Was wäre, wenn..?

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04. Januar 2015, 13:41 Uhr

Noch ist ungewiss, was von Peer Steinbrück in den Geschichtsbüchern zurückbleibt. Vermutlich nur der Spruch „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Diese Diffamierung hat der in der deutschen Sprache ohnehin schlecht behandelte Konjunktiv nicht verdient. Aber er kann sich l nicht wehren. Mit einer Variante von Steinbrücks Lieblingssatz beschäftigt sich der englische Gelehrte Prof. Richard Evans in seinem Buch „Veränderte Vergangenheiten“. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die gern gestellte Frage: „Was wäre, wenn…?“ Mit der oft gehörten Behauptung, ein winziger Zufall hätte genügt, und der Weltenlauf wäre ein völlig anderer geworden, mag sich Evans nicht anfreunden. Ein Sieg Napoleons bei Waterloo (1815) hätte ihn nicht vor dem Niedergang gerettet. Zudem ist er überzeugt, der Erste Weltkrieg wäre auch „ausgebrochen“, wenn der Mörder in Sarajevo sein Ziel verfehlt hätte. Und die Spekulationen um die Frage, wie die Welt aussähe, hätte Hitler den Krieg gewonnen, beantwortet Evans sinngemäß mit Steinbrücks „Fahrradkette“. Mögen große Katastrophen nicht von „hätte“ und „wäre“ abhängig sein, viele kleine und sehr persönliche sind es durchaus.

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