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Konflikt mit Saudi-Arabien : Wer ist Katar? Ein kleines Land und eine große Krise

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Das Golfemirat legt sich mit den großen Nachbarn an. Es geht um Macht, Geld, Religion und Einfluss in der Region.

Riad/Doha | Das Emirat Katar an der Ostküste der arabischen Halbinsel steht derzeit im Mittelpunkt einer Krise. Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten vor vier Wochen alle Beziehungen zu dem Emirat abgebrochen und eine Blockade gegen das Land verhängt. Dem Wüstenstaat wird vorgeworfen, Terrorgruppen zu fördern. Ein Ultimatum der vier Staaten ist am Mittwoch abgelaufen.

Das Land Katar: Ein kleiner, reicher Zwerg

Katar ist eine Halbinsel im Persischen Golf und grenzt im Süden direkt an Saudi-Arabien. Vor der Küste im Nordwesten liegt das Königreich Bahrain. Katar hat eine Fläche von 11.627 Quadratkilometern. Von Süden nach Norden dehnt sich das Emirat über 180 Kilometer aus, von West nach Ost rund 80 Kilometer. Zum Vergleich: Schleswig-Holstein hat eine Größe von 15.799 Quadratkilometern. In Katar leben 2,7 Millionen Menschen (SH: 2,8 Millionen). In der Hauptstadt Doha allein leben über 500.000 Menschen.

Das Land wird als absolute Monarchie regiert. Staatsoberhaupt ist Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Das Emirat ist Stand 2016 das reichste Land der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt – kaufkraftbereinigt – 127.659 US-Dollar. Staatsreligion ist der sunnitische Islam. Die Scharia ist maßgeblich für die Gesetzgebung. Das soziale System ist fortschrittlich. Bedürftige erhalten feste monatliche Unterstützung, es gibt eine kostenlose medizinische Versorgung, die Schulbildung ist in den staatlichen Schulen kostenlos.

Der Clan der Al-Thani besiedelte das trockene und karge Land 1760. Wenig später folgte die Sippe der Al Chalifa aus der Gegend von Kuwait. Der Clan setzte sich um 1783 nach einigen Machtkämpfen um die Vorherrschaft in Katar nach Bahrain ab. Die Gründung der Al-Thani-Dynastie wird auf 1822 datiert. 1867 kam es nochmals zu Auseinandersetzungen beider Clans um die Macht in Katar. Großbritannien intervenierte und erzwang einen Frieden. 1868 wurde ein Schutzvertrag zwischen Katar und Großbritannien geschlossen. Katar wurde ein eigenständiger Staat und von Bahrain getrennt. Trotz des britischen Einflusses versuchten auch die Osmanen Ansprüche zu Erheben. Sie besetzten Teile des Landes. Der damalige Emir Qassim Al Thani wandte sich an Ibn Saud, den ersten König Saudi-Arabiens, und bat um Hilfe, die Osmanen zurückzudrängen. Das schmeckte Großbritannien nicht, das 1913 erneut intervenierte um den osmanischen Einfluss auszuschalten und gleichzeitig den Einfluss der Wahhabiten (Strömung des sunnitischen Islams) zu verhindern.

In der Folge etablierte sich durch die ersten Ölfunde eine stabile Monarchie. Dennoch gab es 1960 und 1972 zwei Staatsstreiche, bei dem nach familieninternen Auseinandersetzungen zunächst Ahmad bin Ali Al Thani seinen Vater entmachtete und er selbst später von seinem Vetter Chalifa bin Hamad Al Thani von Thron gestoßen wurde.

1971 zogen sich die Briten aus Katar zurück. Das Land erklärte sich am 3. September des Jahres für unabhängig. Das Emirat lehnte damit einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Nach dem Sturz von Chalifa ibn Hamad durch seinen Sohn Hamad ibn Chalifa im Jahr 1995 wurden demokratische Reformen im Land angestoßen. Seit 1998 ist das Hauptquartier der US-Truppen im Nahen Osten in Katar angesiedelt.

Heute ist das Land Mitglied im Golf-Kooperationsrat, der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und der OPEC. 2022 soll in Katar die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Spitzt sich die Krise zu, könnte auch die WM in Gefahr sein.

Das Land wird immer wieder dafür kritisiert, Menschenrechte zu verletzen und die Meinungsfreiheit einzuschränken.

 

Katars Kontrahenten erhielten eine Antwort des Emirats auf einen Forderungskatalog. 13 Bedingungen soll Katar zustimmen, damit die Blockade wieder aufgehoben wird. Würde das Land den Forderungen nachkommen, käme das einer Kapitulation gleich und widerspräche der auf größtmögliche Souveränität angelegten Außenpolitik, die das kleine Land seit zwei Jahrzehnten verfolgt. So soll das Emirat seine diplomatischen Beziehungen mit dem schiitischen Iran zurückfahren, die türkische Militärbasis im Land schließen und alle Verbindungen zu Terrororganisationen wie dem IS oder Al-Kaida kappen. Auch soll Katar seinen Nachrichtensender Al-Dschasira (deutsch: Die Arabische Halbinsel) schließen, der in der arabischen Welt zwar populär ist, doch Saudi-Arabien und seinen Mitstreitern ein ständiges Ärgernis ist.

Das kleine Golf-Emirat ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder von der Linie seiner Nachbarn abgewichen, nicht zuletzt in den Kriegen in Libyen und Syrien. Weil es sich ein riesiges Gasfeld im Persischen Golf mit dem Iran teilt, will es gute Beziehungen zu Teheran. Mit dem Nachrichtenkanal Al-Dschasira besitzt Katar eine einflussreiche Stimme in der Region.

In einer gemeinsamen Stellungnahme nur wenige Stunden vor einem Treffen der Außenminister von Saudi-Arabien, den VAE, Bahrain und Ägypten teilten die Staaten am Mittwoch mit, sie würden ihrerseits „rechtzeitig“ auf die Antwort aus Katar reagieren. Der Inhalt des Briefes, der über den Vermittler Kuwait übergeben wurde, ist unbekannt. Da sich Katar wiederholt ablehnend zu den weitreichenden Forderungen äußerte, wird kein Einlenken des Emirats erwartet. Bei dem Treffen in Kairo könnten neue Sanktionen gegen das Emirat beschlossen werden.

Die wichtigsten Punkte des Forderungskataloges
  • Reduzierung der Beziehungen zum schiitischen Iran, insbesondere Beendigung der militärischen oder geheimdienstlichen Zusammenarbeit und Schließung der diplomatischen Vertretungen Katars in Teheran.
  • Schließung des türkischen Militärstützpunktes in Katar und die Beendigung der militärischen Zusammenarbeit mit türkischen Soldaten in Katar.
  • Schließung des Nachrichtensenders Al-Dschasira.
  • Schließung aller direkt und indirekt von Katar geförderten Medien wie „Arabi21“, „Rassd“ und „Sharq“.
  • Verzicht auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.
  • Kappung aller Verbindungen zur Muslimbruderschaft, zur libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, zum Islamischen Staat sowie zu anderen terroristischen und „sektiererischen“ Organisationen.
  • Einbürgerungsverbot für Bürger Saudi-Arabiens, Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains, nach denen diese Länder fahnden.
  • Entzug der Staatsbürgerschaft für Doppelstaatler, deren Herkunftsland eine doppelte Staatsbürgerschaft verbietet.
 

Kampagne gegen Al-Dschasira

Das Zerwürfnis begann mit der Berichterstattung über den „Arabischen Frühling“ im Jahr 2011. Die vier Länder stört vor allem, dass Al-Dschasira auch Islamisten eine Bühne gibt. Der Sender, der seit 1996 existiert, hatte sich bei verschiedenen Ereignissen klar positioniert und sich auch auf die Seite der Aufständischen gestellt. Am 30. Januar 2011 wurde Al-Dschasira ein Arbeits- und Empfangsverbot verordnet. Hintergrund waren die Proteste in Ägypten, die zum Sturz des damaligen Präsidenten Husni Mubarak führten. Akkreditierungen von Journalisten des Senders wurden für ungültig erklärt und zahlreiche Reporter sowie der Bürochef in Kairo vorübergehend inhaftiert.

