zur Navigation springen

Landtagswahl 2017 : Wahlkampf in SH: Sind Plakate überhaupt noch zeitgemäß?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wahlplakate hängen massenweise in den Orten. Darum nutzen Parteien noch diese Wahlwerbung.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 09:53 Uhr

Sie hängen meterhoch übereinander an Laternenpfählen, finden sich an Kreuzungen, auf grünen Wiesen am Straßenrand, in Fußgängerzonen und überall dort, wo das Wahlvolk sich vielleicht einen Augenblick der Aufmerksamkeit abringen lässt. Knapp vier Wochen vor der Landtagswahl ist Schleswig-Holstein (wieder einmal) mit Plakaten übersät.

Mancherorts wie vergangene Woche in Neumünster protestieren Bürger bei Wahlleitern oder in Ordnungsämtern gegen die „Materialschlacht“ der Parteien im öffentlichen (Straßen) Raum. Und nicht nur netz-affine Nerds fragen nachsichtig lächelnd, ob diese Art der Wahlwerbung in Zeiten von Massenmedien und Internet nicht aus der Zeit gefallen ist.

Klar seien Plakate „ein bisschen old school“, räumt selbst CDU-Landesgeschäftsführer Vitalij Baisel ein. Der Mittdreißiger organisiert erstmals einen Landtagswahlkampf für seine Partei. Doch verzichten will Baisel auf Plakatwerbung ebenso wenig wie seine Kollegen von der politischen Konkurrenz. „Das wird nicht gehen.“

Plakatwerbung im Wahlkampf soll vor allem mobilisieren – nicht nur die eigene Anhängerschaft. Ohne die bunten Papptafeln im Straßenbild würde vermutlich vielen Wahlbürgern noch gar nicht dämmern, dass demnächst am 7. Mai eine Landtagswahl ansteht.

Vorteil der Plakatwerbung: Sie findet sichtbar im öffentlichen Raum statt. Auch wenn ein Plakat nach Untersuchungen im Schnitt und im Vorbeifahren nur 1,7 Sekunden lang betrachtet wird, entscheidend sind Authentizität und Glaubwürdigkeit.

„Es gibt gute und schlechte Wahlplakate“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der als Experte auf dem Gebiet der Wahlforschung gilt. „Die schlechten überwiegen“, setzt er hinzu: Kopfplakate ohne inhaltliche Aussage, Textplakate, die vollgestopft sind mit Schrift, die im Vorübergehen kaum wahrnehmbar ist.

Vor allem die Union setzt bei ihrer Plakatwerbung darauf, dass ihr im Vergleich mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) oder FDP-Frontmann Wolfgang Kubicki eher unbekannter Spitzenkandidat Daniel Günther innerhalb kurzer Zeit an Bekanntheit zulegen kann. Der hatte erst im November den bis dahin blass gebliebenen Spitzenkandidaten Ingbert Liebing abgelöst und damit einen Kaltstart in den Wahlkampf hinlegen müssen.

Landesweit hat die Union ihren Hoffnungsträger inzwischen 12.000-fach geklebt. Dazu kommen 5000 Plakate für Veranstaltungsankündigungen mit Günther. Klar ist Wahlkampfmanagern aber auch: Mit Veranstaltungen allein lassen sich Bekanntheit von Kandidaten und Themen der Parteien kaum wirksam transportieren.

Wer als Bewerber(in) für ein Mandat zwischen Flensburg und Lauenburg um Stimmen kämpft, muss dies zuweilen auch im beschaulichen Kreis von manchmal kaum mehr als einem guten Dutzend Interessierter tun. Was den Nutzen solcher Formate der Wahlwerbung zusätzlich mindert: Meist sind es in der Mehrzahl Parteifreunde, auf die die Wahlkämpfer hier treffen.

Dass der Wahlkampf über die Plakatflut bisher auf Touren gekommen wäre, ist freilich nicht erkennbar. Streitfragen wie die Bildungspolitik, die Innere Sicherheit, der Ausbau der Windkraft oder die marode Verkehrsinfrastruktur böten sich für politische Auseinandersetzungen an. Richtig gezündet hat bisher noch keines dieser Themen. Jetzt steht Ostern vor der Tür, ist das Fest gelaufen, bleiben für die (vielleicht) heiße Phase noch zwei Wochen bis zur Wahl.

Klar ist für den Kommunikationsprofessor Brettschneider auch: Für die Wahlentscheidung spielen Plakate kaum eine Rolle. Da dürften längerfristige politische Überzeugungen, Parteipräferenzen, Sachfragen und Kandidaten selbst die entscheidende Rolle spielen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen