zur Navigation springen

Wehrbeauftragter sieht Truppe an den Grenzen der Leistungsfähigkeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 14:16 Uhr

Das wird künftig öfter passieren: Gleich in zwei Luftwaffengeschwadern der Bundeswehr konnten Ende letzten Jahres keine Flugzeuge abheben. Weil die zivilen Feuerwehrleute in den Fliegerhorsten wegen neuer EU-Arbeitszeitregeln nicht mehr so lange wie bisher Dienst schieben durften, fehlte es am Personal zur Sicherung von Starts und Landungen. „Das Problem wird sich verschärfen“, warnte gestern der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (Foto), bei der Vorstellung seines Jahresberichts in Berlin. Und auch im Sanitätsdienst der Truppe gebe es „große Lücken“. Der FDP-Politiker, noch bis 2015 im Amt, hält die „drastischen Engpässe“ für symptomatisch: „Die Bundeswehr steht an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.“

Dazu passt auch, dass die Zahl der Beschwerden gemessen an der Größe der Streitkräfte einen Rekord erreicht hat: Knapp 2,8 Prozent der 184 000 Soldaten wandten sich letztes Jahr an den Wehrbeauftragten – so viele wie noch nie. Im Jahr zuvor waren es nur 2,2 Prozent. Am häufigsten ging es dabei um Kritik an der Menschen- und Personalführung, um Besoldungsfragen sowie um die Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Vor allem die Doppelbelastung aus Einsätzen im Ausland und der Bundeswehrreform mit ihren geplanten Kasernenschließungen habe „Unzufriedenheit ausgelöst“, berichtete Königshaus: „Personal wurde oft zu lange über die nächsten Schritte im Unklaren gelassen.“ Er regte an, die Auflösung einzelner Standorte noch mal zu überprüfen.

Dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Bundeswehr familienfreundlicher machen will, begrüßte Königshaus als „überfälligen Schritt“. Allerdings sei dafür mehr Geld nötig. Besorgt zeigte er sich darüber, dass sowohl eine neue Studie als auch jüngere Meldungen sexuelle Übergriffe auf Frauen in der Truppe belegen. So habe ein Soldat seine Kameradinnen „auf übelste sexistische Weise beleidigt“. Er entblößte sein Geschlechtsteil vor einer Soldatin und nannte eine andere „Doppel-D“ in Anspielung auf deren Brustumfang. Auch rügte Königshaus den direkten Vorgesetzten, der die Beschwerde der zwei Frauen abwimmeln wollte. Erst der Kommandeur griff sie auf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert