zur Navigation springen

Achtung, Mathe! : Wahlumfragen und das Problem mit der Seriosität

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umfragen sollen Überblick über die Stimmungslage geben. Doch sie haben mehrere Fehlerquellen. Bleibt die Wahl spannend?

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 15:54 Uhr

Am Sonntag wird sich entscheiden, wie Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren politisch regiert wird. Angesichts einer Fülle von Wahlumfragen bis kurz vor dem Wahltermin stellt sich die Frage, ob überhaupt noch Spannung im Wahlausgang liegt oder ob das Ergebnis nicht vorher schon feststeht.

Wahlumfragen basieren auf Stichproben von ausgewählten Wahlberechtigten, da es nicht möglich ist, alle Wähler zu befragen. Die Anzahl an Befragten liegt dabei zumeist im Bereich weniger 1000 Personen. Diese sollen möglichst gut die Gesamtwählerschaft widerspiegeln. Lehrbuchmäßig funktioniert dies bei einer Zufallsauswahl, wenn also alle Wähler die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, in die Stichprobe aufgenommen zu werden.

Weil man nicht alle Wähler befragt hat, ist dies dann mit einem Fehler behaftet, der sich statistisch recht präzise eingrenzen lässt. Der Fehlerbereich liegt bei 1000 Befragten für große Parteien bei plus/minus drei Prozentpunkten. Bei kleinen Parteien ist sie etwas geringer. Das zeigt, dass die Unsicherheit trotz scheinbar präziser Angaben zu den Anteilen der einzelnen Parteien in Wirklichkeit ganz schön groß ist. Liegen also zum Beispiel die CDU und die SPD bei den Wahlumfragen sehr dicht beieinander, kann seriös nicht daraus geschlossen werden, welche der beiden Parteien tatsächlich vorne liegt. Auch ist es kaum möglich vorherzusagen, ob Parteien, für die Ergebnisse dicht an der Fünf-Prozent-Hürde vorhergesagt werden, tatsächlich in das Parlament einziehen werden oder eher nicht.

Die angenommene Zufallsauswahl der befragten Wahlberechtigten stellt die zweite große Unsicherheit dar. Immer weniger Befragte sind tatsächlich bereit, Auskunft über ihr Wahlverhalten zu geben. Und es ist schwer abzuschätzen, welches die Gründe dafür sind: Datenschutzbedenken, Desinteresse, fehlende Bereitschaft, das tatsächliche Wahlverhalten zu offenbaren...? Diese Unsicherheit versucht man zu korrigieren, indem die Meinungsforschungsinstitute die eingesammelten Angaben nachgewichten. Sind eher Wähler der Partei A oder eher der Partei B geneigt, ihr Wahlverhalten zu offenbaren? Gerade bei Wählern umstrittener Parteien liegt hierin eine enorme Unsicherheit, wie beispielsweise die Wahlprognosen zur Präsidentschaftswahl in den USA oder auch zum Wahlausgang der AfD in einzelnen Landtagswahlen der vergangenen Monate gezeigt haben.

Und selbst wenn die Nachgewichtung der Angaben in der Wahlumfrage gut funktioniert, kann letztendlich nicht abgeschätzt werden, ob sich die Wähler an der Wahlurne vor dem Hintergrund der letzten Umfragen zum Teil strategisch verhalten und die Anhänger einer bestimmten Partei eher motiviert werden, zur Wahl zu gehen. Es bleibt also in jedem Fall – Wahlumfragen hin oder her – bis zum Wahlabend spannend!
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen