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Neuer FBI-Direktor : Wer wird Nachfolger von James Comey? Das sind fünf mögliche Kandidaten

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Polizeilegende oder alter Bekannter - shz.de nennt mögliche Kandidaten für die Comey-Nachfolge.

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erstellt am 11.Mai.2017 | 12:34 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump sucht nach einem Nachfolger für den entlassenen FBI-Chef James Comey. Was ein Kandidat an Voraussetzungen unbedingt erfüllen müsse, schilderte Trump in einem Tweet. Gesucht werde jemand, „der dem FBI dessen Prestige und dessen Geist“ zurückbringen werde.

Der Nachfolger Comeys wird das FBI die kommenden zehn Jahre leiten - so Trump will. Hoffnungen auf den Posten dürfen sich vor allem fünf Kandidaten machen.

Der Vize: Andrew McCabe

Andrew McCabe (l.) neben der ehemaligen US-Justizministerin Loretta Lynch.

Andrew McCabe (l.) neben der ehemaligen US-Justizministerin Loretta Lynch.

Foto: dpa
 

Nach der Entlassung von James Comey wurde der bisherige Vize McCabe interimsmäßig zum FBI-Chef ernannt. Doch ob der 49-Jährige dies auch bleibt? Seine Chancen dürfen aber wohl nur als mittelmäßig eingestuft werden.

McCabe, 49, trat 1996 ins FBI ein, und machte sich insbesondere durch Verdienste im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und gegen den Terrorismus einen Namen. Er war an den Ermittlungen zu Clintons E-Mails und den Russen-Verbindungen beteiligt.

Möglicherweise steht McCabe aber James Comey und den Demokraten zu nahe. Seine Frau nahm als – erfolglose – politische Kandidatin in Virginia 2015 Geld von der demokratischen Partei und vom Clinton-Freund Terry McAuliffe entgegen.

Die Polizeilegende: Raymond Kelly

Raymond Kelly ist bereits im Ruhestand.

Raymond Kelly ist bereits im Ruhestand.

Foto: dpa
 

Der irischstämmige Kelly war der bisher am längsten amtierende Polizeikommandant von New York, mittlerweile ist er im Ruhestand. Zu seiner aktiven Zeit organisierte er die Terrorabwehr in der größten US-Stadt nach den Angriffen vom 11. September. Berüchtigt wurde er für sein hartes Vorgehen gegen Kriminelle und galt als Verbündeter von Justizminister Jeff Sessions, unter anderem für seine Unterstützung des Stop-and-Frisk-Programms.

Die umstrittene New Yorker Maßnahme erlaubte es Ermittlern, Zivilisten auf der Straße willkürlich zu durchsuchen, auch vorläufige Festnahmen und Befragungen konnte es geben.

Für Kritik sorgte Kelly auch, als er Muslime geheim überwachen ließ. Ihm wurde auch eine harsche Behandlung rassischer Minderheiten vorgeworfen. Seine Chancen schmälern , könnte auch, dass sich der 75-Jährige bereits an der oberen Altersgrenze für einen FBI-Direktor befindet.

Was für ihn spricht, ist, dass er wohl der Linie von Justizminister Sessions folgen würde. Sessions war einer der konservativsten Republikaner im US-Senat und Kritiker fürchten, dass er das Justizministerium in eine Law-and-Order-Behörde umbauen wird.

Der alte Bekannte: Chris Christie

Chris Christie kandidierte für das Präsidentenamt.

Chris Christie wurde auch als Vizepräsident gehandelt.

Foto: Imago/Future Image

Christie ist Gouverneur von New Jersey. Der 54-Jährige kandidierte für das Präsidentschaftsamt. Dabei hob er immer wieder seine frühere Rolle als Bundesstaatsanwalt hervor. Weil er dieses Amt bekleidete, hat er viel Erfahrung in der Justiz und im Gesetzesvollzug.

Was Christie weniger geeignet als FBI-Direktor erscheinen lässt, ist der sogennannte „Bridgegate“-Skandal, in den er verwickelt ist. Wegen der Sperrung von Fahrspuren einer Brücke bei New York wurden mehrere enge Mitarbeiter verurteilt.

Zudem ist das Verhältnis von Christie zu Donald Trump nicht ganz einfach. Zwar unterstützte er als einer der Ersten Donald Trumps Wahlkampagne, sein erfolgloses Buhlen um einem Kabinettsposten ließ ihn allerdings als Speichellecker dastehen. Von Vorteil dürfte aber sein, dass Christie Trump schon seit Jahren kennt und sich ihm gegenüber stets loyal verhalten hat.

Das FBI als Inlandsgeheimdienst

Das FBI ist sehr viel mehr als eine Behörde mit 36.000 Mitarbeitern. Die Bundespolizei der USA ist zwar eine der stärksten Polizeikräfte der Welt, ihre Aufgaben sind aber bei weitem nicht nur polizeilich.

Als Inlandsgeheimdienst hatte das FBI immer auch eine stark politische Ausrichtung, führte Ermittlungen gegen die Bürgerrechtsbewegung und gegen Kommunisten.

Das FBI agiert dabei als Ermittler und nicht als Ankläger. Das gilt auch für die Untersuchungen gegen das Team von Donald Trump im Zusammenhang mit einer Einmischung Russlands in die US-Präsidentenwahl 2016.

John Edgar Hoover baute die Behörde auf

Aufgebaut wurde das Federal Bureau of Investigation von John Edgar Hoover, einem fanatischen Bürokraten. Hoover war von 1935 bis zu seinem Tod 1972 erster Direktor des FBI. Seine Idee war es auch, das FBI mit Werbeartikeln und einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit populär zu machen. Dunkelblaue Mützen und Jacken mit FBI-Logo gehören heute vielerorts zum Straßenbild. Der Hauptsitz des FBI in Washington, nur wenige Blöcke vom Weißen Haus entfernt, ist nach Hoover benannt.

Der Mythos FBI

Der einst sagenumwobene Ruf des FBI gründet sich vor allem auf die frühen Jahre und einen erfolgreichen Kampf gegen Kriminalität, Drogen und die Mafia. Stichworte sind die Jagd auf die Verbrecher „Baby Face“ Nelson, John Dillinger und Al Capone.

Der Mythos FBI wurde über Jahrzehnte durch Filme, TV-Serien, Comics und Groschenromane wie Jerry Cotton befördert. Bis heute halten sich um den riesigen Apparat Gerüchte. So soll das FBI so genannte X-Akten übernatürlicher Phänomene unter Verschluss halten und eine Todesstrahlenwaffe besitzen.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 legten schwere Ermittlungspannen und eine mangelnde Kommunikation des FBI mit anderen Diensten offen. Der Mythos kerniger Superagenten war zu Ende.

 

Der Hardliner: David Clarke

Der Konservative mit Cowboyhut: David Clarke.

Der Konservative mit Cowboyhut: David Clarke.

Foto: dpa

Er ist der Konservative mit Cowboyhut: David Clarke, 60 Jahre alt, Sheriff des Bezirks Milwaukee in Wisconsin. Sich selbst beschreibt er schon mal als „Kämpfer mit bloßen Fingerknöcheln“. Er kritisierte die Black-Lives-Matter-Bewegung, bezichtigte sie einer hasserfüllten Ideologie.

Sein Bezirk geriet im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen, weil in dem dortigen Untersuchungsgefängnis vier Häftlinge starben. Einer von ihnen soll verdurstet sein, weil man ihm kein Wasser gab. Sieben Gefängnismitarbeiter müssen sich deshalb vor Gericht verantworten.

Clarke hat wohl nur geringe Chancen nächster FBI-Chef zu werden. Für ihn spricht vor allem, dass er ein großer Trump-Fan ist. Der US-Präsident mag seine harte Linie gegen Verbrecher und illegal eingereiste Ausländer. Sozusagen sind Trump und Clarke Brüder im Geiste; denn der Sheriff sagt auch immer, was er denkt.

Der Clinton-Feind: Trey Growdy

Trey Growdy gilt als unbestechlich.

Trey Growdy gilt als unbestechlich.

Foto: Screenshot: Facebook-Seite Trey Growdy

Trey Gowdy leitete den Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses. Dieser sollte die Verantwortung der damaligen Außenministerin Hillary Clinton für einen Anschlag auf das US-amerikanische Konsulat in Bengasi vor fünf Jahren klären. Vier Amerikaner starben dabei.

Der 52-jährige Growdy ist Republikaner und Mitglied des Repräsentantenhauses für South Carolina. Der frühere Bundestaatsanwalt gilt als scharf denkender Analytiker und zudem als unbestechlich.

Growdy ist nicht nur ein Kritiker von Hillary Clinton, sondern auch von James Comey. Er bemängelte, dass Comey Clinton wegen ihres privaten E-Mail-Servers nicht angeklagt habe.

Vor allem wegen seines Kampfes gegen Korruption gilt Growdy als aussichtsreicher Kandidat. Jedoch könnte ihm seine Position als prominenter Kongressabgeordneter und sein Ruf als Clinton-Kritiker zum Verhängnis werden. Dadurch hat er viel Gegner unter den Demokraten, die ihm politische Neutralität absprechen würden.

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