In Libyen, wo sich die Proteste gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi richteten, spielte Al-Dschasira eine entscheidende Rolle. Der sich entwickelnde Bürgerkrieg führte zum Sturz Gaddafis. Am 22. Februar wurde die Ausstrahlung des Senders durch Störsignale blockiert. Laut Al-Dschasira war der libysche Geheimdienst dafür verantwortlich. Auch im Bahrain berichtete der Sender als einziges ausländisches Medium über die Proteste. Das kleine Königreich wird von sunnitischen Herrschern regiert, die Mehrheit der Einwohner sind jedoch Schiiten. Bahrain ließ die Proteste von Schiiten mit Schützenhilfe aus Saudi-Arabien niederschlagen.

2013 wurde Al-Dschasira im Irak die Lizenz entzogen. Die Begründung: Der Sender schüre Gewalt, abtrünniges Verhalten und Sektierertum.    

Ende Mai 2017 sperrten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate die Webseite von Al-Dschasira. Das Büro des Senders in Saudi-Arabien wurde geschlossen und die Lizenz entzogen. Dem schloss sich die Regierung in Jordanien an. Am 9. Juni wurde Al-Dschasira dann Ziel eines massiven Hackerangriffs.

Katar: Finanzier von Terrorgruppen?

Die Vorwürfe der Terrorfinanzierung gibt es schon lange. In Katar soll nicht nur die islamistische Hamas eine diplomatische Vertretung haben, sondern auch die Taliban. Das Land ist finanzieller Unterstützer des Gazastreifens und der palästinensisch-islamistischen Hamas. Außerdem soll das Land Rebellen in Syrien und Libyen sowie extremistische salafistische Gruppierungen in weiteren Staaten unterstützt haben. Darunter sind laut Experten Al-Qaida, die syrisch-oppositionelle Al-Nusra-Front und der IS. Im islamistischen Norden Malis soll Katar ebenfalls aktiv sein. 2014 zogen Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Botschafter ab, nachdem bekannt wurde, dass Katar die sunnitisch-islamistische Muslimbruderschaft unterstützt. Sie wird in westlichen Ländern als radikal eingestuft und ist in Ägypten seit 2013 als Terrororganisation verboten.

Nach einem Besuch von Donald Trump im Mai 2017 in Saudi-Arabien eskalierte die Situation. Der US-Präsident warf dem Emirat Katar vor, Terrorismus auf „sehr hohem Niveau“ zu finanzieren. Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und später auch Jemen, Libyen, die Malediven und Mauritius brachen daraufhin am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar ab und schlossen die Grenzen zu Land, aus der Luft und auf See. Diplomaten wurden angewiesen, innerhalb von 48 Stunden auszureisen, Bürger Katars bekamen zwei Wochen Zeit.

Der Iran unterstützt Katar seit Beginn der Blockade und versorgt das Land mit Lebensmitteln. Außerdem stellte Iran seinen Luftraum für Qatar Airways für Flüge nach Europa und Afrika zur Verfügung. Auch die türkische Regierung stellt sich hinter Katar.

Dass allein Katar vorgeworfen wird, Terror zu finanzieren, gilt als Vorwand, das aufmüpfige Emirat zum Schweigen zu bringen. Saudi-Arabien selbst finanziert Terrorismus durch den Export ihres puristischen-traditionalistischen Islams – den Wahhabismus. Mit Schulen, Moscheen und Hasspredigern versucht das Königreich den Einfluss zu vergrößern und fördert wahhabistische und andere dogmatische sunnitische Organisationen in aller Welt. Der Wahhabismus erklärt Anhänger anderer Auslegungen des Islams, ja anderer Religionen, zu „Ungläubigen“. Die freie Religionsausübung ist verboten, es gibt öffentliche Scharia-Strafen wie etwa Hinrichtungen oder Auspeitschungen. Eine Reihe an Regeln ist diskriminierend gegenüber Frauen, die beispielsweise nur eingeschränkt Autofahren dürfen und sich in der Öffentlichkeit nicht mit fremden Männern zeigen dürfen. Saudi-Arabien kämpft somit mit finanziellen Mitteln gegen Andersgläubige. Indirekt dürfte das Königreich für die Entstehung extremistischer Strömungen wie dem Islamischen Staat oder Al-Qaida mitverantwortlich sein.

Droht ein militärischer Konflikt?

