zur Navigation springen

Vereinigtes Königreich : Wahlen in Großbritannien: Labour mit geringeren Einbußen als befürchtet

vom

Die Regional- und Kommunalwahlen gelten als Test für Labour-Chef Jeremy Corbyn. Überraschung auch in London: Hier könnte Sadiq Khan Londons erster muslimischer Bürgermeister werden.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 06:35 Uhr

London | Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien fallen die Verluste der angeschlagenen Labour-Partei wohl geringer aus als erwartet. Selbst im konservativ geprägten Süden des Landes konnte Labour ersten Stimmauszählungen vom Freitag zufolge einige seiner wenigen Hochburgen verteidigen. Mit Ergebnissen für die Bürgermeisterwahl in London ist erst am Freitagabend zu rechnen.

In London geht es um den Bürgermeisterposten, in Schottland, Wales und Nordirland werden Regionalparlamente bestimmt, in England zahlreiche Kommunalparlamente neu besetzt. Die Wahlergebnisse könnten ein erstes Stimmungsbild für die Brexit-Entscheidung im Juni sein.

Der von Medien „Super Thursday“ getaufte Wahltag gilt als erster Test für den linken Parteichef Jeremy Corbyn, der den Labour-Vorsitz im Spätsommer vergangenen Jahres übernommen hatte. Verglichen mit den vergangenen Regional- und Kommunalwahlen in den Jahren 2011 und 2012 muss Labour voraussichtlich zwar heftige Verluste hinnehmen. Im Hinblick auf das desaströse Ergebnis der nationalen Parlamentswahl 2015 gewinnt die Arbeiterpartei aber wohl wieder etwas an Boden. Die Tories dagegen schneiden etwas schlechter ab als im vergangenen Jahr.

In London lag der als Favorit ins Rennen gegangene Labour-Kandidat Sadiq Khan letzten Umfragen zufolge deutlich vor seinem konservativen Tory-Rivalen Zac Goldsmith. Khan könnte der erste muslimische Bürgermeister der Millionenmetropole werden. Die britische Hauptstadt wird seit acht Jahren von dem scheidenden Konservativen Boris Johnson regiert.

In Schottland zeichnet sich ab, dass die Arbeiterpartei weiter an Boden verliert - zugunsten der Tories und der linksgerichteten schottischen Nationalpartei SNP. Die Nationalisten können damit ihre Mehrheit wohl weiter ausbauen. Bereits vor der Wahl regierten sie ohne Partner. Ob Labour seine Position als bislang zweitstärkste Kraft an die Tories verliert, ist noch ungewiss.

Fraglich ist auch, ob das Abschneiden in Schottland den Labour-Chef unter Druck bringen wird. Corbyn hatte kaum eine Rolle gespielt im schottischen Wahlkampf. „Es könnte sein, dass das Endergebnis für Jeremy Corbyn nicht ganz so schlecht aussieht“, sagte John Curtice, Politikprofessor aus Glasgow im BBC-Fernsehen. Überrascht zeigten sich Experten über starke Zuwächse bei den Konservativen in einigen Teilen Schottlands.

Bei den Kommunalwahlen in England scheint auch die euroskeptische Partei Ukip Labour Stimmen abzujagen. Erwartet wird, dass die britischen Nationalisten erstmals in das Parlament von Wales einziehen. Ukip-Chef Nigel Farage sprach deshalb bereits von einem „Durchbruch“ für seine Partei.

40 Millionen Briten waren am Donnerstag dazu aufgerufen, Regional- und Kommunalparlamente zu wählen. Die Auszählung der Stimmen dauerte in den frühen Morgenstunden noch an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen