Wahlen in Frankreich 2017 : Wer wird neuer Präsident? Die Kandidaten im Porträt

François Fillon (v.l.), Emmanuel Macron, Jean-Luc-Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon vor Beginn der Fernsehdiskussion im Sender TF1 in Aubervilliers bei Paris.
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François Fillon (v.l.), Emmanuel Macron, Jean-Luc-Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon vor Beginn der Fernsehdiskussion im Sender TF1 in Aubervilliers bei Paris.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen gelten als aussichtsreiche Kandidaten. Die Biografien in der Übersicht.

shz.de von
21. März 2017, 17:57 Uhr

Paris | In der ersten TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten am Montagabend wurde die Rechtspopulistin Marine Le Pen scharf von verschiedenen Seiten kritisiert, Emmanuel Macron schlug sich wacker - sie sind die aussichtsreichsten Anwärter, sich beim ersten Wahlgang am 23. April für die Stichwahl zu qualifizieren. Doch wer sind die Kandidaten eigentlich, welche Lebensläufe haben sie? Eine Übersicht:

Emmanuel Macron: Der Revolutionär aus der Investmentbank 

Emmanuel Macron stammt aus einer Ärztefamilie.
Foto: dpa
Emmanuel Macron stammt aus einer Ärztefamilie.
 

Der Politjungstar positioniert sich weder links noch rechts. Über Wochen war der unabhängige Bewerber, früher Investmentbanker bei Rothschild & Cie. und Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande, im Aufwind. Doch umstrittene Äußerungen über Frankreichs Kolonialvergangenheit brachten den 39-Jährigen zuletzt in Bedrängnis. In Umfragen liefert er sich derzeit ein enges Rennen mit Fillon um den Einzug in die Stichwahl. Konservative werfen Macron vor, das Programm für den glücklosen Sozialisten Hollande gemacht zu haben. Hollande tritt nicht mehr an.

Wie andere Kandidaten für das höchste Staatsamt auch kritisiert Macron lautstark die politischen Eliten. „Unser System ist blockiert“, lautet sein Credo. Seine Biografie zeigt jedoch, dass er mit dem kleinen und feinen Pariser Machtzirkel engstens verwoben ist.

Bereits im April des vergangenen Jahres gründete der smarte Macron, der aus einer Ärztefamilie stammt, seine eigene Bewegung „En marche!“ (Auf dem Weg). Er will weder die Linke noch die Rechte hinter sich scharen: „Ich möchte die Franzosen sammeln.“ Er gilt im Land am ehesten als Liberaler, der den Einfluss des Staates zurückdrängen will. Angst vor Glamour hat er nicht - im Sommer posierte er mit seiner über 20 Jahre älteren Frau Brigitte in Badehose und Polohemd am Strand des schicken Atlantikbadeortes Biarritz.

Marine Le Pen

Die französische Rechtspopulistin sieht sich nach dem EU-Austrittsvotum der Briten und dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA im Aufwind. Umfragen besagen, dass die Chefin der rechtsextremen Front National - kurz FN - bei der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl im April die meisten Stimmen bekommen könnte. Für die entscheidende Stichwahl im Mai dürfte die Anwältin aber hinten liegen. Die FN vertritt im Hinblick auf Ausländer und Europa radikale Positionen. Im Falle eines Wahlsiegs will die Mutter von drei Kindern die Franzosen über einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union abstimmen lassen.

Die 1968 in Neuilly bei Paris geborene Le Pen hat als Achtjährige einen Bombenanschlag auf die Wohnung ihres Vaters Jean-Marie Le Pen erlebt, des Gründers der rechten Partei Front National. Die Rechtsanwältin führt die Partei seit 2011. Sie setzt die Agitation ihres Vaters gegen Einwanderung und Establishment fort, verpasste der Front National aber mit einer gemäßigteren Wortwahl ein moderneres Image.

Bei der Präsidentenwahl 2012 holte Marine Le Pen in der ersten Runde fast 18 Prozent - das beste Ergebnis der Parteigeschichte. Mit Wahlkampfforderungen wie der EU-Auflösung und Frankreichs Abschied vom Euro schaffte die Partei erstmals seit 1998 auch wieder den Sprung in die Nationalversammlung. Trotz zweistelliger Ergebnisse war das bis dahin vom Mehrheitswahlrecht verhindert worden.

