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Beziehungen zu Russland : Wegen Trump: Deutsche Bank unter Druck des US-Kongresses

vom
Aus der Onlineredaktion

Laut Ethik-Behörde hält die Großbank mindestens 130 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten des US-Präsidenten.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Washington | Es geht um mögliche Bürgen für wackelige Kredite an Trump aus Russland, Geldwäsche für dubiose Moskauer Kunden und personelle Verflechtungen, die nach Palm Beach und Zypern führen. Deshalb ist die Anfrage vom Kapitolhügel an die größte deutsche Geschäftsbank brisant. Und das erklärt, warum die Anwälte des Frankfurter Finanzhauses gegenüber den Abgeordneten nicht besonders auskunftsfreudig waren.

Trump hält die gesamte Russland-Affäre und die mediale sowie die juristische Aufarbeitung für eine „politische Hexenjagd“ und frei erfunden. Andererseits: Der US-Präsident hat noch nicht viel zur Beantwortung von drängenden Fragen beigetragen. Die Deutsche Bank könnte mögliche Beweise für finanzielle Abhängigkeiten Trumps von Moskau liefern.

Anfang Juni wies die Kanzlei „Akin Gump Strauss Hauer & Feld“ eine erste Aufforderung der Demokraten im Kongress zurück, die wissen wollten, welche Geschäftsbeziehungen zu Trump bestehen. Die offizielle Begründung der Hausjuristen: Datenschutz. Deshalb sei es leider nicht möglich, die Informationen zu liefern, an denen die Repräsentanten besonders interessiert sind.

Die Deutsche Bank müsse die Gesetze wohl missverstanden haben, legten die Demokraten in einem zweiten Schreiben von Ende dieser Woche nach. Die Verweigerung der Auskunft über mögliche kriminelle oder betrügerische Handlungen sei niemals rechtlich geschützt. Mit Fristsetzung bis zum 29. Juni erwarten sie nun eine substantielle Rückmeldung. „Da Präsident Trump wiederholt betont hat, dass er keine Verbindungen zu Russland hat, würde eine solche Offenlegung wohl in seinem Interesse liegen“, heißt es in dem Schreiben.  

Zudem seien Fragen unbeantwortet geblieben, für die das Geldhaus sich nicht auf den Datenschutz beziehen könne. Dabei geht es um zwei interne Untersuchungen. Die eine stammt laut „Guardian“ aus dem Wahljahr, als die Deutsche Bank die Konten von Trump und seiner Familie unter die Lupe genommen haben soll. Der selbsterklärte „König der Schulden“ schaffte es, bei den Deutschen Kredite loszueisen, als ihm an der Wall Street niemand mehr Geld gab. Das Magazin „Mother Jones“ geht mit 364 Millionen Dollar von weitaus höheren Verbindlichkeiten Trumps bei der Deutschen Bank aus als das Ethikbüro der Regierung.

Die andere hausinterne Untersuchung beschäftigt sich mit Geldwäsche-Aktivitäten der Moskauer Filiale durch sogenannte Spiegelgeschäfte („Mirror-Trading“). Im Auftrag ihrer dubiosen Kunden aus Russland verschaffte die Deutsche Bank für diese bis zu zehn Milliarden Dollar ins Ausland. Sie kauften in Moskau Aktien in Rubel, die sie unmittelbar darauf in London für Dollar veräußerten.

Letztlich versuchen die Kongress-Abgeordneten herauszufinden, ob es einen „rauchenden Colt“ gibt, der finanzielle Abhängigkeiten Trumps von Moskau beweist. Bisher besteht bloß ein Verdacht, der durch ein kurioses Beziehungsnetzwerk Trumps nur plausibler scheint.

Als Drehscheibe könnte die „Bank of Cyprus“ gedient haben. Kein Geringerer als der Milliardär Wilbur Ross, der ein Nachbar und Freund Trumps in Palm Beach ist, und heute als Handelsminister in seinem Kabinett sitzt, diente vor seinem Einstieg in die Politik im Aufsichtsrat der zypriotischen Bank, an der mehrere Putin-Vertraute Anteile halten.  

Ross war es denn auch, der den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josepf Ackermann als Vorsitzenden der „Bank of Cyprus“ anheuerte. Ebenfalls ein Mann mit gutem Draht zu Putin und dessen Oligarchen. 

Einer der Anteilseigner, Dmitry Rybolovlev, kaufte 2014 eine Immobilie, die Trump wie Sauerbier in Palm Beach angeboten hatte, für den Fantasie-Preis von 95 Millionen Dollar. Das bescherte dem New Yorker Milliardär in nur zwei Jahren eine ganz und gar unwahrscheinliche Wertsteigerung von 55 Millionen Dollar.

Das Geschäft wirft ebenso Fragen auf, wie die Rolle Wilbur Ross, Ackermanns und eben der Deutschen Bank in dem undurchsichtigen Netz an Beziehungen nach Moskau. Offen bleibt, ob der Druck aus dem Kongress Antworten liefert oder die Deutsche Bank weiter über ihr Verhältnis zu dem US-Präsidenten und seiner Familie schweigt. 

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