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Tatort - „Der rote Schatten“ : Wer war die RAF - und was ist aus ihr geworden?

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Die linksextreme Rote Armee Fraktion hat sich längst aufgelöst. Ihr Terror und die Folgen jedoch sind unvergessen.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 11:10 Uhr

Mehr als zwei Jahrzehnte hat die Rote Armee Fraktion (RAF) die Bundesrepublik mit Morden, Entführungen, Geiselnahmen und Bombenanschlägen herausgefordert. Den Linksterroristen fielen von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre 34 Menschen zum Opfer - darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik.

Wie fing es an?

Die RAF wurde zunächst als Baader-Meinhof-Gruppe bekannt. Nach dem Tod des Demonstranten Benno Ohnesorg im Juni 1967 und dem Anschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 hatten sich Teile der Außerparlamentarischen Opposition radikalisiert.

Andreas Baader, Gudrun Ensslin und zwei Komplizen verübten 1968 aus Protest gegen den Vietnamkrieg in Frankfurt am Main Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. Die Journalistin Ulrike Meinhof kam während des Prozesses mit ihnen in Kontakt. 1970 wurde Baader gewaltsam aus der Haft befreit. Diese Aktion gilt als Geburtsstunde der RAF. Die Gruppe ging in den Untergrund.

Was wollte die RAF?

Die RAF sah sich als „revolutionäre Avantgarde“ des Klassenkampfes und Teil eines weltweiten Aufstands gegen Imperialismus und Kapitalismus. Ihr Name bezog sich auf die Armee der kommunistischen Sowjetunion. In ihrem „Konzept Stadtguerilla“ bekannte sie sich zum „bewaffneten Kampf“ und verglich sich mit den Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt.

Hatten die RAF-Gründer Nachfolger?

Ja. Der Terror der RAF lässt sich nach Tätern und Tatzielen in mehrere Phasen aufteilen. Die erste Generation um Baader, Ensslin und Meinhof verübte neben Banküberfällen Bombenanschläge unter anderem auf US-Militäreinrichtungen. Als sie nach dem massivem Ausbau des Fahndungsapparats 1972 hinter Gittern saßen und mit Hungerstreiks gegen die Haftbedingungen protestierten, setzten die zweite und später die dritte Generation die Terrorserie fort.

Was war die „Offensive 77“?

Hauptanliegen der zweiten RAF-Generation ab 1975 war die Befreiung der Gründungsgruppe aus der Haft. Erste spektakuläre Aktion war der Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975. In einer „Offensive 77“ verübte die RAF um Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar Mordanschläge unter anderem auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto.

Als sich der Staat auch nicht mit der Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer und einer Lufthansa-Maschine erpressen ließ, nahmen sich Baader, Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim das Leben. Ulrike Meinhof hatte sich bereits 1976 in ihrer Zelle erhängt. Schleyer wurde von seinen Entführern ermordet.

Wann endete der RAF-Terror?

In den 1980er Jahren führte die dritte RAF-Generation mit einer namentlich kaum bekannten „Kommando-Ebene“ den Terror weiter. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und zuletzt Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Die letzte RAF-Aktion war 1993 ein Sprengstoffanschlag auf den Neubau der Vollzugsanstalt Weiterstadt (Hessen). Bis heute sind viele Verbrechen der dritten RAF-Generation nicht aufgeklärt.

Was wurde aus der RAF und ihren Mitgliedern?

Etliche von ihnen wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, zwei Dutzend wurden getötet oder nahmen sich selbst das Leben. Während weltweit nach RAF-Terroristen gefahndet wurde, ermöglichte die Stasi zehn von ihnen ein bürgerliches Leben mit falschen Identitäten in der DDR. Zu den erst nach der Wende 1990 Enttarnten gehörten Susanne Albrecht, Silke Maier-Witt und Inge Viett. Fast 28 Jahre nach ihrer Gründung erklärte die RAF 1998 in einem letzten Schreiben ihre Auflösung. Nach den Ex-Mitgliedern Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg wird bis heute gefahndet - wegen Raubüberfällen.

 
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