zur Navigation springen

Wahl in Frankreich : Wahlsieger Emmanuel Macron will Frankreich wieder vereinen

vom

Macron gewann deutlich vor der Rechtspopulistin Le Pen – doch die Front National konnte einen Stimmenrekord verzeichnen.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 07:08 Uhr

Nach dem Wahlsieg gegen die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen will Frankreichs künftiger Präsident Emmanuel Macron das zerrissene Land wieder zusammenführen. „Ich werde mit allen Kräften gegen die Spaltung kämpfen, die uns zermürbt und entmutigt“, sagte der Mitte-Links-Politiker nach seiner historischen Wahl. Macron will am Montagvormittag an der Seite des scheidenden Amtsinhabers François Hollande an der traditionellen Gedenkzeremonie zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg teilnehmen.

Der Wahlausgang sorgte in Europa vielfach für Erleichterung. Denn die Front-National-Anführerin Le Pen wollte Frankreich aus dem Euro führen und die Franzosen über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Das hätte die krisengeschüttelte Europäische Union tief ins Mark treffen können. Auch die Achse Berlin-Paris wäre gebrochen gewesen.

Der Sieg des sozialliberalen Pro-Europäers wurde international mit Erleichterung aufgenommen. Auch die Finanzmärkte reagierten positiv: Die Börsen in Asien und Australien begannen den Handel zum Wochenstart deutlich im Plus.

Der 39-jährige Macron wird spätestens am kommenden Sonntag (14. Mai) als jüngster französischer Präsident aller Zeiten die Macht im Élyséepalast übernehmen.

Macron war am späten Sonntagabend zum Klang der Europahymne vor Tausende jubelnde Anhänger am Pariser Louvre getreten. Frankreich habe ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen, sagte er: „Die Aufgabe ist gewaltig.“ Am Ende kamen seine Frau Brigitte und Wahlkampfmitarbeiter zu ihm auf die Bühne, um die französische Nationalhymne Marseillaise zu singen.

Nach vollständiger Auszählung der Stimmen erreichte Macron in der Stichwahl 66,1 Prozent, Le Pen 33,9 Prozent. Le Pen holte damit nach Anzahl der Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer rechtsextremen Partei Front National - obwohl die politische Mitte sich nach dem ersten Wahlgang hinter Macron gestellt hatte, um Le Pen zu verhindern. Gut 10,6 Millionen Franzosen votierten für die 48 Jahre alte Kandidatin.

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 75 Prozent, rund drei Prozentpunkte niedriger als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Etwa vier Millionen Franzosen entschieden sich in der zweiten Runde dafür, entweder einen leeren Wahlumschlag abzugeben („weiße Stimme“) oder ungültig zu stimmen - das ist laut dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos ein Rekord. Politische Kommentatoren in Frankreich werteten dies als Zeichen, dass viele Franzosen auch Macrons Programm kritisch sehen.

Der künftige Präsident räumte ein, dass sein Sieg keine Blankovollmacht sei. Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker steht nun vor gewaltigen Herausforderungen. Frankreichs Wirtschaft hinkt in Europa hinterher, die Arbeitslosigkeit liegt mit rund 10 Prozent viel höher als in Deutschland. Als wichtige Aufgabe nannte Macron auch den Antiterrorkampf. Frankreich wurde seit 2015 von einer islamistischen Anschlagsserie erschüttert, fast 240 Menschen wurden ermordet.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert teilte mit, die Kanzlerin freue sich darauf, „im Geist der traditionell engen deutsch-französischen Freundschaft vertrauensvoll mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten“. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker twitterte: „Gemeinsam für ein stärkeres und gerechteres Europa.“ Auch US-Präsident Donald Trump gratulierte dem Pariser Amtskollegen in spe, nachdem er im Wahlkampf auf Le Pen gesetzt hatte.

 

Le Pen ließ durchblicken, dass sie ihre Partei im Juni in die Parlamentswahlen führen werde. Sie kündigte einen „tiefgreifenden Umbau“ der Front National an. FN-Vize Florian Philippot sagte, seine Partei werde sich in eine neue politische Kraft verwandeln und dann auch nicht mehr denselben Namen tragen. Le Pen verfolgt seit Jahren die Strategie, der rechtsextremen Partei ein gemäßigteres Auftreten zu verschaffen und damit neue Wählerschichten zu erschließen.

Gemeinsam mit Amtsinhaber Hollande erinnerte Macron am Montagvormittag an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 72 Jahren erinnert. Die beiden Politiker hielten für eine Schweigeminute am Grab des unbekannten Soldaten unter dem Pariser Triumphbogen inne. Anschließend ertönte erst die französische Nationalhymne Marseillaise, dann das „Lied der Partisanen“. Die Zeremonie ist Tradition am französischen Feiertag zum Sieg über Nazi-Deutschland, das am 8. Mai 1945 kapituliert hatte.

Macron und Hollande während der Gedenkzeremonie zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Macron und Hollande während der Gedenkzeremonie zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Foto: dpa

Hollande hatte zuvor einen Kranz an der Statue von General Charles de Gaulle niedergelegt, der im Zweiten Weltkrieg die französische Exilregierung angeführt hatte. Begleitet von einer Motorrad- und Reiter-Eskorte der Republikanischen Garde fuhr Hollande anschließend über den Prachtboulevard Champs-Élysées zum Triumphbogen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen