Wahlkrimi bei der EKD: Irmgard Schwaetzer ist neue Synoden-Chefin

„Nicht im Traum daran gedacht“: Irmgard Schwaetzer übernimmt das höchste Laienamt der evangelischen Kirche.
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„Nicht im Traum daran gedacht“: Irmgard Schwaetzer übernimmt das höchste Laienamt der evangelischen Kirche.

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12. November 2013, 00:31 Uhr

Es war der Sieg der Überraschungskandidatin: Kurz vor Mitternacht wählte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die ehemalige Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) im dritten Wahlgang mit großer Mehrheit zu ihrer Präses. Die 71-jährige Vorsitzende des Berliner Domkirchenkollegiums war völlig unerwartet vom Nominierungsausschuss der Synode als Nachfolgerin für Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) vorgeschlagen worden, die im Herbst von ihrem Kirchenamt zurückgetreten war, um sich ihrem politischen Amt als Fraktionschefin zu widmen. Am Sonntagabend noch waren andere Kandidaten im Rennen: Günther Beckstein (69; CSU), der ehemalige bayerische Ministerpräsident, der 2009 in Würzburg Göring-Eckardt unterlegen und damals zum Vizepräses gewählt worden war. Und Brigitte Böhme (73), die ehemalige Präsidentin des Bremischen Kirchenausschusses, die von der Synode als Gegenkandidatin nominiert worden war.

Gegen Becksteins Kandidatur gab es im Kirchenparlament erheblichen Widerstand: Auf allen Synodaltagungen seit 2009 fiel auf, dass der Vizepräses bei seiner Verhandlungsführung Schwierigkeiten hatte, dem Geschehen zu folgen. Der CSU-Politiker ist in der evangelischen Kirche auch deshalb umstritten, weil er während seiner Zeit als bayerischer Innenminister als Hardliner in der Flüchtlingspolitik galt. Am Freitag hatte er zudem den gegenwärtigen Kurs der EKD kritisiert und gefordert, sie müsse „frommer“ werden.

Brigitte Boehme dagegen stellte sich der Synode als leitungserfahrene Kandidatin vor: Zwölf Jahre saß die Juristin in den Gremien der Bremischen Kirche, und als Richterin sei sie politisch stets unabhängig gewesen. „Mir ist es wichtig, dass die Evangelische Kirche möglichst mit einer Stimme spricht und kraftvoll nach außen wirkt“, sagte Boehme in ihrer Vorstellungsrede.

Doch weder Beckstein noch Böhme erhielten am Ende eine Mehrheit. Und spät am Abend wandelte sich das Blatt: Nachdem zunächst Beckstein zum Mikrofon gegangen war, und seine Kandidatur zurückzog, tat es ihm Boehme wenige Stunden später gleich. Anschließend schlug der Vorsitzende des Nominierungsausschusses, Gerhard Eckels, die frühere Bauministerin (1991 bis 1994) als Kandidatin vor.

„Als ich nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich daran nicht im Traum gedacht“, sagte Schwaetzer. Doch in der EKD ist die Politikerin bekannt: Als engagierte Fürsprecherin für Flüchtlinge ebenso wie als Anwältin eines Glaubens, der in der Öffentlichkeit einen festen Platz hat. Ganz anders als die FDP etwa in Schleswig-Holstein setzt sich Schwaetzer dafür ein, dass Berliner Christen an hohen Feiertagen Prozessionen im Stadtzentrum veranstalten. „Wir wollen unsere Botschaft sichtbar machen“, sagt Schwaetzer.

Doch ihre Zeit als Präses der EKD-Synode wird überschaubar bleiben. Gerade einmal für 18 Monate ist sie gewählt, im Frühjahr 2015 konstituiert sich die nächste EKD-Synode.

Was kann in dieser Zeit erreicht werden? Schwaetzer will sich für eine bessere Kommunikation zwischen Rat und Synode der EKD einsetzen, und für das 500-jährige Jubiläum der Reformation 2017. „Es hat derzeit noch nicht die Bedeutung in der Öffentlichkeit, die ich mir wünsche“, sagt Schwaetzer. „Und ich habe kein Problem damit, das Fest auch mit unseren katholischen Geschwistern zu feiern – und dabei an die Wiederentdeckung des Wortes Gottes und der Bibel zu erinnern.“

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