Kritik an „Shithole Countries“-Aussage : Wenn Donald Trump in Davos spricht, ist stiller Protest geplant

US-Präsident Donald Trump ist auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos.
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US-Präsident Donald Trump ist auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Xinhua

Viele Davos-Teilnehmer aus afrikanischen Ländern planen, während der Rede des US-Präsidenten den Saal zu verlassen.

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25. Januar 2018, 10:34 Uhr

Davos | Eine wachsende Anzahl an Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums in Davos plant einem Bericht des Onlinemagazins „Quartz“ offenbar, bei der Rede von US-Präsident Donald Trump an diesem Freitag den Saal zu verlassen. Demnach hätten mehrere Konferenzteilnehmer mitgeteilt, gegen seine Aussagen zu afrikanischen Ländern – er nannte sie kürzlich in einem Meeting über Immigration „shithole countries“ – zu protestieren.

Der Boykott der geplanten Trump-Rede wurde zuerst von Bonang Mohale in einem Offenen Brief angekündigt. Darin schreibt der Chef der „Leadership South Africa“, man wisse um die großen Probleme des Kontinents, wie hohe Arbeitslosigkeit, unzureichende Gesundheitsversorgung und schlechte Bildungssysteme. Dennoch sei Afrika ein dynamischer, wundervoller Kontinent, der von stolzen Menschen bewohnt wird, die den täglichen Herausforderungen mit Würde, Courage, Kreativität und Einfallsreichtum entgegentreten würden. Man müsse nur Länder wie Kenia, Ghana oder Südafrika besuchen um zu sehen, wie sich mehr und mehr afrikanische Länder demokratisieren und wirtschaftlich aufsteigen.

Bonang Mohale hat einen emotionalen Brief an den US-Präsidenten verfasst.
Foto: Imago/Gallo Images
Bonang Mohale hat einen emotionalen Brief an den US-Präsidenten verfasst.
 

Die USA seien ein unschätzbarer Alliierter bei den Anstrengungen für einen weitreichenden Wiederaufbau. Viele Afrikaner hingegen seien im Gegenzug unerschütterliche Verbündete der USA, um gemeinsame Bedrohungen zu bekämpfen und Chancen zu ergreifen. Auf einen Schlag habe Trump nun einen Schatten über diese Symbiose geworfen, in dem er 1,2 Milliarden Afrikaner herabwürdigt, für die dieser Kontinent ein Zuhause sei. Und nicht nur auf Afrikaner, sondern Millionen Amerikaner mit afrikanischen Vorfahren.

Mohale wirft in seinem Brief Trump vor, ein exklusives und weniger vielfältiges Amerika zu konstruieren, in dem er die Brücke für alle nicht-Weißen einreißt. Er hoffe, das möglichst viele dem Protest beiwohnen, um gegen die polarisierenden Aussagen und das Versäumnis eindeutiger Entschuldigungen Trumps ein Zeichen zu setzen. Mohale hoffe ebenfalls eine Debatte anstoßen zu können, in der sich zu einer Welt bekannt wird, in der die Basisprinzipien Humanität, Inklusion, Respekt, Toleranz und Nachsicht gelten – sozusagen eine Alternative zu dem zu schaffen, was Trumps Kosmos beherrscht: Mauern, Verunglimpfungen und Hass.

Einige afrikanische Firmenchefs fordern lediglich eine Entschuldigung Trumps, der ihrer Meinung nach etwas Unangemessenes gesagt hat. Luvuyo Rani, Chef eines Internetunternehmens aus Südafrika befürchtet, der US-Präsident realisiere nicht, welchen Schaden er angerichtet habe. Allerdings: „Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte“, sagt Rani. Die gehe nicht über Nacht kaputt.

Einige Davos-Teilnehmer spekulieren bereits, dass der Effekt, während Trumps Rede aufzustehen und zu gehen, kraftvoller sein könnte, als gleich der ganzen Rede fernzubleiben. Einen ähnlichen Fall gab es bereits bei der Graduationsfeier der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana im vergangenen Jahr, als dutzende Studenten und deren Familien während einer Rede von Vizepräsident Mike Pence aufstanden und in stillem Protest gingen. Damals hatte Pence gerade über Redefreiheit gesprochen.

Nach Angaben des Weißen Hauses trifft sich Donald Trump an diesem Freitag mit Ruandas Präsident Paul Kagame, der ebenfalls Vorsitzender der Afrikanischen Union ist, um die Beziehungen zwischen den USA und Afrika zu bekräftigen und gemeinsame Prioritäten festzulegen. 

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