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Wer betrügt, fliegt noch lange nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die CSU und ihr Umgang mit Affären

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 12:08 Uhr

Im Freistaat Bayern gehen die Uhren anders. Ein Franz-Josef Strauß wurde trotz wüster Eskapaden zum Volkshelden, Horst Seehofer stieg trotz privaten Doppellebens zum Heilsbringer auf, Bayerns früherer Wirtschaftsminister Otto Wiesheu erlebte seine Rehabilitation gar nach Trunkenheit am Steuer mit Todesfolge und auch Karl-Theodor zu Guttenberg wird bis heute an der Isar milder beurteilt als nördlich des Main.

Mit dem Schlagwort „Wer betrügt, der fliegt“ hatte die CSU zwar gegenüber „Sozialtouristen“ einen hohen moralischen Maßstab gesetzt. Ob Promotionstourist Andreas Scheuer aber befürchten muss, dass dieser Spruch für ihn zum Bumerang wird, hängt von der Gnade des Regenten in der Münchner Staatskanzlei ab – von Horst Seehofer. Als „Praktikanten“ hatte Seehofer Andreas Scheuer verspottet, kurz bevor er ihn zum Generalsekretär machte. Ein Parteichef, der dem eigenen Finanzminister „Charakterschwäche“ bescheinigt, um ihn dann doch wieder zu ernennen, der Ilse Aigner als Kronprinzessin nach Bayern holt, um sie dort öffentlich zu demütigen, verfügt über genügend Selbstherrlichkeit, die dreiste Anmaßung seines Generalsekretärs zu dulden oder zu bestrafen. Wie weit es sich bei Scheuers Doktorarbeit um ein Plagiat à la Guttenberg handelt, muss sich noch erweisen. Aber schon jetzt steht fest, dass es um schwarzen Filz geht. Scheuers Prager Doktorvater Rudolf Kucera ist den Sudetendeutschen verbunden – dem „vierten Volksstamm Bayerns“, wie Seehofer sagt. Im Vorwort zu Scheuers Aufsatz empfiehlt Kucera die CSU als Vorbild für das tschechische Parteiensystem. Bei so viel Sympathie verzichtete der Professor gern auf die an der Prager Uni übliche Prüfung in tschechischer Sprache. Da die Passauer Staatsanwaltschaft deswegen schon gegen Scheuer ermittelte, musste Seehofer informiert sein. Aber nach Jahrzehnten der Regierungsherrschaft mangelt es der CSU an politischer Kultur. Das ist die Schattenseite ihrer unbestrittenen Verdienste um das wirtschaftsstärkste Bundesland.

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