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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das statistische Jahrbuch verrät: Schleswig-Holstein ist kleinteilig, beliebt – und geizt bei Kultur und Bildung

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 15:54 Uhr

Kurze Quizfrage: Welches ist das kleinste deutsche Flächenland nach dem Saarland – und hat trotzdem am drittmeisten Gemeinden?

Richtig: Schleswig-Holstein. Nur 15 800 Quadratkilometer misst das Land zwischen Nord- und Ostsee, beherbergt aber trotzdem 1110 selbständige Gemeinden. Mehr sind es nur in Bayern mit 2056 und in Rheinland-Pfalz mit sogar 2306. Das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen mit seinen Großstädten und Großgemeinden hat dagegen nur 396.

Die Zahlen sind nicht vollkommen neu – aber seit dieser Woche neu präsentiert, im alljährlich herausgegebenen Jahrbuch des Statistischen Bundesamts. Ein „Nachschlagewerk allerersten Ranges“ nennt Amtspräsident Roderich Egeler den 693 Seiten dicken Wälzer und spricht vom „Standardwerk über Deutschland“. Nicht zuletzt ist der Statistikband damit auch ein Standardwerk über Schleswig-Holstein: Nirgends sonst lässt sich das nördlichste Bundesland so gut einordnen und mit den anderen vergleichen.

Zum Beispiel scheint das kleinteilige Schleswig-Holstein im Rest der Republik nicht nur als Urlaubsziel ziemlich beliebt zu sein: Aus den anderen deutschen Ländern sind zuletzt gut 5000 Menschen mehr hergezogen als weggezogen. Nur im wirtschaftsstarken Bayern und im angesagten Berlin war der Zuzugssaldo noch größer. Kein Wunder daher, dass zwischen Flensburg und Lauenburg auch die Leerstandsquote bei den Wohnungen mit 2,7 Prozent die zweitkleinste ist nach den 1,5 Prozent von Hamburg. Auf durchschnittlich 48 Quadratmetern lebt dabei jeder der 2,8 Millionen Bürger des Landes – das entspricht fast genau dem Bundesniveau.


Ein Riesen-Nationalpark – aber kaum Wald


Ob die Anziehungskraft des Nordens am Erholungswert liegt? Schließlich hat Schleswig-Holstein mit dem Wattenmeer den größten deutschen Nationalpark. Wer ein Freund des Waldes ist, kommt dagegen weniger auf seine Kosten: Nur ein gutes Zehntel des Landesgebiets besteht aus Wäldern – so wenig wie in keinem anderen Flächenland.

Auch bei Museen, Theatern und Bibliotheken geizen Land und Kommunen: Nur 61,75 Euro gibt die öffentliche Hand hier pro Einwohner für Kultur aus. Nur Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sind ähnlich knausrig. Hamburg und Berlin zahlen fast dreimal so viel.

Ein Armutszeugnis sind auch die Bildungsausgaben in Schleswig-Holstein: Kein Land investiert weniger Geld pro Schüler – nur 5200 Euro jährlich. Thüringen dagegen zahlt 7800 Euro. Ähnlich sieht es an den Hochschulen aus: Nur 5100 Euro pro Jahr ist dem Land jeder Student wert. Einzig Nordrhein-Westfalen hat mit 4800 Euro noch weniger übrig. Spitzenreiter Niedersachsen gibt 7500 Euro aus. Und auch bei den Forschungsausgaben von Staat und Wirtschaft liegt Schleswig-Holstein weit hinten: Das europaweit angestrebte Drei-Prozent-Ziel ist nicht mal zur Hälfte erfüllt. Nur 1,48 Prozent der Wirtschaftsleistung wird hier in Forschung investiert. Schlechter sind nur das Saarland mit 1,47 und Sachsen-Anhalt mit 1,43 Prozent. Baden-Württemberg hingegen schafft 5,14 Prozent.

Eine gute Nachricht für Bildungshungrige gibt es aber auch aus dem Norden: In Schleswig-Holstein existieren am drittmeisten Volkshochschulen in Deutschland – insgesamt 146. Mehr haben nur die wohlhabenden Südländer Bayern mit 190 und Baden-Württemberg mit 172.

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