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Wenn der Verbündete tötet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

US-General stirbt bei Anschlag / Deutscher General überlebt verletzt

Es ist gerade einmal zwei Wochen her, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erstmals die afghanische Armee in Masar-i-Scharif besuchte. Nach der Ankunft mit bewaffneten Transporthubschraubern im Camp Schahin wurde ihre Delegation in schwer gepanzerten Fahrzeugen transportiert. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unter Verbündeten stellt man sich anders vor.

Wie notwendig das Misstrauen aber ist, zeigte sich gestern in Kabul: Ein Mann in einer Uniform der afghanischen Nationalarmee eröffnete in einer Militärakademie das Feuer und tötete mindestens einen Soldaten der internationalen Afghanistantruppe Isaf. Nach Informationen der „New York Times“ soll es sich um einen US-Generalmajor handeln. Einen so hochrangigen Verlust hatten Isaf und US-Armee im Afghanistankrieg noch nie zu beklagen. Ein deutscher Brigadegeneral und 14 weitere Isaf-Soldaten wurden verletzt.

Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Der Fall wirft aber ein Schlaglicht darauf, dass Afghanistan nicht nur außerhalb der Camp-Mauern gefährlich für die internationalen Truppen ist. Er zeigt zugleich, dass die Arbeit der Soldaten nach dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes zum Jahresende riskant bleibt. Ab 2015 sollen deutsche und andere ausländische Soldaten vor allem afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und beraten – mit denen sie dann vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen. Dieses Vertrauen ist in den vergangenen Jahren durch Angriffe afghanischer Soldaten oder Polizisten auf Isaf-Verbündete immer wieder schwer belastet worden. Die US-Webseite „Long War Journal“, die sich mit islamischen Extremisten und dem Kampf gegen den Terrorismus befasst, verzeichnet 88 solcher Angriffe seit Anfang 2008. Dabei wurden dieser Statistik zufolge 143 ausländische Soldaten getötet und 180 verwundet. Unter den Opfern 2011 waren auch drei deutsche Soldaten, die ein Attentäter auf dem Stützpunkt OP North in der nordafghanischen Provinz Baghlan erschoss.

2012 forderten die sogenannten Innentäter-Angriffe die meisten Opfer, 64 ausländische Soldaten starben. Die Isaf reagierte mit der Einführung des „Guardian-Angel“-Konzepts. Wenn ausländische Soldaten mit afghanischen Sicherheitskräften zusammentreffen, sind die „Schutzengel“ in der Regel nicht weit. Sie sind internationale Soldaten, die ihre Waffe am Mann tragen, unauffällig ihre einheimischen Kameraden beobachten – und im Fall eines Angriffs auf sie schießen.

Die Gefahr wird bleiben, auch nach dem Ende des Kampfauftrags für die Nato-Truppen. Im Camp Schahin werden dann noch Bundeswehrsoldaten afghanische Verbündete ausbilden. Wie lange dieser Einsatz dauern wird, ist noch unklar. Eins steht aber jetzt schon fest: Sicher vor Angriffen werden die Soldaten bis zum Schluss nicht sein.

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erstellt am 05.Aug.2014 | 15:10 Uhr

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