Das lässt sich nicht sagen. Der katarische Außenminister erklärte, man sei bereit, das Land militärisch zu verteidigen. Katars Millitär verfügt aber lediglich über 11.800 Soldaten, die sich in Heer, Luftwaffe und Marine aufteilen. Das Heer mit 8500 Soldaten verfügt über Leopard-II-Panzer aus Deutschland und französische Panzer vom Typ AMX-30. Außerdem hat es Schützenpanzer, Spähfahrzeuge, Transporter und Artillerie. Die Marine verfügt über Schnellboote und Wachboote. Die Luftwaffe ist mit einigen Dassault Mirage 2000 Kampfflugzeugen aus Frankreich sowie Transportflugzeugen und Mehrzweckhubschraubern ausgestattet.

Demgegenüber steht allein in Saudi-Arabien eine 230.000 Mann starke Armee. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über Streitkräfte, die rund 50.000 Soldaten umfassen. Droht eine militärische Auseinandersetzung, könnten auch die Türkei und der Iran einschreiten. Beide Länder verfügen über ein modernes Arsenal und eine mannstarke Armee. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte die Islolation Katars. Eine Eilentscheidung des türkischen Parlaments ermöglicht es Erdogan, innerhalb kurzer Zeit rund 3000 Soldaten und Kampfflugzeuge in Katar zu stationieren.  

Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien und der schiitische Iran sind Erzrivalen in der Region. So kämpfen die Regionalmächte unter anderem in den Bürgerkriegsländern Syrien und Jemen und seit kurzem auch im reichen Emirat Katar um Einfluss. Unter König Salman ist Riads Außenpolitik deutlich aggressiver geworden. Daran dürfte sich auch mit seinem Sohn und Nachfolger Mohammed bin Salman (31) nichts ändern. Abgesehen davon: Saudi-Arabien schmecken die guten Beziehungen Katars mit dem Iran nicht.

Und die USA? Die haben zwar einen Stützpunkt in Katar, doch hat sich Trump nicht zuletzt aufgrund des milliardenschweren Waffendeals und Investitionen in den Vereinigten Staaten offen zu Saudi-Arabien bekannt. Eine Rolle im Konflikt spielt auch das Verhältnis zwischen den Amerikanern und dem Iran. Zuletzt gab es neue Sanktionen. Die USA werfen dem Iran Verstöße gegen das Atomabkommen vor. Im Juni dann schossen US-Streitkräfte in Syrien eine iranische Kampfdrohne ab. Der Iran hingegen gab den USA und Saudi-Arabien kürzlich die Mitverantwortung für den Doppelanschlag in Teheran mit zwölf Toten.

In der Katar-Krise hat das mehrheitlich sunnitische Emirat Kuwait mit starker schiitischer Minderheit die Rolle des Vermittlers übernommen. Die konstitutionelle Erbmonarchie konnte schon einmal vor drei Jahren einen Konflikt zwischen den Golfstaaten schlichten. Damals hatten Saudi-Arabien, Bahrain und die VAE ihre Botschafter aus Katar abgezogen.

