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Im Weißen Haus : Wie ein Rangierbahnhof: Scaramuccis Blitz-Abgang

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Im Weißen Haus überschlagen sich weiter die Ereignisse. Kaum berufen, muss Kommunikationschef Scaramucci schon wieder gehen. Der erste Hammerschlag von Trumps neuem starken Mann John Kelly, heißt es. Aber das ist wohl nicht alles.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 16:52 Uhr

Politik, als hielte jemand die Taste für schnellen Vorlauf gedrückt. Nur zehn Tage nach seiner Berufung zum Kommunikationschef unter Donald Trump ist Anthony Scaramucci seinen Job schon wieder los.

Vollmundig gestartet mit einem mehrfachen «Ich liebe den Präsidenten!» und sorgsam imitierter Trump-Gestik, übertrat der alerte New Yorker vergangene Woche alle roten Linien angemessenen Niveaus, als er Führungsfiguren des Weißen Hauses unflätig und obszön beschimpfte. US-Medien berichteten, bei Trumps neuem Stabschef habe das mehr als nur leichtes Missfallen erregt.

Erst am Montagmorgen war John Kelly vereidigt worden, noch ein Ex-General unter Trump. Nur Stunden später war Scaramucci weg - obwohl er offiziell noch gar nicht angefangen hatte mit seinem Job. Aus dem ersten Meeting unter dem neuen Stabschef zitierte die «New York Times» Kelly: Er sei jetzt am Drücker.

Ordnung schaffen, für Disziplin sorgen, gerade Linien ziehen, fokussieren, schlicht ordentliche Regierungsarbeit abliefern: All diese Ziele wurden mit der Ernennung Kellys verbunden. Hier der schneidige Militär mit klaren Vorstellungen von Zucht und Ordnung, dort der gegelte Kommunikator mit losem Mundwerk und blauverspiegelter Brille: Das konnte wohl nicht lange gut gehen.

Am Montag kommentierte Trump-Sprecherin Sarah Sanders Scaramuccis unterirdische Verbalattacke dann so: Gewiss, der Präsident finde diese «nicht angemessen für jemanden in dieser Position». Es heißt, zuletzt habe Trump wegen des obszönen Niveaus in seinem unmittelbaren Umfeld dann doch um das Ansehen der präsidialen Familie gefürchtet. Und wenn Trump etwas ernst nimmt, dann seine Familie. Ob diese Darstellung stimmt, weiß man freilich nicht, stand doch Scaramuccis verbaler Unrat über Tage folgenlos im Raum.

Drei dürre Zeilen lang war dann das Statement des Weißen Hauses am Montag. Es liest sich ein bisschen so, als habe man Scaramucci sozusagen die Pistole auf die Brust gedrückt und ihn dann verlauten lassen: Einen unbelasteten Start habe er Kelly ermöglichen wollen und diesen sein eigenes Team bauen lassen. Das passt nicht wirklich zum galaktischen Selbstbewusstsein, mit dem «The Mooch» (Der Schnorrer) noch in der vergangenen Woche gegen Trumps innersten Kreis zu Felde gezogen war.

Unflätig hatte Scaramucci Stabschef Reince Priebus beschimpft, am Freitag räumte der Parteisoldat nach einem unwürdigen Prozedere seinen Posten. Auch Trumps Chefstrategen Steve Bannon hatte Scaramucci mit Schmutz beworfen, das blieb nach außen hin folgenlos. Bannon ist offensichtlich ein Mann mit mehreren Leben. Wer ihn mehrfach abgeschrieben sehen wollte, musste jedes Mal neu nachdenken.

Es sah nicht wirklich so aus, als ob sich für Scaramucci (53) in der weitläufigen Regierungszentrale nach seinem rasanten Abgang ein anderer Job finden würde. Sollte Kelly das mit dem Aufräumen aber ernst meinen, war eine Weiterbeschäftigung schwer vorstellbar. Beim echten Saubermachen würde ja eher nichts unter den Teppich gekehrt, schon gar nicht von einem ehemaligen Vier-Sterne-General.

Noch an seinem ersten Tag hatte Disziplinator Kelly mit seinem ersten Leak zu tun. CNN berichtete aus seinem Umfeld, Kelly - damals noch Heimatschutzminister - sei über die Entlassung von FBI-Chef James Comey so erbost gewesen, dass er mit dem eigene Rücktritt gespielt habe.

Den hatte ein anderer schon hinter sich. Irgendwo dürfte an diesem Montag Sean Spicer gesessen und sanft genickt haben, vielleicht leise lächelnd. Als er von Scaramuccis Bestallung erfahren hatte, hatte er seinen Job als Trumps Sprecher sofort hingeworfen. Das Durcheinander im Weißen Haus werde mit Scaramucci nicht geringer werden, hatte er ahnungsvoll gesagt. Dass der neue Stabschef das wenig später offensichtlich genauso sehen sollte, könnte zumindest etwas späte Genugtuung sein.

Diese Washingtoner Tage sind wie ein Leben auf einem Rangierbahnhof, allerdings bei Tempo 210. FBI-Chefs werden entlassen, Sprecher treten zurück und Stabschefs auch, Kommunikationschefs werden - mit rhetorischem Goldlack verziert und über den grünen Klee gelobt - erst aufgebaut und Tage später wieder deinstalliert. Einmal Zwinkern, und schon wieder neues Personal. Wie im Improvisationstheater.

Nur: Außerhalb dieser schillernden Hochdruckblase gärt der beängstigende Konflikt mit Nordkorea, wird mit Russland gestritten, vermessen die USA ihre Rolle in der Welt neu. Seit Monaten verwendet das Weiße Haus einen Großteil seiner Energien auf die Beschäftigung mit sich selbst, auf seine Lagerkämpfe und Raufereien, sieht seine Aufmerksamkeit von erregten Diskussionen über die Fäkalsprache seines Kommunikationschefs gebunden.

Dass dieses Weiße Haus noch nicht eine Krise gemanagt hat, die es nicht selber erzeugt hat, darauf verwiesen nach diesem Montag viele. Könnte sein, dass John Kelly gesagt hat: Ich bin der Mann, der zumindest diesen Stecker zieht - oder ziehen will. Denn ob der Präsident ihm dabei folgen wird, als hochnervöser Stifter aller Unruhe mit ewig losem Twitterfinger, wird man sehen.

Alle, wirklich alle großen US-Medien waren sich am Dienstag einig: Wenn es irgendjemand in der Trump-Regierung gibt, der sich niemals und durch nichts und niemanden ändern wird, dann ein 70-jähriger Milliardär, dessen Name seine großen Häuser ziert.

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