François Fillon

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (rechts) und seine Frau Penelope hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar in Paris, Frankreich.
Foto: Christophe Ena/AP/dpa
Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (rechts) und seine Frau Penelope hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar in Paris, Frankreich.
 

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt lange als Favorit der Wahl. Doch wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau verlor der 62-Jährige Sympathiepunkte. Nach aktuellen Umfragen liegt er bei etwa 20 Prozent - und muss damit um den Einzug in die entscheidende Stichwahl zittern. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein als seine parlamentarische Mitarbeiterin angestellt war. Fillon wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

Der Sohn eines Notars und einer Historikerin stammt aus dem Département Sarthe im Nordwesten Frankreichs. Bereits mit 27 Jahren zog er als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten. Unter Präsident Nicolas Sarkozy, der ihn abschätzig als „Mitarbeiter“ bezeichnete, war er fünf Jahre Regierungschef (2007-2012). Fillon hat fünf Kinder und ist Automobilsport-Fan. Seine Frau Penelope, die aus Großbritannien stammt, hatte sich lange eher im Hintergrund gehalten.

Fillon war mit einem klaren Profil in den Wahlkampf gegangen: katholisch und liberal. Er will harte Wirtschaftsreformen und setzt zugleich auf traditionelle Werte. Das kommt vor allem bei konservativen Wählern in der Provinz gut an. Doch die hohen Summen, die Penelope Fillon aus der Staatskasse erhielt und der Verdacht der Vetternwirtschaft, belasten das Image des Spar-Apostels.

Benoît Hamon

Benoît Hamon gehört zum linken Flügel der Parti Socialiste.
Foto: dpa

Benoît Hamon gehört zum linken Flügel der Parti Socialiste.

 

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister setzte sich in einer Vorwahl als Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten durch. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zurzeit als „vierter Mann“ bei der Wahl. Frankreichs Sozialisten haben mit ihm einen unauffälligen Rebellen aufs Schild gehoben. Die Zeitung „Le Monde“ schrieb über Benoît Hamon einmal: „Er ist derjenige, den man im Fernsehen sprechen sieht, ohne zwingend seinen Namen zu behalten.“

Dabei ist Hamon alles andere als ein Quereinsteiger, er kennt die Untiefen der Sozialistischen Partei genau. Er begann seine politische Karriere als Chef der Jungen Sozialisten - das Netzwerk von damals stützt ihn bis heute. Ende der 1990er Jahre arbeitete er im Kabinett von Arbeitsministerin Martine Aubry, die die 35-Stunden-Woche einführte. Später war er Europaabgeordneter.

Unter Hollande wurde der studierte Historiker 2012 zunächst beigeordneter Minister für soziale und solidarische Wirtschaft, zwei Jahre später dann Bildungsminister. Schon wenige Monate danach verließ er im Streit um die Sparpolitik die Regierung und gehörte seitdem zu den „Frondeurs“ (Aufrührern) gegen Hollande.

Mit dessen Erbe will er nun brechen. Zu seinen schlagzeilenträchtigsten Forderungen gehören ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine Steuer auf die Wertschöpfung durch Roboter, um der zunehmenden Automatisierung der Produktion zu begegnen. Außerdem vertritt er explizit „grüne“ Positionen und will seine Partei auf den ökologischen Umbau der Wirtschaft einschwören. „Der Motor meiner Kandidatur sind meine Töchter, damit ich ihnen keine unbewohnbare Erde hinterlasse“, sagte Hamon einmal. Ansonsten hielt er seine Frau und seine zwei Kinder bislang im Hintergrund.

Jean-Luc Mélenchon

Jean-Luc Mélenchon ist bekannt für seinen polemischen und teils aggressiven Diskurs.
Foto: dpa
Jean-Luc Mélenchon ist bekannt für seinen polemischen und teils aggressiven Diskurs.
 

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter könnte laut Umfragen bei der ersten Runde etwas mehr zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

2008 trat Mélenchon aus der Parti socialiste aus und gründete die Parti de Gauche. Er ist für polemische und bisweilen aggressive Diskurse bekannt, auch gegenüber Deutschland trat er schon häufiger kritisch auf: So sagte er in einem Fernsehinterview mit Ingeborg Gräßle (CDU), dass die „die Franzosen keine CDU-CSU-Regierung gewählt“ hätten. Außerdem sagte er einst, so zitiert ihn Spiegel Online, „von denen, die Lust am Leben haben, will niemand Deutscher sein“.

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