Katar: äußere Souveränität und innere Stabilität
  • Außenpolitisches Ziel ist die äußere Souveränität und innere Stabilität des Landes.
  • Der Konflikt im Jemen wird als essentielle Bedrohung der Sicherheit am Golf wahrgenommen.
  • Katar unterhält traditionell solide Beziehungen zum Iran. Die Regierung begrüßte den Nukleardeal mit dem Iran.
  • Über eine kleine Inselgruppe im Golf von Bahrain, den Rawar-Inseln, bestehen mit dem Nachbarn Bahrain seit Jahren Grenzstreitigkeiten. Saudi-Arabien versuchte diese zu schlichten.
Saudi-Arabien: Bruch mit dem Iran und gegen das syrische Regime
  • Saudi-Arabien führt eine arabische Koalition an, die den jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi im Kampf gegen die Huthi-Rebellen und die mit diesen verbündeten Truppen des ehemaligen Präsidenten Saleh militärisch unterstützt. In diesem Rahmen fliegt Saudi-Arabien seit März 2015 Luftangriffe im Jemen.
  • Anfang Januar 2016 hat Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen, nachdem es dort zu anti-saudischen Protesten mit Übergriffen auf saudische Auslandsvertretungengekommen war. Dies war eine Reaktion auf die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien. Auch die Handelsbeziehungen und der direkte Flugverkehr zwischen Saudi-Arabien und dem Iran wurden eingestellt.
  • Im Syrienkrieg hat sich Saudi-Arabien seit August 2011 klar gegen das syrische Regime positioniert. Es fordert einen Amtsverzicht von Präsident Bashar al-Assad und unterstützt die syrische Opposition.
  • Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Irak haben sich seit Amtsantritt des irakischen Ministerpräsidenten al-Abadi verbessert. Saudi-Arabien hatte im Dezember 2015 seine Botschaft in Bagdad wieder eröffnet und dem Land beim Wiederaufbau geholfen.
Jemen: belastet durch innere schwere Konflikte
  • Sowohl die politische als auch die Sicherheitslage ist im ganzen Land ausgesprochen schwankend. Die Gewährleistung der Sicherheit durch staatliche Behörden ist nicht sichergestellt.
  • Seit 2013 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen, Anhänger von Ex-Präsident Ali Abdullah Salih, Al-Qaida-Ableger der AQAP, mit der Armee der Zentralregierung unterstützt von den Separatisten des Südjemen um die Macht.
  • Jemen beschuldigt den Iran, den Aufstand der jemenitischen Schiiten im eigenen Interesse zu unterstützen.
  • Im März 2015 startet Saudi-Arabien mit Luftangriffen im Jemen. An der saudi-arabisch angeführten und von den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich und Großbritannien logistisch unterstützten Militärintervention nahmen unter anderem die Streitkräfte Ägyptens, Bahrains, Katars, Kuwaits, Jordaniens, Marokkos, Sudans und der Vereinigten Arabischen Emirate aktiv teil.
Vereinigte Arabische Emirate: Unterstützer Ägyptens
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfolgen auf Ausgleich bedachte Außenpolitik, in der gute Beziehungen zu den Ländern Asiens einschließlich Zentralasiens, die Solidarität mit der arabischen und islamischen Welt und aktuell die Eindämmung des politischen Islams und islamistischen Extremismus und Terrorismus im Vordergrund stehen.
  • Der Regional- und Nuklearpolitik des Irans begegnet die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate mit Argwohn. Es plegt jedoch – trotz eines Territorialstreites um drei Inseln – enge Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere von Dubai aus. Dabei setzt die VAE-Regierung die Sanktionen der Vereinten Nationen gegenüber dem Iran um, was den bilateralen Handel, insbesondere aber Finanztransaktionen im Emirat Dubai beeinträchtigt.
  • Die VAE unterstützen Ägypten politisch und finanziell sehr stark.
  • Sie pflegen traditionelle arabische und islamische Solidarität, auch durch beträchtliche Entwicklungshilfe und humanitäre Maßnahmen, zuletzt durch massive humanitäre Hilfe am Horn von Afrika und insbesondere in Somalia sowie Pakistan.
Bahrain: enger Partner Saudi-Arabiens
  • Das Land ist der kleinste Mitgliedstaat im Golfkooperationsrat (GKR). Die Beziehungen zu den arabischen Ländern genießen Priorität in seiner Außenpolitik. In allen wichtigen außenpolitischen Fragen stimmt Bahrain sich mit seinen Nachbarstaaten, insbesondere mit Saudi-Arabien, ab.
  • Bahrain nimmt an der von Saudi-Arabien geführten Operation gegen die Al-Huthi-Milizen im Jemen teil.
  • Der Staat beobachtet die Lage in arabischen Staaten mit schiitischem Bevölkerungsanteil, insbesondere Irak, Syrien, Libanon und Jemen, mit großer Aufmerksamkeit.
  • Die Regierung Bahrains ist misstrauisch gegenüber dem Iran. Der Grund dafür ist das Streben der iranischen Regierung nach einer regionalen Vorherrschaft. In Soldarität mit Saudi-Arabien brach Bahrain Anfang Januar seine diplomatischen Beziehungen mit dem Iran ab. In der Vergangenheit hatten iranische Politiker zudem mehrfach die Unabhängigkeit Bahrains in Frage gestellt.
Ägypten: wirtschaftlich und finanziell an die Golfstaaten gebunden
  • Seit dem historischen Friedensschluss mit Israel in Camp David im Jahre 1979 wird die ägyptische Außenpolitik von zwei Hauptfaktoren bestimmt: Zum einen die Einbettung in die arabisch-islamische Welt, zum anderen eine strategische Partnerschaft mit den USA.
  • Die instabile regionale Lage betrachtet die ägyptische Regierung mit großer Sorge, das gilt insbesondere für die Entwicklungen im Nachbarland Libyen. Vor diesem Hintergrund sieht die Regierung den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus als Herausforderung, die nicht nur den Irak und Syrien, sondern die ganze Region bedroht.
  • Die Golfstaaten sind aufgrund finanzieller und wirtschaftlicher Beziehungen zudem wichtige Partner.
  • Die Beziehungen zu Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind seit der Absetzung der Regierung Mursi wieder stärker. Beide Länder unterstützten Ägypten finanziell.
  • Mit Saudi-Arabien haben sich allerdings 2016 auch Meinungsverschiedenheiten entwickelt.
  • Die Beziehungen zum Golfstaat Katar und zur Türkei sind seit geraumer Zeit von Konflikten belastet. Katar hat beispielsweise die ägyptischen Muslimbrüder unterstützt, während die ägyptische Regierung gegen sie vorging.
  • Die israelische Politik gegenüber den Palästinensern, insbesondere die Siedlungspolitik, wird von der ägyptischen Regierung verurteilt.
 

