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Britta Ernst, Olaf Scholz & Co. : Wenn Politiker mit Politikern anbandeln

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Wirkliche und selbsternannte Familienexperten sind sich sicher: Man trenne strikt Berufliches und Privates. Doch immer wieder setzen sich Paare darüber hinweg – auch im Spannungsfeld Politik.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 16:27 Uhr

Britta Ernst & Olaf Scholz: Die Vernetzten

Foto: dpa

Sie: Britta Ernst war von 1997 bis 2011 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit dem 16. September 2014 ist sie als Nachfolgerin von Waltraud Wende Ministerin für Schule und berufliche Bildung in Schleswig-Holstein. In Hamburgs Stadtparlament hatte sich Ernst als bildungspolitische Sprecherin einen Namen gemacht. 2008 hatte der  SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann die diplomierte Volkswirtin und Sozialökonomin in seinen Schattensenat berufen. Das Rennen machte  die CDU mit Ole von Beust. Im Jahr darauf holte Schleswig-Holsteins  SPD-Chef und Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Ralf Stegner, Ernst in sein Schattenkabinett. Doch Stegner verlor die Wahl, Britta Ernst ging ein weiteres Mal leer aus.

Als ihr Ehemann Olaf Scholz zum Ersten Bürgermeister gewählt wurde, schied sie zum 31. August 2011 aus der Bürgerschaft aus und ging als Fraktionsgeschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion nach Berlin.

Er: Olaf Scholz ist seit 2011 Erster Bürgermeister von Hamburg. Von 2007 bis 2009 war er  Bundesminister für Arbeit und Soziales. Zudem steht Scholz seit 2009 als Landesvorsitzender der SPD Hamburg vor und ist einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Sein Bruder Jens Scholz  ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Prognose: Powerpaar mit gemeinsamer (politischer) Zukunft.
 


Susanne Gaschke & Hans-Peter Bartels: Die Querköpfe

Foto: dpa

Sie: Susanne Gaschke arbeitete als Journalistin für „Die Zeit“, bevor sie 2012 zur Oberbürgermeisterin von Kiel gewählt wurde. Am 28. Oktober 2013 erklärte sie wegen der Kontroverse um einen Steuerfall ihren Rücktritt. Im Oktober 2013 leitete die Staatsanwaltschaft Kiel Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue ein, die aber im Mai 2014 aufgrund eines nicht hinreichenden Tatverdachts wieder eingestellt wurden. Bereits während des Studiums war Gaschke politisch aktiv, ist seit 1988 ist Mitglied der SPD.

Letzte Woche veröffentlichte die Publizistin das Buch „Volles Risiko“, in dem die Kontroverse um einen Steuerfall und der anschließende Rücktritt als Oberbürgermeisterin der Stadt Kiel aufgearbeitet werden.               

Er:  Hans-Peter Bartels ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages, stets als direkt gewählter Abgeordneter des Bundestagswahlkreises Kiel. Bartels ist Mitglied im Verteidigungsausschuss und seit diesem Jahr dessen einflussreicher Vorsitzender. Stellt sich in der   Frage zu Waffenlieferungen in den  Irak gegen SPD-Landeschef Ralf Stegner. Zudem zählt Bartels zu den Mitbegründern des Netzwerks Berlin, eines Zusammenschlusses von SPD-Bundestagsabgeordneten, außerdem war  er stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos in Schleswig-Holstein, von 1991 bis 1997 Vorsitzender des SPD-Kreisausschusses Kiel und von 1995 bis 1997 Vorsitzender des SPD-Landesausschusses Schleswig-Holstein. Bartels ist Mitglied der SPD-Grundwertekommission.

Prognose: Politisch bleibt er Einzelkämpfer.

 

Ute Erdsiek-Rave & Klaus Rave: Die (Un-)Ruhestifter

Foto: dpa

Sie: Ute Erdsiek-Rave war von 1998 bis Juli 2009 Bildungsministerin und von 2005 bis Juli 2009  Stellvertreterin des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein. 1987 zog die SPD-Politikerin in den Landtag ein. Von 1992 bis 1996 war sie Präsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein. Am 28. Oktober 1998 wurde sie als Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur in die von Ministerpräsidentin Heide Simonis geführte Landesregierung berufen. Vom 27. April 2005 bis zum 20. Juli 2009 gehörte sie dem von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) geführten Kabinett der Großen Koalition als Ministerin für Bildung und Frauen sowie als Stellvertreterin des Ministerpräsidenten an. Nach dem Bruch der Großen Koalition am 20. Juli 2009  zog sie sich  aus der aktiven Politik zurück. Heute ist sie unter anderem  Vorsitzende des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission.

Er: Klaus Rave ging 2011 nach über 15 Jahren als Vorstand der Investitionsbank Schleswig-Holstein in den Ruhestand. Zuvor war er von 1981 bis 1988 Landesgeschäftsführer der SPD, anschließend von 1988 bis 1995 Abteilungsleiter Energiewirtschaft im Ministerium für Finanzen und Energie des Landes. Nach seinem Ausscheiden bei der Investitionsbank bekleidete er das Amt des Vorsitzenden des Global Wind Energy Council (GWEC) bekleiden.

Prognose: Das einst bestverdienendste Nord-Politikerpaar beschränkt sich im Ruhestand aufs Ehrenamt.

 

Kristina & Ole Schröder: Die Verschiedenen

Sie:  Kristina Schröder war vom 30. November 2009 bis Mitte Dezember 2013 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die CDU-Politikerin galt bei ihrer Berufung als die Überraschung im Kabinett Merkel, ihr Überflieger-Bonus verblasste allerdings rasch. Im Januar 2010 wurden Vorwürfe gegen Schröder laut, sie habe Teile ihrer Dissertation durch Hilfskräfte anfertigen lassen. Eine Kommission der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stellte allerdings fest, dass gegen Schröder "kein Verdacht eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens" besteht. Am Abend der Bundestagswahl 2013 teilte Kristina Schröder mit, dass sie künftig nur noch Bundestagsabgeordnete für ihren Wiesbadener Wahlkreis tätig sein wird, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Schröder ist Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.

Er: Ole Schröder ist seit 2009 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Inneren. 2002 zog er über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag. Sowohl 2005 als auch 2009 schaffte er dies als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Pinneberg. Als Innenstaatssekretär er- und überlebte Schröder mehrere Minister des zweiten und dritten Kabinetts Merkel. Zunächst Thomas de Maiziere, dann Hans-Peter Friedrich und jetzt wieder Thomas de Maiziere.

Prognose: Eine gemeinsame (politische) Zukunft eher in der zweiten Reihe mit ihm als beständigen Pool.

 

Doris Schröder-Köpf & Gerhard Schröder: Das Basta-Paar

Foto: dpa

Sie: Doris Schröder-Köpf ist Journalistin, Buchautorin und seit 2013 Abgeordnete des niedersächsischen Landtages. Anfang 2012 kündigte sie an, als Direktkandidatin für die SPD im niedersächsischen Landtagswahlkreis Hannover-Döhren für die Landtagswahl 2013 anzutreten. Bei einer Wahlkreiskonferenz am 21. März 2012 vereinigte sie in einer Kampfabstimmung 25 von 40 Stimmen auf sich und sicherte sich damit die Kandidatur. Schröder-Köpf zog  über die Landesliste in den Landtag ein. Zum 16. April 2013 berief die niedersächsische Landesregierung Schröder-Köpf zur niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe.

Er: Gerhard Fritz Kurt Schröder war von 1990 bis 1998 Ministerpräsident von Niedersachsen und von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von 1999 bis 2004 führte er als Bundesvorsitzender die SPD. Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als Rechtsanwalt sowie in verschiedenen Positionen in der Wirtschaft tätig, unter anderem als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nord Stream AG (Ostsee-Pipeline) und als Lobbyist. Sein Gehalt als Vorsitzender des Aktionärsauschusses bei Nord Stream soll laut Manager Magazin 250 000 Euro betragen.

