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Asylpolitik : Warum Dänemark Flüchtlingskindern die Handys wegnimmt

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänemark will, dass niemand schummelt: Deshalb müssen mache Flüchtlingskinder eine Zeit lang auf ihr Handy verzichten.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 16:25 Uhr

Kopenhagen | Wenn Flüchtlingskinder allein nach Dänemark kommen, kann es sein, dass die Behörde ihnen die Handys abnimmt. Bei 55 Minderjährigen wurde diese Beschlagnahmung in den letzten Monaten durchgeführt. Das hat nichts mit dem viel beschriebenen Kostenausgleich für die Staatskasse zu tun, wie es im Maßnahmenpaket zur Eingrenzung des Flüchtlingsstroms beschlossen wurde. Die Handys dienen zur Prüfung von Identität und Herkunft, welche oftmals nicht so einfach geklärt werden können.

Dänemark eckt an mit seiner aktiven Vergrämungspolitik gegen Flüchtlinge, die in einer Kommune sogar eine Schweinefleischpflicht in öffentlichen Kantinen beinhaltete. Der Fall der Handy-Entnahme bei Kindern hat allerdings praktische Gründe.

Wie die überregionale Zeitung „Politiken“ berichtet, hat die Rückgabe der Telefone in vielen Fällen allerdings einen ganzen Monat gedauert. „Das ist ein Problem, das uns bewusst ist“, sagte der Chef des Nationalen Ausländerzentrums der Reichspolizei, Richard la Cour, dem dänischen Fernsehen. Er sei jedoch der Meinung, dass die Prozedur notwendig sei. „Wir möchten gerne an das Gute im Menschen glauben. Aber leider sagen nicht alle die Wahrheit, wenn wir sie nach ihrer Nationalität fragen müssen, weil sie keine Papiere dabei haben“, so La Cour. Die große Zahl der Asylbewerber seit dem vergangenen Herbst habe die Ermittler vor Herausforderungen gestellt, erklärte er.

Aus Sicht von Gitte Jakobsen, einer Rechtsberaterin bei „Red Barnet“ ist die Vorgehensweise sehr problematisch, weil die Jugendlichen so von der Außenwelt abgeschnitten werden. Jakobsen betonte, dass die Handys die Lebensader der Geflüchteten seien und sie ohne sie keinen Kontakt zu ihren Familien in der Heimat hätten.

Die linke Partei Enhedlisten kritisierte die Praxis als „verrückt“. „Sie (die Kinder) sind ohnehin ganz alleine, und wenn man ihnen das Handy wegnimmt, nimmt man ihnen jede Möglichkeit, Kontakt mit der Familie zu halten, die vielleicht Tausende Kilometer weit weg ist“, sagte die justizpolitische Sprecherin Pernille Skipper.

La Cour stimmte zu, dass es schwierig für die Jugendlichen sei, wenn sie lange auf ihre Smartphones verzichten müssten. Er betonte aber, dass die Auswertungen der Daten nun, wo der Flüchtlingsandrang etwas nachgelassen habe, zügiger gehen werde: „Wir werden das in Zukunft schneller machen.“

Das Folketing hatte im Januar durchgesetzt, dass Polizisten Asylbewerber durchsuchen und ihnen Wertsachen abnehmen dürfen, wenn diese mehr als 10.000 Euro (1340 Euro) bei sich haben. Handys, Eheringe und andere persönliche Habseeligkeiten sind davon ausgenommen. Die Polizei stellte am Dienstag aber klar, dass es seither weder zu Leibesvisitationen noch zur Beschlagnahmung von Werten gekommen sei.

 

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