Der Petrodollar als Krisengrund?

Katar ist weltgrößter Erdgasexporteur und sitzt auf großen Ölvorkommen. Ein Stopp der Lieferungen hätte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft. In Katar findet sich zudem das bedeutendste LNG-Flüssiggasterminal. Von hier aus fahren die Tanker durch die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman. 40 Prozent des Weltölverbrauchs werden hier über iranisches Hoheitsgebiet transportiert. Die zarte Bande zwischen Teheran und Doha wird daher kritisch beäugt. Für die USA spielt hierbei der Petrodollar eine große Rolle. Denn Mitte der 70er Jahre handelten die USA und Saudi-Arabien aus, den Handel mit Erdöl hauptsächlich in US-Dollar abzurechnen. Das für diesen Rohöl-Handel verwendete Geld wird als Petrodollar bezeichnet. Riad bekam nach Ergebnissen mehrerer Studien im Gegenzug militärische Unterstützung. Offizielle Nachweise darüber existieren nicht. Die Währung bekam somit internationale Akzeptanz, obwohl Ölgeschäfte bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Dollar abgerechnet wurden. Saudi-Arabien als Regionalmacht Nummer 1 und die USA scheinen nun verhindern zu wollen, dass Katar seinen Handel künftig nicht mehr in Dollar tätigt.

Die Angst kommt nicht von ungefähr. Katars Partner Iran hat bereits 2003 damit begonnen, mit seinen europäischen und asiatischen Partnern in Euro zu handeln. Verbesserte Beziehungen und Zusammenarbeit könnten Katar dazu bewegen, aus dem Petrodollar auszusteigen. Auch China hat Interesse daran, die eigene Währung Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung zu machen. Helfen könnte dabei Katar. Denn der Handel zwischen beiden Ländern hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – allein in den letzten beiden Jahren gab es Transaktionen in Yuan im Wert von 86 Milliarden US-Dollar. Dass der Handel mit Gas und Öl in Yuan abgewickelt wird, scheint in Zukunft denkbar. Dies wäre ein schwerer Schlag für die globale Dominanz des Dollar, berichten die Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Eine Abkehr Katars vom Petrodollar hätte unvorhersehbare Auswirkungen. Sie könnte eine Kettenreaktion in weiteren Staaten auslösen. Wenn die weltweite Rolle des Dollar weiter schwächelt, geht den USA nicht nur der politische Einfluss im Ausland verloren. Vielmehr bedroht ein Wegfall des Petrodollar-Systems die Weltwährung US-Dollar – problematisch bei einem Schuldenberg von über 20 Billionen Dollar. Am Ende dürfte die US-Regierung schnell zahlungsunfähig werden, wenn Dollarrückflüsse und Devisen fehlen – existenzbedrohend nicht nur für die Wirtschaft, sondern eine ganze Nation.

(mit dpa)

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erstellt am 05.Jul.2017 | 20:32 Uhr

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