Sparpläne in Dänemark : Wegfall von Studienplätzen: Der Campus Sonderburg ist hart getroffen

Dunkle Wolken über dem Campus der SDU in Sonderburg: Hier werden in den nächsten Jahren 91 Studienplätze wegfallen.
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Dunkle Wolken über dem Campus der SDU in Sonderburg: Hier werden in den nächsten Jahren 91 Studienplätze wegfallen.

Ein Drittel aller Bachelorstudienplätze soll in den nächsten Jahren am Campus Sonderburg wegfallen. Grund sind Einsparpläne der Regierung in Kopenhagen – mit unabsehbaren Folgen.

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20. Januar 2015, 14:35 Uhr

Sonderburg/Flensburg | Dänemark will sparen. Und fängt bei der Bildung an. Die dänische Ausbildungsministerin Sofie Carsten Nielsen verordnete kürzlich die landesweite Streichung von Studienplätzen. Im Laufe der nächsten sechs Jahre muss allein die Süddänische Universität (SDU) an den Standorten Odense, Sonderburg, Slagelse und Esbjerg 515 Bachelorstudienplätze und 351 Masterstudienplätze einsparen. Die ökonomischen Auswirkungen dieser Sparmaßnahmen der dänischen Regierung werden ab dem Jahr 2024 voll spürbar sein, sagt Henrik Dam, Präsident der SDU. 38 Bachelorstudiengänge und 31 Masterstudiengänge werden an der SDU von der sogenannten „Dimensionierung“ betroffen sein. 19 Studiengänge müssen vollständig schließen. Davon allein 17 in den Geistes-, Sprach-, und Sozialwissenschaften. Auch andere Universitäten in Dänemark sind betroffen, darunter die Universität in Aalborg. Dort werden ab 2015 708 Studienplätze abgebaut werden. Dazu kommen 621 Masterstudienplätze bis 2017.

Dänemark gilt als Vorreiter in Bildungsbereich und genießt einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Einzelbetreuung, Gruppenprojekte und die enge Zusammenarbeit mit Industrie und Gewerbe machen Dänemark als Studienort auch für ausländische Studenten interessant. Die grenzübergreifende Kooperation mit der Universität in Flensburg ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Dass nun an Ausbildungsplätzen gespart werden soll, kann auch Folgen für diese Kooperation haben.

Der relativ kleine Campus in Sonderburg ist von den Sparmaßnahmen besonders schwer getroffen. 79 Bachelor- und zwölf Masterstudienplätze sollen in den nächsten Jahren an der Außenstelle der Süddänischen Universität wegfallen. Der Standort nahe der deutschen Grenze verliert damit mehr als ein Drittel seiner Bachelorplätze. Von der Schließung betroffen sind der Studiengang IVK (Internationale Wirtschaftskommunikation) und „Negot Chinesisch“.

Die weiteren Sprachfächer Spanisch und Arabisch werden in Odense eingespart. Die Studiengänge bilden die Studenten in Sprache, Kultur und Wirtschaftsbelangen aus. Künftig bleiben an der SDU in Odense allein die Sprachfächer Englisch und Deutsch bestehen. Letzte Zulassungen im Fach IVK für die betroffenen Sprachrichtungen wird es demnach im Wintersemester 2016 geben.

Neben Sonderburg fallen auch an den anderen SDU-Standorten Studienplätze in den genannten Fachbereichen weg. In Odense sind 403 Bachelor- und 312 Masterplätze betroffen. Dort hat die Humanistische Fakultät ihre größte Abteilung. In Slagelse werden 61 Studienplätze im Bereich der Sprach- und Kommunikationsstudiengänge eingespart. In Esbjerg werden 27 Masterstudienplätze abgebaut. Nur Kolding bleibt von Studienplatzauflösungen verschont. Der neue Studiengang „Design“ ist von den aktuellen Plänen nicht betroffen, heißt es in einer Mitteilung von Universitätspräsident Henrik Dam.

Begründung der Regierung in Kopenhagen: „Ausbildung soll zu Beschäftigung führen. Die Kürzung bei den Studienplätzen soll einen besseren Zusammenhang zwischen dem Wissen, das sich die Studenten in den Studiengängen aneignen, und den Kompetenzen die am Arbeitsmarkt nachgefragt werden, schaffen“, sagt Ministerin Nielsen. Kurz gesagt: Studiengänge die nach Einschätzung der Ministerin zur „Arbeitslosigkeit ausbilden“, sollen abgeschafft werden. Laut Nielsen beschließe die SDU allein, welche Studiengänge von den Einsparungen betroffen seien.

Dass es in erster Linie die Humanwissenschaften trifft, wundert Ella Mølgaard vom Institut für Kommunikation und Design in Sonderburg nicht: „Es geht nicht darum, ob die Studiengänge angeblich zu Arbeitslosigkeit führen, vielmehr fehlt es an Verständnis in der Gesellschaft, dass die Abschaffung der Sprachwissenschaften nicht folgenlos bleiben wird.“ Allein die Grundlage, auf welcher der Entschluss basiert, Studienplätze einzusparen, entbehrt jeder Logik, sagt Mølgaard. „Es wurden nationale Arbeitslosenzahlen herangezogen und Fachbereiche gruppiert, die nicht zusammen gehören, um zu sehen, welche Fachbereiche für die Arbeitslosigkeit ausbilden.“ Das sei nicht richtig und vernachlässige unter anderem regionale Unterschiede. Ohnehin gebe es keine Studiengänge in Sonderburg, die für die Arbeitslosigkeit ausbilden. Dass der Campus nun betroffen sei, sei unverständlich, sagt die Studienleiterin.

Die Einsparungen werden auch von Jane Heitmann von der Venstre-Partei kritisiert. In einer Debatte mit Ministerin Nielsen mahnte sie, dass die neuerlichen Pläne vor allem die einzelnen Regionen hart träfen. Menschen da draußen würden bald weniger Möglichkeiten haben, ein Studium zu beginnen. Mit der Auflösung der Sprach-Studiengänge „Chinesisch“, „Spanisch“ und „Arabisch“ würden Weltsprachen aus den Lehrplänen gestrichen. Wie solle künftig gesichert werden, dass es Experten in diesen Sprachen gebe, die ihren Teil dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum und den Export Dänemarks zu sichern? Weiterhin seien erst kürzlich Entwicklungsverträge unterzeichnet worden, die die Internationalisierung stärken sollen. Auf der anderen Seite würde man nun gerade im Bereich der Sprachstudiengänge massive Einsparungen vornehmen, sagt Heitmann. Ministerin Nielsen betonte, dass es allein die Entscheidung der SDU sei, fachlich und kompetent zu entscheiden, welche Studienplätze wegfallen.

Die Politiker würden immer wieder von Internationalisierung sprechen, doch wollen sie das wirklich, fragt Mølgaard im Hinblick auf die Debatte im Folketing. Gerade die Einsparungen bei den Sprachen sprechen eindeutig dagegen, sagt die Studienleiterin. „Es ist schwierig innovativ zu sein, wenn immer jemand die Vollbremse tritt“.

Maria Bonner, Professorin im Fachbereich Design und Kommunikation an der SDU versteht die Pläne der Regierung ebenfalls nicht. „Es gibt nichts, dass ohne Sprache funktioniert. Ausbildung, Politik oder die Interaktion zwischen Menschen. Der Beschluss der dänischen Regierung wird das Land vom Rest der Welt isolieren.“ Zumindest aber, leide die grenzübergreifende Kooperation. Denn jeder Student der nach Dänemark komme, würde ja in gewisser Hinsicht auch nach dem Studium ein Botschafter des Landes bleiben.

Zwar ist die Regelung nur vorläufig beschlossen – also umkehrbar – dennoch glaubt die Studienleiterin nicht daran, dass die Politik von ihren Plänen abrücken wird. Im Institut für „Kommunikation und Design“ könnte die Stimmung daher nicht schlechter sein. „Wir haben diese Studiengänge mit Herzblut und Engagement über Jahre hinweg aufgebaut. Sie jetzt einfach abzuschaffen zeigt die geringe Wertschätzung“, sagt Mølgaard. Man müsse jetzt nach vorne schauen und sich auf die eigenen Kompetenzen besinnen, um neue Kooperationen zu schaffen.

Sonderburg ist in letzter Zeit bereits zwei Mal hart getroffen worden. Neben dem Verlust der Kaserne, wo bislang Unteroffiziere ausgebildet wurden, gibt es künftig auch keine Ausbildung von Krankenschwestern mehr in der Stadt. Jetzt folgt mit den Kürzungen bei der SDU eine neue Hiobsbotschaft. Gegenüber der Tageszeitung „Jydske Vestkysten“ sagte Bürgermeister Erik Lauritzen: „Wir versuchen den Rückschlägen entgegenzuwirken und versuchen derzeit, ein paar neue Ausbildungsmöglichkeiten nach Sonderburg zu holen.“ Es sei wichtig, jetzt nach vorne zu schauen.

Am Ende fürchten die Dozenten und Professoren an der Universität in Sonderburg auch um ihren Job. Anders als in Deutschland sind die Mitarbeiter am Campus nicht verbeamtet. Zwar heißt es von offizieller Seite, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren wird, ob dieser allerdings am Campus in Sonderburg bestehen bleibt, ist offen.

Trotz der gedrückten Stimmung werden in Sonderburg im Augenblick Argumente für den Erhalt der Studienplätze gesammelt. In einem Aufruf an die Regierung werden unter anderem auch Aussagen ehemaliger Studenten gesammelt. Denn laut Mølgaard würden die meisten Absolventen heute in Lohn und Brot stehen und ganz unterschiedliche Jobs ausüben. Keine Spur von einer Ausbildung für die Arbeitslosigkeit also.

Charlotte Gaitanides, Vizepräsidentin für Europa und Internationales an der Universität Flensburg, sieht die Entwicklung in Dänemark mit Besorgnis. „Wir in Flensburg haben großes Interesse daran, die Kooperation mit unseren Partnern in Dänemark zu intensivieren und auszubauen.“ So wolle man sich künftig an den dänischen Studienzeiten orientieren und noch stärker in die Zusammenarbeit investieren. „Bildung ist der Schlüssel für ein geeintes Europa“, sagt Gaitanides. Sie sei Voraussetzung für gute internationale und multikulturelle Zusammenarbeit. „Dass der Trend in Dänemark nun in die andere Richtung geht, ist schade.“ Ob durch die Einsparmaßnahmen auf dänischer Seite auch die Uni Flensburg einen Rückgang der Studierendenzahlen zu befürchten habe, verneint die Vizepräsidentin. „Wir in Flensburg werden die Auswirkungen zunächst nur mittelbar spüren.“

Immerhin: SDU-Präsident Henrik Dam hat Zweifel am Standort Sonderburg zurückgewiesen. Trotz der Maßnahmen sollen die Studierendenzahlen weiter steigen. Angesichts von 1300 Studenten am Campus Sonderburg sei nicht von einem Rückzug zu sprechen.

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