörde Swedish Civil Contingencies Agency, die zum Verteidigungsministerium gehört, mit der Erstellung, weil das Thema „Sicherheit“ in Schweden so heiß diskutiert wird wie lange nicht. Als Gründe dafür könnten die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 sowie Vorkommnisse aus der jüngeren Vergangenheit, nach denen russische U-Boote und Flugzeuge in schwedisches Hoheitsgebiet eingedrungen sein sollen, genannt werden. 

Checklisten für Notfallvorräte in Deutschland

Bereits 2016 beschloss die Regierung, die Ausgaben für das Militär wieder zu steigern. Im vergangenen Jahr gab es passend dazu eine große Militärübung und nun diese Broschüre für den Ernstfall. Auch wenn Schweden seit 200 Jahren in keinen Krieg verwickelt war, will man gewappnet sein. 

In Deutschland veröffentlicht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Checklisten für Notfallvorräte.

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