Prognose: Der ehemalige „Genosse der Bosse“ und „Basta-Kanzler“ zieht weiterhin im Hintergrund die Fäden und sie baut eine Hausmacht in Niedersachsen auf – das Paar spielt weiter in der ersten (Politik-)Liga.

 

Michelle & Frank Müntefering: Die Zurückgezogenen

Sie:  Michelle Müntefering ist Mitglied des Parteivorstandes in Nordrhein-Westfalen und gewann bei der Bundestagswahl 2013 das Direktmandat für den Bundestagswahlkreis Bochum/Herne II. 2002 wurde sie in Herne mit 22 Jahren zur stellvertretenden Parteivorsitzenden des SPD-Unterbezirks Herne und 2004 als jüngstes Mitglied in den Landesvorstand der SPD Nordrhein-Westfalen gewählt.

Er: Franz Müntefering war von 1998 bis 1999 war er Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, von 2002 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und ab März 2004 – zunächst bis November 2005 und noch einmal von Oktober 2008 bis November 2009 – auch ihr Bundesvorsitzender. Im Oktober 2005 schlug Müntefering Kajo Wasserhövel als künftigen Generalsekretär vor. Als sich jedoch am 31. Oktober 2005 innerhalb des Parteivorstandes in einer Kampfabstimmung die zum linken Flügel zählende Andrea Nahles durchsetzte, zog Müntefering zurück. Auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe am 15. November 2005 wurde Matthias Platzeck zu seinem Nachfolger gewählt. Von 2005 bis 2007 war Müntefering Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales im ersten Kabinett von Angela Merkel. Franz Müntefering ist seit 27. April 2013 ehrenamtlich Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland.

Prognose: Der Gentlemen-Genosse bleibt moralische Instanz der SPD und die Kinderpflegerin spielt auf regionaler Ebene. 

 

Sahra Wagenknecht & Oskar Lafontaine: Die Revoluzzer

Bereits vor Weihnachten 2014 gaben sich Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht das Ja-Wort.
Bereits vor Weihnachten 2014 gaben sich Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht das Ja-Wort. Foto: dpa

Sie: Sahra Wagenknecht ist seit 2011 eine von zwei ersten Stellvertreterinnen des Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Linklen. Ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Plattform ruht seit Februar 2010. Im Januar 2012 wurde bekannt, dass Sahra Wagenknecht als eine von 27 Bundestagsabgeordneten der Linken unter Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz steht.

Er: Oskar Lafontaine ist die noch immer nicht verheilte Wunde der SPD. Von 1985 bis zum 9. November 1998 war er – noch als SPD-Mitglied – Ministerpräsident des Saarlandes. Er war 1990 Kanzlerkandidat der SPD und von 1995 bis 1999 SPD-Vorsitzender. Im Kabinett von Gerhard Schröder übernahm er das Bundesministerium der Finanzen. Im März 1999 legte er überraschend alle politischen Ämter nieder und trat fortan als Kritiker des rot-grünen Regierungskurses auf. 2005 wechselte Lafontaine von der SPD zur neu gegründeten Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG). Diese ging durch seine Initiative im Juni 2005 ein Wahlbündnis mit der PDS ein, die sich dafür in Die Linkspartei.PDS umbenannte. Vom 16. Juni 2007 bis zum 15. Mai 2010 war er neben Lothar Bisky Parteivorsitzender der neugebildeten Partei Die Linke. Sein Rückzug von diesem  Ämtern erfolgte aufgrund einer am 17. November 2009 bekannt gewordenen Krebserkrankung. Seit September 2009 führt er die Fraktion der Linken im saarländischen Landtag.

Prognose: Die beiden sind Relikte einer vergangenen Zeit.


In einer früheren Version dieses Artikels fehlte der Hinweis, dass sich die Vorwürfe gegen Kristina Schröder hinsichtlich ihrer Dissertation als unzutreffend herausgestellt haben.

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